Die Giro-Favoriten/ Teil 1

Di Luca muss Klöden fürchten

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Andreas Klöden fährt bei der Tour de Romandie.

07.05.2008  |  (rsn) - Bei der am Samstag auf Sizilien beginnenden 91. Auflage des Giro d`Italia kämpfen 198 Fahrer aus 22 Mannschaften um die begehrten Etappensiege und ein gutes Abschneiden in der Gesamtwertung. Radsport news stellt in einer dreiteiligen Serie die heißesten Anwärter auf das Rosa Trikot, die stärksten Sprinter und die aussichtsreichsten Kandidaten für Ausreißersiege vor. Zum Auftakt stellen wir die Kandidaten für die Gesamtwertung vor.

***** Fünf Sterne

Auch wenn er sich nach wie vor bescheiden gibt, ist Andreas Klöden nach seinem überraschend souverän herausgefahrenen Sieg bei der Tour de Romandie der heißeste Anwärter auf den Giro-Sieg. Nicht nur, dass die Form nach einem holperigen Saisonbeginn stimmt. Dem 32-jährigen Cottbusser kommen vor allem die vier Zeitfahren (darunter ein Team- und ein Bergzeitfahren) entgegen. Zudem stehen die schweren Bergetappen erst in der dritten Woche auf dem Programm. So bleibt Klöden noch genügend Zeit, um die Form im Wettkampf weiter zu steigern. Klödens schärfster Konkurrenz beim Kampf um den Gesamtsieg ist Danilo Di Luca (LPR). Der 32-jährige Italiener hat seine Dopingverfahren halbwegs unbeschadet überstanden und geht hochmotiviert ins Rennen. Zudem weiß Di Luca, wie man eine große Landesrundfahrt gewinnt. Im Vorjahr triumphierte er nach einer souveränen Vorstellung, von Schwächen freien Vorstellung. Zudem hat der LPR-Kapitän die volle Rückendeckung seines Teams. Klöden ist offiziell dagegen nur einer von drei Kapitänen bei Astana.

**** Vier Sterne

Während Klöden seine Form bei der Romandie unter Beweis stellen konnte, stehen hinter der Verfassung seiner beiden Teamkollegen Alberto Contador und Levi Leipheimer einige Fragezeichen. Nominell zählen der spanische Toursieger des Vorjahres und der drittplatzierte US-Amerikaner zu den Top-Favoriten. Allerdings kommt Leipheimer gerade aus einer Trainingsphase und Contador, der sich von einer Zahn-Operation erholte, wurde sogar aus dem Urlaub geholt, um beim Giro anzutreten. Dennoch ist dem Duo eine starke Leistung zuzutrauen. Ebenfalls gespannt sein darf man auf den Auftritt des zweimaligen Vuelta-Siegers Denis Mentschow. Der Rabobank-Kapitän hat sein Rennprogramm umgestellt und bestreitet in diesem Jahr den Giro anstelle der Vuelta. Auch wenn das Hauptaugenmerk des 30-jährigen Russen auf der Tour de France liegt, so war aus Teamkreisen doch zu erfahren, dass der Rundfahrtspezialist auch in Italien das Podium im Visier hat.

*** Drei Sterne

Wie eigentlich in jedem Jahr zählt auch diesmal wieder der italienische Dauerbrenner Gilberto Simoni (Serramenti PVC) zum Favoritenkreis. Der Teamkollege von Danilo Hondo, der den Giro 2001 und 2003 gewinnen konnte, ist jedoch in die Jahre gekommen. Während er am Berg noch mit den Besten mithalten kann, wird der mittlerweile 36-Jährige in diesem Jahr vor allem bei den Zeitfahren viel Zeit verlieren. Simonis Vorteil liegt in seiner Erfahrung, er kennt die Etappen fast auswendig. Aber ob die gepaart mit den unbestrittenen Kletterfähigkeiten ausreicht? Gespannt sein darf man auch auf den Auftritt von Simonis Landsmann und letztjährigen Teamkollegen Riccardo Ricco. Der 24-jährige Saunier Duval-Kapitän überraschte 2007 mit einem Etappensieg und Rang sechs in der Endabrechnung. In dieser Saison lief für das von Krankheiten und Verletzungen geplagte Klettertalent recht wenig zusammen. Dennoch hat sich der selbstbewusste Italiener das Podium in Mailand zum Ziel gesetzt. Einen Spitzenplatz in der Endabrechnung möchte auch der Russe Evgeni Petrov erreichen. Der 29-jährige Tinkoff-Kapitän kann vor allem für das Mannschaftszeitfahren auf ein starkes Team bauen. Seinen siebten Platz aus dem Vorjahr will Petrov diesmal verbessern. Unter die besten Fünf will in diesem Jahr der Spanier David Arroyo fahren. Der 28-jährige Caisse d`Epargne-Fahrer, der sich die Kapitänsrolle mit dem Venezolaner José Rujano und dem Russen Wladimir Karpets teilt, belegte im Vorjahr den zehnten Platz. Auch bei der Tour 2007 konnte er mit Rang 13 überzeugen. Der große Durchbruch könnte bei der 91. Giro-Auflage dem Italiener Vincenzo Nibali gelingen. Das 23-jährige Liquigas-Talent konnte seine Leistungen und Ergebnisse Jahr für Jahr verbessern. Der Gesamtsieg bei der Trentin-Rundfahrt bewies, dass sich Nibali in Giro-Form befindet.

