Die Favoriten auf das Bergtrikot

Verhindern Ricco und Piepoli zweites Soler-Solo?

03.07.2008  |  (rsn) – Wer wird Nachfolger von Alberto Contador und Tom Boonen? Verteidigt Mauricio Soler sein im letzten Jahr überraschend erobertes Bergtrikot? Und wer wird das Weiße Trikots des besten Nachwuchsfahrers in Paris überstreifen? Radsport News bewertet die Favoriten und beurteilt Ihre Chancen beim Griff nach den Sternen.

Teil 1: Bergtrikot

***** Sterne

Mauricio Soler (Barloworld): Auch wenn Mauricio Soler bisher eine äußerst diskrete Saison fuhr, so ist der Kolumbianer dennoch Top-Favorit auf das Trikot des besten Bergfahrers. Solers sportlicher Leiter kündigte zwar an, dass sein Star, der im Vorjahr ebenso überraschend wie deutlich die Bergwertung gewann, in diesem Jahr auf Gesamtwertung fahren werde. Da der 25-Jährige seinen Kontrahenten vor allem in den Bergen Zeit abnehmen muss, dürften beide Vorhaben nicht miteinander kollidieren.

**** Sterne

Christophe Moreau (Agritubel): Der erfahrene Franzose peilt bei seiner vielleicht letzten Tour das Bergtrikot an. Der Agritubel-Kapitän zählt trotz seiner 37 Jahre noch immer zu den aggressivsten Fahren im Feld – eine Eigenschaft, die ihm im Kampf um das Bergtrikot sicherlich helfen wird. In diesem Jahr gewann Moreau bereits souverän die Bergwertung bei der Katalonien-Rundfahrt.

Leonarda Piepoli (Saunier Duval): Leonardo Piepoli ist einer der besten Kletterer - das hat der kleine Italiener in den vergangenen Jahren regelmäßig beim Giro d`Italia gezeigt, wo er etwa im Jahr 2007 souverän die Bergwertung gewann. Die Gesamtwertung ist für den Saunier-Duval-Routinier keine Option, zu schwach ist er im Zeitfahren. Da Piepoli auch keinen ambitionierten Klassementfahrer im Team hat – Riccardo Ricco wird nach dem schweren Giro auf Etappensiege gehen – wird er von der Teamleitung im Kampf um das weiße Trikot mit den roten Punkten alle Freiheiten bekommen.

Alejandro Valverde (Caisse d`Epargne), Cadel Evans (Silence-Lotto), Damiano Cunego (Lampre), Denis Mentschow (Rabobank), Carlos Sastre (CSC) : Alle fünf Genannten haben in erster Linie die Gesamtwertung im Visier. Um dort eine Rolle zu spielen, muss man auch in den Bergen ganz vorne dabei sein, so dass sich das Bergtrikot für den kommenden Toursieger als Beiwerk ergeben könnte. So fand sich in den vergangenen Jahren der Toursieger auch immer auf den vorderen Rängen beim Bergtrikot wieder.

*** Sterne

Felix Cardenas (Barloworld): Seine offensive Fahrweise stelle Felix Cardenas in diesem Jahr beim Giro d`Italia unter Beweis. Dass er auch über drei Wochen am Berg gute Leistungen bringen kann, zeigte der Kolumbianer in den Jahren 2003 und 2004, als er jeweils das Bergklassement bei der Vuelta a Espana gewann. Sein Nachteil ist, dass sein Kapitän Mauricio Soler heißt.

Riccardo Ricco (Saunier Duval): Ein großes Fragezeichen steht hinter Riccardo Ricco. Beim Giro glänzte der Italiener im Hochgebirge. Ob er bei seiner ersten Tour-Teilnahme einen ähnlich starken Auftritt hinlegen kann, scheint fraglich. Statt der Gesamtwertung wird der 24-Jährige eher einen Tagessieg auf einer der Bergetappen anpeilen. Sollte Ricco die Tour zu Ende fahren, dann könnte auch das Bergtrikot ein Thema werden.

John Gadret (Ag2r): Neben Christophe Moreau zählt John Gadret zu den kletterstärksten Franzosen. Für eine Spitzenplatzierung im Gesamtklassement reichen allerdings die Zeitfahrqualitäten nicht aus. So muss sich der 29-Jährige in den Bergen zeigen. Bringt der Kletterer konstant gute Leistungen im Hochgebirge, dann könnte auch eine Spitzenplatzierung im Kampf um das Trikot des besten Bergfahrers herausspringen.

Fränk Schleck (CSC): Noch ist die Rollenverteilung bei CSC für die Tour nicht geklärt. Da Fränk Schleck bisher bei jeder Rundfahrt einen schlechten Tag hatte und dadurch alle Hoffnungen auf eine Spitzenplatzierung aufgeben musste, könnte die Teamleitung diesmal auf seinen Bruder Andy und den Spanier Carlos Sastre setzen. So würde sich der 28-jährige Luxemburger vor allem auf Etappensiege oder auch das Bergtrikot konzentrieren.

