Brite gewinnt überlegen 64. Critérium du Dauphiné

Wiggins fährt sich in die Favoritenrolle für die Tour

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Das Podium des 64. Critérium du Dauphiné, v.l.: Michael Rogers (Sky), Bradley Wiggins (Sky), Cadel Evans (BMC) | Foto: ROTH

10.06.2012  |  (rsn) – Bradley Wiggins (Sky) hat auch die letzte Etappe des 64. Critérium du Dauphiné problemlos überstanden und damit seinen Gesamtsieg aus dem Vorjahr wiederholt. Der Britische Meister erreichte auf der 7. Etappe über 126 Kilometer von Morzine nach Châtel einige Sekunden hinter der Spitzengruppe das Ziel. Nach seinem beeindruckenden Auftritt in den vergangenen Tagen ist Wiggins - der auch auf ein bärenstarkes Team bauen kann - in der Favoritenrolle für die am 30. Juni in Lüttich startende 99. Tour de France.

Den Tagessieg an der Bergankunft der 3. Kategorie in Châtel sicherte sich der Spanier Daniel Moreno (Katusha) im Sprint vor seinem Landsmann Luis Leon Sanchez (Rabobank) und dem Australier Cadel Evans (BMC). Damit feierte Moreno seinen zweiten Tageserfolg bei der diesjährigen Tour-Generalprobe.

„Mein Team war super heute”, lobte der Etappengewinner seine Helferriege. „Luis Leon Sanchez und ich sind im letzten Moment noch weggekommen. Ich habe mich schon müde gefühlt, aber dann doch noch die nötige Kraft aufgebracht, um hier zu gewinnen“, so Moreno, der es seinem Kapitän Joaquin Rodriguez gleich tat. Der Katalane konnte im vergangenen Jahr zwei Dauphiné-Etappen gewinnen, verzichtete diesmal nach seinem zweiten Platz beim Giro aber auf einen Start. Davon profitierte sein Edelhelfer. Moreno: „Ohne ihn bieten sich mir Möglichkeiten auf Etappensiege zu fahren, so, wie er es normalerweise macht.“

An der Spitze des Gesamtklassements gab es keine Veränderungen mehr. Wiggins setzte sich mit 1:17 Minuten Vorsprung auf seinen australischen Teamkollegen Michael Rogers durch. Evans belegt mit 1:26 Minuten Rückstand auch hier Platz drei vor dem Briten Chris Froome (Sky/+1:45) und dem solide fahrenden Belgier Jürgen Van den Broeck (Lotto Belisol/+2:12). Sechster wurde der Weißrusse Vasile Kiryienka (Movistar/+2:58)

Gewinner des Bergtrikots ist der erst 22 Jahre alte Kolumbianer José Sarmiento (Liquigas-Cannondale), Evans sicherte sich das Grüne Punktetrikot. Der Niederländer Wilco Keldermann (Rabobank) wurde mit dem Weißen Trikot des besten Nachwuchsfahrers ausgezeichnet. Der 21-Jährige wurde Achter des Gesamtklassements, nur einen Platz hinter dem Slowenen Janez Brajkovic (Astana), dem Gewinner der Ausgabe von 2010. Wiggins' Sky-Team gewann überlegen mit mehr als 13 Minuten Vorsprung die Mannschaftswertung vor BMC.

„Ich bin sicher einer der Favoriten für die Tour de France, aber nicht DER Favorit. Das haben wir in dieser Woche gesehen“, kommentierte Wiggins seinen bereits dritten Rundfahrtsieg in dieser Saison. Zuvor hatte der 32-Jährige Paris-Nizza und die Tour de Romandie gewonnen. „Das ist ein großer Sieg. Die Leute sprechen immer von der Tour, aber Paris-Nizza und die Dauphiné in einem Jahr zu gewinnen, ist schon gewaltig. Was auch immer bei der Tour passieren wird – ich kann schon jetzt zufrieden sein", so Wiggins, der aber nach seiner Vorstellung in Südfrankreich bei der Tour der Mann sein wird, den es zu schlagen gilt.

„Ich bin jetzt in der besten Form, die ich in dieser Saison bisher hatte. Es gibt noch einige Verbesserungsmöglichkeiten, aber ich bin jetzt da, wo ich zu diesem Zeitpunkt sein möchte“, zeigte sich Evans mit seinem Abschneiden bei der Tour-Generalprobe zufrieden.

Im ersten, überwiegend bergab führenden Renndrittel blieben bei hohem Tempo alle Attacken erfolglos. Die erste Bergwertung (4. Kat.) bei Kilometer 39,5 gewann aus dem noch 155 Fahrer starken Feld heraus der Kolumbianer José Sarmiento (Liquigas-Cannondale), der sich damit praktisch das Bergtrikot der Rundfahrt sicherte.