** Zwei Sterne

Auch Nibalis Landsmann und Teamkollege Franco Pellizotti ist für vordere Platzierung im Gesamtklassement gut. In den vergangen Jahren fuhr der 30-jährige Italiener konstant unter die ersten Zehn. Zu mehr als Rang acht reichte es aber bisher nicht. Der Spanier Juan Manuel Garate verpasste beim Giro 2002 als Vierter nur knapp das Podium, 2005 wurde Garate zudem Fünfter. Ein solches Spitzenergebnis des 32-jährigen Quick.Step-Fahrers würde diesmal überraschen. Auf Garates Niveau bewegt sich auch der italienische Kletterer Emanuele Sella. Der 27-jährige Kapitän von CSF Group Navigare konnte in den letzten Jahren zwei Mal unter die besten Zehn fahren. Diesmal kann ihm ähnliches gelingen – auch wenn sein Primärziel das Bergtrikot ist. Auf einen Spitzenplatz hofft auch der Slowene Tadej Valjavec (Ag2r). In den letzten Jahren hat der 31-Jährige bei großen Rundfahrten konstant gute Leistungen gebracht. Ein Resultat in der Nähe des Podiums wartete man bisher aber vergeblich. Top-Leistungen beim Giro d`Italia zeigte auch immer wieder der Italiener Paolo Savoldelli. Der mittlerweile 35-jährige Abfahrtskünstler gewann in seiner langen Karriere schon zwei Mal seine Heimatrundfahrt. In diesem Jahr wird sich der Routinier allerdings komplett in den Dienst seines Kapitäns Danilo Di Luca stellen.

* Einen Stern

Große Fragezeichen stehen hinter den beiden Caisse d`Epargne Fahrern Wladimir Karpets und José Rujano. Karpets, der im letzten Jahr unter anderem die Tour de Suisse gewann, wäre durchaus auch in der Lage, bei der Italien-Rundfahrt ein Spitzenergebnis herauszufahren. Allerdings ist nicht klar, ob er den Giro mit großen Ambitionen in Angriff nimmt oder ihn nur als Tour-Vorbereitung bestreitet. Ganz sicher ambitioniert tritt Rujano an. Beim 26-jährigen Giro-Dritten aus dem Jahr 2005 steht allerdings ein großes Fragezeichen hinter seiner Form. Dies gilt auch für den Italiener Marzio Bruseghin. Der 33-jährige Vorjahresachte wird in der Abwesenheit von Damiano Cunego die Kapitänsrolle bei Lampre einnehmen. In dieser Saison trat der Zeitfahrspezialist allerdings noch gar nicht in Erscheinung. Was man über Christian Pfannberger ganz und gar nicht behaupten kann. Vor allem in der Ardennen-Woche, als er bei allen drei Klassikern unter den besten Zehn landete, sorgte der 28-jährige Kletterer für Aufsehen. Ob er solch starke Leistungen auch über einen Zeitraum von drei Wochen erbringen kann, bleibt abzuwarten. In der Ardennen-Verfassung könnte der Barloworld-Neuzugang allerdings eine der Überraschungen beim Giro werden. Gespann sein darf man auch auf das Abschneiden des High Road-Duos Marco Pinotti und Kanstanin Siutsou. Der 32-jährige Italiener trug im Vorjahr mehrere Tage das Rosa Trikot und belegte am Ende einen guten 18. Platz. Diese Platzierung möchte der Gesamtdritte der Tour de Romandie verbessern. Siutsou tritt in Italiener mit der Empfehlung des Gesamtsieges der Tour of Georgia, wo er unter anderem Levi Leipheimer abhängen konnte, an. Allerdings bleibt abzuwarten, wie der 25-jährige Weißrusse sich über drei Wochen schlagen wird. Im Auge behalten sollte man auch Gustav Erik Larsson (CSC), auch wenn dem Schweden wohl keine ähnliche Überraschung wie seinem Teamkollegen Andy Schleck gelingen wird, der im Vorjahr sensationell Zweiter hinter Di Luca wurde.

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