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08.12.2009 | (rsn) – Nach dem plötzlichen Rückzug des im August der Öffentlichkeit präsentierten Sponsors Skyter steht die Nürnberger Equipe vor dem Aus. Jochen Dornbusch, der Sportliche Leiter des fränkischen Frauenrennstalls, sieht kaum noch Chancen, in der kurzen Zeit bis zum Saisonstart noch einen neuen Geldgeber zu finden, wie er im Interview mit Radport News erklärte.
Wie sehen Sie die Chancen, dass das Team nach dem überraschenden Rückzug des vermeintlichen Sponsors doch noch einen neuen Geldgeber findet?
Dornbusch: Ich weiß, dass der Herr Oppelt (Teammanager, d. Red.) derzeit sehr mit Sponsorensuche beschäftigt ist. Aber wenn er noch einen finden würde, wäre das ein Wunder. Und an Wunder glaube ich nicht. Es ist wohl vorbei. Eine letzte kleine Hoffnung habe ich trotzdem noch, dass der bisherige Sponsor, die Nürnberger Versicherung, vielleicht doch noch ein Jahr dranhängt, damit wir den Rennbetrieb aufrechterhalten können und Zeit haben, doch noch einen neuen Sponsoren zu finden. Andererseits sind das auch nüchtern kalkulierende Geschäftsleute und es ist nun mal so, dass der Vertrag ausgelaufen ist.
Haben Sie schon mit Ihren Fahrerinnen über die Ereignisse der letzten Tage gesprochen?
Dornbusch: Fast mit allen. Die Mädels sind natürlich niedergeschlagen. Aber ich weiß, dass einige um Trixi Worrack auch aktiv geworden sind, um doch noch einen Sponsoren zu finden.
Das Unternehmen Sklyter hat den Rückzug mit Etatlücken begründet, die Verantwortung also dem Team zugeschoben. Was sagen Sie dazu?
Dornbusch: Das ist vollkommender Blödsinn, von Etatlöchern zu sprechen. Für mich ist das fadenscheinig. Meiner Meinung nach haben die die Segel gestrichen, weil sie Lücken im eigenen Etat haben. Mir war die ganze Geschichte von Anfang an nicht geheuer. Mehr will ich dazu aber nicht sagen.
Aber war es dann nicht naiv, sich mit so einem Partner einzulassen?
Dornbusch: Natürlich kann man das jetzt so sehen. Aber die sind uns ja von seriösen Leuten wie der Frau Wöhrl (CSU-Politikerin und langjährige Schirmherrin der Equipe) und Ute Scholz (Ehefrau des ehemaligen Nürnberger Oberbürgermeisters, d. Red.) empfohlen worden. Blauäugig war es wohl, nicht sofort eine schriftliche Vereinbarung zu treffen, sondern sich erst mal auf eine mündliche Zusage zu verlassen.
Wie geht es jetzt für die Fahrerinnen weiter – das Team hat sich ja verstärkt, etwa mit der britischen Olympiasiegerin Nicole Cooke?
Dornbusch: Die Mädels haben zwar gültige Verträge, aber ich denke, die werden jetzt nicht darauf beharren, sondern versuchen, bei anderen Teams unterzukommen. Aber auch für die sehr guten wird es schwer, denn die Spitzenteams wie Columbia oder Cervélo haben ihre Personalplanungen schon abgeschlossen. Im schlimmsten Fall müssen die Oppelts sehen, wie sie das Geld für die Fahrerinnen zusammen bekommen.
Und wie sieht Ihre persönliche Zukunft aus?
Dornbusch: Ich habe schon einige Kontakte zur Zweiradbrance geknüpft und auch nach Italien und in die USA. Ich denke aber nicht, dass ich im Radsport bleibe. Der Radsport in Deutschland ist tot.
Sie waren lange Jahre Bundestrainer, sind erst zu dieser Saison zur Equipe Nürnberger gewechselt. Haben Sie den Schritt inzwischen bereut?
Dornbusch: Nein, auf keinen Fall. Nach zehn Jahren als Bundestrainer war es einfach an der Zeit, mal was Neues zu machen. Ich hatte ein gutes Jahr mit dem Team gehabt, aber wenn es nicht ganz so erfolgreich war wie erhofft. Aber über den Köpfen der Fahrerinnen schwebte ja schon das Damoklesschewert „Sponsorensuche“. Das war sicher auch belastend. In der Saison 2010 wollten wir richtig angreifen. Und der Herr Lindemann (Skyter-Geschäftsführer, d. Red.) hatte ja auch bei der Präsentation im August von einer fünfjährigen Zusammenarbeit gesprochen.
Mit Jochen Dornbusch sprach Matthias Seng.
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