Organisationschef Coe: "Der größte Tag des Sports"

Briten feiern bei Olympia den Super Saturday

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05.08.2012  |  London (dapd) - Am Samstag erhob sich das Vereinigte Königreich stolz, blau-rot-weiß waren die Farben auf Wangen und der Kleidung, "Rule Britannia", summten oder sangen die Briten mit, wenn immer eine oder einer der ihren Gold gewann. Sechs Olympiasiege an einem Tag, das gab es noch nie, seit die Spiele der Neuzeit durchgeführt werden. "Super Saturday" titelten die Gazetten - was für ein Erfolg, was für Spiele.

Über allen standen die Leichtathleten um Siebenkämpferin Jennifer Ennis, deren Adelung zur "Dame" nur noch eine Frage der Zeit ist. Sie war die Königin des Tages, Elizabeth II. zum Trotz. Weitspringer Greg Rutherford und der populäre 10.000m-Läufer Mo Farah folgten, das Olympiastadion vibrierte vor Freude und Patriotismus. "Das war der größte Tag des Sports, den ich je miterlebt habe", sagte Organisationschef Lord Sebastian Coe.

Vier Tage haben die Gastgeber auf die erste Goldmedaille warten müssen, schon regte sich Ungeduld, "cruel Britannia" wortspielten die Zeitungen, es war brutal. Doch nachdem am 1. August die Ruderinnen Helen Glover und Heather Stanning den Bann brachen, waren die Gastgeber nicht mehr zu stoppen. Insbesondere die seit Jahren mit Millionen Sponsoren- und Lottogeldern zentral geförderten Vollprofis vom Rudern und Radsport sammelten eine Medaille nach der anderen ein.

"Es ist ein großartiger Tag, Brite zu sein", jubelte sogar die BBC. Sportler aus sonst eher vernachlässigten Disziplinen rücken ins Rampenlicht. Wie Radfahrer Bradley Wiggins, der seinem Tour-de-France-Erfolg noch eine Goldmedaille im Zeitfahren folgen ließ und nun Superstar-Status genießt. "Radfahren und Wiggins sind ein gigantisches Thema im Land", sagte Oliver Holt vom "Daily Mirror", "ich bin sicher, das wird auch so bleiben."

Coe hat sogar schon festgestellt, dass im Umfeld der Spiele "die normale britische Reserviertheit verschwunden" sei. Die Leute sind freundlich zueinander, sie freuen sich über diese Tage, sie schweben kollektiv auf einer Wolke des Glücks. Auf dem Olympia-Gelände tragen unzählige Besucher den "Union Jack" über den Schultern, kommen kostümiert wie sonst nur zu Fußballspielen. In den Megastores mit dem Merchandising-Tand gibt es ungewöhnlicherweise spezielle Ecken mit den "Team-GB"-Artikeln. Sie sind Bestseller.

Angesichts der Olympia-Euphorie spielte sogar das Aus der Fußballer gegen Südkorea keine Rolle. "Elfmeterschießen, das war doch eh klar", sagte lakonisch ein englischer Fotograf im Pressezentrum des Hockeystadions. Und schaltete den Fernsehen um. Zur Leichtathletik. Da gab es schließlich was zu gewinnen.

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