Erfurter überließ nichts dem Zufall

Degenkolb: Vuelta-Sieg gibt Selbstvertrauen für die WM

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Sektdusche: John Degenkolb (Argos-Shimano) nach seinem Vuelta-Etappensieg | Foto: ROTH

20.08.2012  |  Leipzig/Viana (dapd). Im Moment des Triumphs war alles vergessen. Das Pech bei den Frühjahrsklassikern, der Verzicht auf das Debüt bei Tour de France, das taktische Debakel im olympischen Straßenradrennen. John Degenkolb (Argos-Shimano) genoss einfach nur seinen Etappensieg bei der Vuelta, der zugleich der bisher größte Erfolg seiner Karriere ist: "Ich habe jetzt einen Etappensieg bei einer der drei großen Landesrundfahrten. Das kann mir keiner mehr nehmen."

Der junge Thüringer hatte auf der zweiten Etappe der Spanien-Rundfahrt in Viana seine ganze Sprintklasse gezeigt. "Alles war perfekt", vermeldete Degenkolb, der vor seiner Reifeprüfung im Konzert der Großen nichts dem Zufall überlassen hatte: "Ich habe alles genau analysiert, wie steht der Wind, wo sind gefährliche Stellen und wann muss man antreten. Wir haben uns dann auf die letzten anderthalb Kilometer konzentriert und meine Teamkollegen haben perfekt für mich gearbeitet."

Die Vuelta nutzt der hoch veranlagte Degenkolb als Vorbereitung auf die WM Mitte September in der Region Limburg. Nach dem Verzicht von André Greipel (Lotto-Belisol) dürften dem 23-Jährigen aufgrund seiner Sprintstärke mehr Freiheiten eingeräumt werden. "Ich denke, dass mir der WM-Kurs liegt", sagt Degenkolb selbstbewusst.

Er hat in der Vergangenheit schon oft bewiesen, dass er die kurzen und giftigen Anstiege gut hinaufkommt. Fraglich bleibt allerdings, ob die etablierten deutschen Klassikerspezialisten wie der deutsche Meister Fabian Wegmann und Marcus Burghardt die Kapitänsrolle an Degenkolb abtreten. Schließlich waren es gerade Wegmann und Burghardt, die bei der Olympianominierung in die Röhre schauten.

Wie die Entscheidung auch ausfallen wird, Degenkolb wird sich unterordnen. Er ist jung und weiß, dass seine Zeit noch kommen wird. So lässt sich auch das Pech der bisherigen Saison besser verkraften. Bei der Flandern-Rundfahrt lag Degenkolb aussichtsreich im Rennen, ehe er in der heißen Phase stürzte und alle Chancen einbüßte. Zugunsten des Olympiarennens, bei der er als Bodyguard Greipel zum Sieg verhelfen sollte, verzichtete Degenkolb auf die Teilnahme an der Frankreich-Rundfahrt. Die Tour war futsch und wenig später auch Greipels Medaillentraum. Im kommenden Jahr wird der siebenmalige Saisonsieger weniger Opfer bringen müssen.

Vor allem seine Premiere bei der Tour de France will Degenkolb nicht erneut verschieben und mit Kumpel Marcel Kittel für Furore sorgen: "Ich hoffe, dass wir nächstes Jahr beide bei der Tour sein können und es dann dort richtig krachen lassen können." Ein Etappensieg bei der Vuelta ist gut, einer bei der Tour besser.

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