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27.06.2012 | (rsn) - Insgesamt 13 deutsche Profis sind am Samstag in Lüttich dabei, wenn die 99. Tour de France mit einem 6,4 Kilometer langen Prolog gestartet wird. Radsport News stellt die Fahrer, ihre Chancen und Aufgaben in einer kleinen Serie vor.
Teil 2:
Tony Martin (Omega Pharma-QuickStep, 27 Jahre, 4. Teilnahme): Der Zeitfahrweltmeister geht mit zwei großen Zielen in seine vierte Tour de France. Martin will in seiner Spezialdisziplin mindestens einen Sieg herausfahren – und dazu bieten ihm sich gleich drei Möglichkeiten, die erste gleich zum Auftakt im 6,4 Kilometer langen Prolog in Lüttich. Bessere Chancen hat der 27-Jährige aber wohl in den beiden langen Zeitfahren der 9. und der 19. Etappe.
Aber Martin träumt auch vom Gelben Trikot, das er entweder schon am Samstag oder aber nach dem Zeitfahren in Besançon überstreifen könnte. Auch wenn die Tour so viele Zeitfahrkilometer wie schon lange nicht mehr bereit hält (nämlich gut 100), so will der Eschborner mit Schweizer Wohnsitz diesmal nicht auf Gesamtklassement fahren. Zu ernüchternd waren die Resultate der vergangenen Jahre, als Martin jedes Mal im Hochgebirge viel Zeit verlor.
Nach seinem schweren Sturz Anfang April ist er überraschend schnell wieder in Form gekommen, gewann die Belgien-Rundfahrt, wurde Zweiter im Zeitfahren der Dauphiné – wo er sich dem Tour-Favoriten Bradley Wiggins (Sky) geschlagen geben musste – und sicherte sich am Freitag ganz überlegen seinen zweiten Titel bei den deutschen Zeitfahrmeisterschaften. Kurzum: Martin ist in Tour-Form und ist im Kampf gegen die Uhr gemeinsam mit Wiggins und Fabian Cancellara (RadioShack-Nissan) der große Favorit.
Bert Grabsch (Omega Pharma-QuickStep, 37 Jahre, 7. Teilnahme): In den vergangenen Jahren zeichnete sich der Zeitfahrweltmeister des Jahres 2008 regelmäßig als Tempobolzer aus, der auf den Flachetappen für Mark Cavendish Ausreißergruppen zurückholte. Sein neues Team Omega Pharma-QuickStep hat zwar keinen Sprinter im Tour-Aufgebot, trotzdem wollte Teamchef Patrick Lefevere bei der Tour nicht auf Grabschs immense Erfahrung und seine beeindruckende Zuverlässigkeit verzichten.
So wird der 37-Jährige zunächst seinen Kapitän Levi Leipheimer aus dem Wind halten und sich dann zur Belohnung in den beiden langen Zeitfahren versuchen dürfen. Für Grabsch gilt aber gleiches wie für Tony Martin: Das herausragende Ziel dieser Saison sind die Olympischen Spiele. In London will der vierfache deutsche Zeitfahrmeister in seiner Spezialdisziplin eine Medaille einfahren.
Dominik Nerz (Liquigas-Cannondale, 22 Jahre, 1. Teilnahme): Der jüngste deutsche Tour-Teilnehmer kann sich auf sein Debüt bei der Frankreich-Rundfahrt freuen. Und das hat Nerz sich nach einem starken Frühjahr mit Platz fünf beim GP Indurain und Rang zwei bei Eschborn-Frankfurt redlich verdient. Der Allgäuer wird vor allem in den Bergen als Helfer für Vincenzo Nibali gebraucht, einen der Kandidaten auf das Tour-Podium. Darüber hinaus gilt es für den U23-Meister von 2009, beim größten Radrennen der Welt Erfahrungen zu sammeln und bis nach Paris durchzuhalten.
Marcus Burghardt (BMC, 28 Jahre, 5. Teilnahme): Das Ziel des langen Sachsen ist klar: Cadel Evans dabei helfen, den zweiten Toursieg einzufahren. Im vergangenen Jahr gelang das Burghardt vorbildlich, als den Australier auf den Flachetappen immer wieder aus dem Wind hielt und zeitweise sogar im Hochgebirge lange an der Seite seines Kapitäns blieb. Vom Tour-Etappensieger von 2008 war in dieser Saison noch nicht viel zu sehen, zuletzt wurde er bei den Deutschen Meisterschaften in Grimma Fünfter des Straßenrennens. Aber auch im vergangenen Jahr fuhr Burghardt unauffällig bis zur Tour – um dann auf den Champs Elysees in Paris mit dem Gelben Trikot zu feiern. Burghardt hat übrigens schon nach dem Prolog Grund zu feiern, denn am Samstag wird er 29 Jahre alt.
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