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28.12.2008 | (rsn) – Auch 2008 war wieder ein aufregendes Radsportjahr, das auch jenseits von Ergebnissen und Statistiken viel zu bieten hatte. In einem Rückblick lässt Radsport News Monat für Monat kuriose, groteske und witzige, aber auch dramatische und gefährliche Situationen und Ereignisse noch einmal Revue passieren. Im dritten Teil: die Monate Juli und August.
Juli:
Mit einem Rennabbruch beginnt im italienischen Klausen die 60. Österreich-Rundfahrt. Ein heftiger Regenschauer, der über der Südtiroler Kleinstadt niedergeht, zwingt die Rennleitung dazu, den Prolog zunächst zu unterbrechen und schließlich abzusagen. Zu diesem Zeitpunkt warten noch neun Fahrer auf ihren Start. Alle Profis werden mit derselben Zeit gewertet. Zum Zeitpunkt des Abbruchs liegt der Leipziger Steffen Radochla vom österreichischen Team Elk Haus-Simplon in Führung.
Für einen trügerisch kurzen Moment fühlt sich Paul Voß bei den U23- Europameisterschaften wie der neue Titelträger. Der Bielefelder gewinnt den Zielsprint, hat aber nicht bemerkt, dass der Franzose Cyril Gautier sich zuvor schon auf und davon gemacht und als Solist das Ziel erreicht hat. "Der erste Moment im Ziel war auch ein kleiner Schock. Ich hatte mich nach dem Sprint zuerst gefreut, wie wenn ich diese EM gewonnen hätte", so der Silbermedaillengewinner nach dem Rennen.
Nach der 2. Etappe der Tour de France schnappt sich ein „Chaperon“ den Pulheimer Gerald Ciolek und fordert ihn auf, ihm unverzüglich zur Dopingkontrolle zu folgen. Der Columbia-Sprinter unterschreibt das Protokoll und macht sich mit dem Aufpasser im orangefarbenen Leibchen auf den Weg. Aber schon kurz darauf sieht man Ciolek wieder auf dem Weg zurück zum Mannschaftsbus. Grund: Der Chaperon hat den jungen Deutschen mit einem anderen Fahrer verwechselt.
Die Tour macht Träume wahr – wenn auch manchmal mit kleiner Verspätung. Die Floskel kann man bei Romain Feillu (Agritubel) ihn allerdings wörtlich nehmen. „Ich habe geträumt, dass ich das Gelbe Trikot trage, aber in meinem Traum habe ich den Anstieg von Plumelec gesehen. Jetzt ist es zwei Tage später passiert, aber es ist trotzdem wunderbar“, sagt der 24-jährige Franzose, nachdem er auf der 3. Etappe das Gelbe Trikot übernommen hat.
Die spektakulärsten Bilder auf der 13. Tour-Etappe liefert Sven Krauß (Gerolsteiner). Der 25-jährige Herrenberger knallt rund acht Kilometer vor dem Ziel in Nimes bei vollem Tempo gegen eine ungesicherte Verkehrsinsel, wird mitsamt Rennmaschine meterhoch durch die Luft geschleudert und kracht mit voller Wucht auf den Asphalt. Krauß hat Glück und kann das Rennen ohne ernsthafte Verletzungen beenden. Seine Rennmaschine dagegen ist in vier Teile zerbrochen, die von Gerolsteiners Sportlichem Leiter Christian Henn von der Straße aufgesammelt werden müssen.
Von einem schweren Sturz des Spaniers Oscar Sevilla (Rock Racing) wird das Finale der 2. Etappe der chinesischen Tour of Quinghai Lake überschattet. Sevilla rast auf der Zielgeraden in vollem Tempo in einen Fotografen, der sich mitten auf der Straße platziert hat. Erste Meldungen, wonach sich der ehemalige T-Mobile-Fahrer beide Handgelenke und mehrere Rippen gebrochen hat, bestätigen sich zum Glück nicht. Sevilla erscheint am selben Tag schon wieder zum Abendessen im Hotel. Nur im Gesicht sind die Spuren des Sturzes noch zu sehen. Wie stark sich der Fotograf verletzt hat, ist nicht bekannt.
August:
US-amerikanische Olympiastarter wollen ganz auf Nummer sicher gehen und betreten bei den Olympischen Spielen von Peking mit aufgesetzten Atemschutzmasken chinesischen Boden. Angesichts der bedenklichen Luftqualität in der chinesischen Hauptstadt waren sie von den US-Behörden mit den Masken ausgestattet worden. Nachdem der skurrile Auftritt der Amerikaner bei den Organisatoren und den Gastgebern für Unverständnis sorgt, entschuldigt sich die US-Delegation.
„La Longo“ fährt und fährt und fährt – und wie. Auch im biblischen Radsportalter von 49 Jahren lässt die Französin Jeannie Longo-Ciprelli noch einen Großteil der Weltspitze hinter sich. So etwa im olympischen Zeitfahren in Juyogguan, das Longo als Vierte beendet. Nur knapp über eine Minute ist sie von der Goldmedaille der Amerikanerin Kristin Armstrong entfernt. Und ein Ende ist nicht in Sicht: Die Grande Dame des Radsports, die mit ihrem Trainer Patrice Ciprelli verheiratet ist, äußert auch nach Olympia keinerlei Rücktrittsabsichten.
Denis Mentschow verabschiedet sich nach zwei Kurzauftritten sang- und klanglos von der Deutschland Tour. Der Rabobank-Kapitän handelt sich schon im Prolog von Kitzbühel Rückstand ein und steigt tags darauf im Verlauf der Bergetappe durch Österreich aus. Eigentlich sollte Mentschow, dem unter anderem der Giro und die Tour in den Beinen stecken, gar nicht zur D-Tour antreten. Aber da Rabobank zu dieser Zeit an vier Rennen zugleich teilnimmt, muss der 30-jährige Russe doch noch mal ran.In Topform tritt dagegen der nach einem doppelten Beinbruch wieder genesene Linus Gerdemann bei seiner Heimatrundfahrt an. Allerdings passiert dem Münsteraner bei seinem Parforceritt hinauf nach Hochfügen ein seltenes Malheur. Gerdemanns Kopfhörerkabel verfängt sich auf den letzten Kilometern in der Schaltung und lässt die Gänge immer wieder durchrutschen. "In diesem Jahr ist es wie ein Fluch. Wenn ich mich stark fühle, passiert was. Das hat mich sicher 30 Sekunden gekostet. Das ist natürlich ärgerlich, denn es geht im Kampf um den Gesamtsieg um jede Sekunde“, schimpft Gerdemann, nachdem er als Erster das Ziel erreicht hat. Am Ende muss sich der Tour-Etappensieger von 2007 nicht sorgen, gewinnt er doch souverän die Deutschland Tour.
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