Nur einen Kilometer nach der Bergwertung bildete sich dann doch eine insgesamt acht Fahrer starke Ausreißergruppe. Einer Attacke des Franzosen Jérôme Coppel (Saur Sojasun) folgten zunächst dessen Landsmann Pierre Rolland (Europcar) und der Niederländer Lieuwe Westra (Vacansoleil-DCM). Kurz darauf schlossen noch der Kasache Dmitri Fofonov (Astana), der Ukrainer Yaroslaw Popovych (RadioShack-Nissan), der Niederländer Stijn Vandenbergh (Omega Pharma-QuickStep) sowie die beiden Franzosen Sylvain Chavanel und Christophe Le Mével (Garmin-Barracuda) zum Spitzentrio auf.

Das zunächst erneut von Sky kontrollierte Feld ließ die Gruppe ziehen, die sich bei Kilometer 50 bereits einen Vorsprung von gut zwei Minuten erarbeitet hatte. Der im Gesamtklassement bestplatzierte Fahrer war Coppel auf Rang 15 – und damit auch bester Franzose. Der Zweite der Bayern-Rundfahrt stellte aber angesichts eines Rückstands von 4:39 Minuten keine große Gefahr für das Gelbe Trikot dar. Als die Gruppe ihren Vorsprung weiter ausbaute, war mit Thomas Voeckler (Europcar) ein weiterer prominenter Name nicht mehr dabei. Der letztjährige Tour-Vierte klagte seit Samstag über Knieprobleme und stieg vorsichtshalber aus.

Als der Abstand zwischen Spitze und Verfolgern die 2:30 Minuten-Marke überschritten hatte, erhöhten Sky und BMC im Feld das Tempo. Nach zwei Dritteln des Rennens und noch vor den Höchstschwierigkeiten des Tages war der Vorsprung der Ausreißer bereits auf 1:45 Minuten geschrumpft. Im Anstieg zur Côte de la Vernaz (2. Kat.) setzten sich Chavanel, Rolland, Coppel und Westra von ihren Begleitern ab, allerdings nur noch bei einem Vorsprung von 1:45 Minuten auf das Feld, in dem sich mittlerweile auch Katusha an der Führungsarbeit beteiligte. An der Bergwertung, die Coppel für sich entschied, war auch Chavanel aus der Gruppe herausgefallen.

Im 7,7 Kilometer langen und durchschnittlich 7,3 Prozent steilen Anstieg zum Col du Corbier (1. Kat.) kam es zu ersten folgenlosen Attacken aus dem Feld heraus. Coppel gewann auch diese Bergwertung vor Rolland und Westra, eine knappe Minute dahinter folgte das Feld. In der Abfahrt griff Vincenzo Nibali (Lqiuigas-Cannondale) an, doch BMC ließ den Italiener nicht ziehen und stellte auch kurz darauf Westra.

Das französische Duo an der Spitze erhielt auf den letzten Kilometern Unterstützung von Landsmann Alexandre Geniez (Argos-Shimano), der sich rund acht Kilometer vor dem Ziel aus dem noch rund 50 Fahrer starken Feld abgesetzt hatte. Doch die neue Spitzengruppe wurde noch vor dem 1,5 Kilometer langen und 8,7 Prozent steilen Schlussanstieg gestellt, in dem zunächst Moreno seine Helfer nach vorn schickte.

Auch Evans zeigte sich in vorderster Position, wogegen Wiggins und dann auch Rogers eine kleine Lücke reißen lassen mussten. Auf den letzten Metern zog Luis Leon Sanchez als Erster den Sprint an, doch der 28-Jährige wurde von seinem Landsmann Moreno noch abgefangen. Damit konnte der 30-jährige Kletterspezialist zum zweiten Mal jubeln, nachdem er bereits die 2. Etappe auf vergleichbarem Terrain für sich hatte entscheiden können.

Hinter Moreno, Sanchez und Evans kam der Norweger Edvald Boasson Hagen (Sky) auf den vierten Platz vor dem Italiener Rinaldo Nocentini (Ag2R), dem erneut starken Niederländer Pieter Weening (Orica-HGreenEdge), den beiden Belgiern Jürgen Van den Broeck (Lotto Belisol) und Dries Devenyns (Omega Pharma-QuickStep) sowie dem Australier Richie Porte (Sky). Alle diese Fahrer waren zeitgleich. Rogers hatte als Zehnter sieben Sekunden Rückstand, Wiggins folgte weitere drei Sekunden dahinter auf Rang 19.

Fünf Sky-Fahrer unter den besten 20 dokumentierten die Überlegenheit der Wiggins-Mannschaft auch am letzten Tag des Rennens. Im Gesamtklassement schafften es vier unter die besten Zehn – neben Wiggins, Rogers und Froome noch Porte, der Neunter wurde.

Die deutschen Starter spielten zum Abschluss keine Rolle mehr. Zeitfahrweltmeister Tony Martin (Omega Pharma-Quickstep) kam mit 6:11 Minuten Rückstand zeitgleich mit Johannes Fröhlinger (Argos-Shimano) und seinem Teamkollegen Gerald Ciolek ins Ziel und fiel im Gesamtklassement noch auf Rang 23 zurück, 10:16 Minuten hinter Wiggins. Bester Deutscher im Tagesklassement war der Allgäuer Dominik Nerz (Liquigas-Cannondale), der mit 1:55 Minuten Rückstand auf Position 40 ins Ziel kam.

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