Dimitri Fofonov (Credit Agricole): Dimitri Fofonov zeigte bei der Dauphiné Libéré, dass er ein ernsthafter Anwärter auf das Bergtrikot sein kann. Bei der schweren Vorbereitungsrundfahrt belegte er in der Sonderwertung den dritten Platz. Der 31-jährige Kasache hat zudem keinen Teamkollegen, für den er für die Gesamtwertung arbeiten müsste und kann auf eigene Rechnung fahren.

** Sterne

Fabian Wegmann (Gerolsteiner): Beim Giro d`Italia konnte Fabian Wegmann das Bergtrikot bereits gewinnen, auch bei der Tour de France trug der Deutsche Meister bereits das weiße Trikot mit den roten Punkten. Um ein heißer Anwärter auf den Sieg in dieser Sonderwertung zu sein, müsste Wegmann aber auch im Hochgebirge ganz vorne dabei sein - was nicht zu erwarten ist. Dafür dürften dem Freiburger die zahlreichen mittelschweren Etappen liegen.

Alexandre Botcharow (Credit Agricole): Auch der Russe zählt zu den guten Kletterern, die aufgrund ihrer mittelmäßigen Zeitfahrqualitäten in der Gesamtwertung keine Chance haben. So öffnet sich für den Credit Agricole-Fahrer, der in diesem Jahr bereits die Mittelmeer-Rundfahrt gewann, die Tür für die Bergwertung. Der 33-Jährige muss, um in der Sonderwertung erfolgreich zu sein, allerdings früh in die Flucht gehen. Klettert er gemeinsam mit den Klassement-Fahrern, hat er keine Chance.

Sylvain Chavanel (Cofidis): Sylvain Chavanel möchte in diesem Jahr nicht die Gesamtwertung anvisieren, sondern auf Etappenerfolg gehen. Man muss jedoch abwarten, wie sehr die Kletterqualitäten des 29-Jährigen bei der Wandlung hin zum Klassikerfahrer gelitten haben.

Yaroslaw Popovych (Silence-Lotto): Obwohl Popovych im vergangenen Jahr viel für seinen Teamkollegen, den Toursieger Alberto Contador, arbeiten musste, belegte er in der Bergwertung am Ende noch den dritten Platz. Nach seinem Wechsel von Discovery Channel zu Silence-Lotto muss der Ukrainer nun für Cadel Evans schuften. Passt es in die taktische Marschroute des Teams, so könnte der 28-jährige Ukrainer mit offensiver Fahrweise in den Bergen auch in den Kampf um das Trikot des besten Kletterers eingreifen.

Youri Trofimov (Bouygues Telecom): Bei der Dauphiné Libéré zeigte Youri Trofimov, dass er angriffslustig und bergfest zugleich ist – die ideale Mischung für einen potenziellen Gewinner des Bergtrikots. Bei der Tour-Generalprobe belegte er punktgleich hinter dem Sieger Pierre Rolland (Credit Agricole) den zweiten Platz in der Sonderwertung. Bei der Tour muss der Bouygues Telecom-Profi für keinen Teamkollegen arbeiten, so dass sich ihm viele Freiräume bieten werden. Allerdings bleibt abzuwarten, wie der 24-Jährige seine erste Dreiwochen-Rundfahrt wegsteckt.

* Stern

Juan José Cobo (Saunier Duval): Gemeinsam mit seinen Teamkollegen Piepoli und Ricco wird Juan José Cobo in den Bergen mächtig für Betrieb sorgen. Auch der Spanier könnte in den Kampf um den Bergthron eingreifen. Aber möglicherweise wird der 27-Jährige zugunsten seiner beiden Kapitäne auf eigene Ambitionen verzichten müssen.

Sandy Casar (Fdjeux): Hoffnungen auf eine Spitzenplatzierung in der Gesamtwertung hat Sandy Casar (Fdjeux) nicht mehr. Vielmehr wird er wie im Vorjahr sein Heil in Ausreißergruppen suchen. Dass er auch am Berg ein guter Mann ist, zeigte der 28-jährige Franzose vor zwei Jahren beim Giro d`Italia, den er auf dem sechsten Platz beenden konnte.

Kanstantin Sioutsou (Team Columbia): Der Weißrusse wird viel für seinen Teamkollegen Kim Kirchen arbeiten müssen. Zu seinen Aufgaben könnte jedoch auch das Besetzen von Fluchtgruppen gehören. Daraus könnte auch eine gute Platzierung in der Bergwertung resultieren. Falls Kirchen schwächeln sollte, dann erhält Sioutsou, der in diesem Jahr die Georgia-Rundfahrt gewann, von der Teamleitung sicherlich freie Fahrt.

David Arroyo (Caisse d`Epargne): Der Spanier wird vor allem Helferdienste für seinen Kapitän Alejandro Valverde leisten müssen. Die gleiche Aufgabe hatte der Arroyo auch im Vorjahr. Dennoch fuhr der 28-Jährige ein offensives Rennen und zeigte sich vor allem auf den Bergetappen mehrfach in Ausreißergruppen.

Laurent Levefere (Bouygues Telecom): Der Franzose zeigte im Vorjahr eine starke und offensive Tour de France. Diese Leistung wurde mit dem fünften Rang in der Bergwertung belohnt. Läuft es für den 32-Jährigen ähnlich gut, ist wieder ein Spitzenplatz in der Sonderwertung möglich.

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