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13.07.2013 | (rsn) - Nachdem er bisher gegen Cavendish, Greipel und Kittel in den Massenankünften nichts zu bestellen hatte, bietet sich heute Peter Sagan die große Chance zum zweiten Etappensieg. Das Teilstück von Saint-Pourcain-sur-Sioule hat sich aber auch John Degenkolb ganz dick in seinem Rennkalender angestrichen.
Die Strecke: 191 km, Hügeletappe, 2 Berge der 3. Kat., 5 Berge der 4. Kat.
Wir nähern uns den Alpen und es wird folgerichtig hügeliger. So richtig flach ist es heute nie - abgesehen von den letzten sechs Kilometern. Gleich nach dem Start geht es leicht wellig los, und schon nach 25 Kilometern beginnt die Berg- und Talfahrt über zahllose kleine Anstiege. Wenn die ASO gewollt hätte, so hätte sie wohl noch mehr als die sieben Bergwertungen einbauen können, die heute ausgefahren werden. <
Der erste Bergpreis wird an der Cote de Marcigny (1,9 km, 4,9 %, 4. Kat.) bei Kilometer 66,5 vergeben, 32 Kilometer später folgt die Cote de la Croix Couverte (2,6 km, 5,3 %, 4. Kat.). Die angegebenen Anstiegslängen an diesem Tag sind allerdings ohnehin Makulatur, denn einige gehen nach dem Bergpreis noch ein ganzes Stück weiter, andere werden am „offiziellen“ Beginn lediglich etwas steiler, haben eigentlich aber schon deutlich früher angefangen.
So geht es nach dem Zwischensprint (Kilometer 109,5) sofort hinauf zur Côte de Thizy-les-Bourgs (8,2 %, 3. Kat.), die 1,7 Kilometer lang sein soll, aber erst bei Kilometer 113 bezwungen wird. Es folgt bei Kilometer 126,5 die Bergwertung am Ende des mit 6,3 Kilometern offiziell längsten Anstiegs des Tages am Col du Pilon (4,4 %, 3. Kat.) und schließlich eine langgezogene Abfahrt bis kurz vor Lyon.
Bevor es dort in die Stadt hinein geht, muss noch die Côte de Lozanne (2,5 km, 4 %, 4. Kat.) bezwungen werden, der nach der Bergwertung noch einmal ungefähr genauso lang weitergeht. Bei Kilometer 175 erreichen die Fahrer dann den Stadtrand von Lyon, müssen aber noch immer 16 Kilometer und zwei Bergpreise bewältigen: die Côte de la Duchère (1,6 km, 4,1 %, 4. Kat.) und 9,5 Kilometer vor dem Ziel die Côte de la Croix-Rousse (1,8 km, 4,5 %, 4. Kat.). Erst danach geht es hinunter an die Rhone und flach durch die Stadt bis zur mehr als zwei Kilometer langen Zielgeraden, die am Stade de Gerland, dem Stadion von Olympique Lyon, endet.
KulTour - Die Region: Lyon wird zur Fahrrad-Stadt
Saint-Pourcain-sur-Sioule liegt in einer riesigen Weinregion, deren Reben sich über 19 Gemeinden und insgesamt mehr als 600 Hektar erstrecken. Im 15. Jahrhundert wurde der Wein hier in Tontöpfen ausgeschenkt, so dass man nicht sehen konnte, wieviel die Kunden getrunken hatten. Deshalb steckten die Wirte Fäden in die Krüge, die in regelmäßigen Abständen einen Knoten hatten. So konnte das Konsumierte gemessen werden und die Begriffe „Pint“, „Demi“ sowie „Galopin“ entstanden als Maßeinheiten.
Auch wenn die Tour Lyon nicht besonders oft besucht, so ist die Hauptstadt des Departement Rhone doch eine Fahrrad-Stadt. Lyon war 2005 der erste Ort in Frankreich, der ein flächendeckendes Netz für Leihfahrräder aufbaute, und im Zuge des Ausbaus des Radwege-Netzes wird die Stadt ab 2014 den längsten Tunnel für Radler und Fußgänger in ganz Europa haben: Er führt unter dem Croix-Rousse-Hügel hindurch, ist für Autofahrer gesperrt und erleichtert den Bewohnern der Stadt den Weg von der Rhone zur Saône, die weiter südlich in Lyon zusammentreffen.
ReTour - Tour-Historie: Degenkolb wird sich ganz genau erinnern
Wurde Saint-Pourcain-sur-Sioule noch nie von der Tour angesteuert, so war Lyon immerhin schon 16 Mal Etappenort – und auch wenn man auf Grund der Bedeutung der Stadt noch mehr Ankünfte dort erwarten würde, ist das keine geringe Zahl. Zum ersten Mal war Lyon gleich bei der Tour-Premiere 1903 dabei, dann erneut 1904, 1907, 1908, 1909 und 1910 bevor es eine Pause bis nach dem 2. Weltkrieg gab. Beeindruckend: Von 1908 bis 1910 gelang dem Luxemburger Francois Faber der Lyon-Hattrick, wobei er 1909 während des Hagelschauers zu Fuß mit dem Rad auf der Schulter ins Ziel kam.
Die Stadt erlebte schon alle möglichen Ankünfte, von unterschiedlichen Sprint-Szenarios über Ausreißersiege bis zum Zeitfahren. So hat zum Beispiel John Degenkolb hier vor zwei Jahren beim Critérium du Dauphiné die erste World-Tour-Etappe seiner Karriere gewonnen, als er an dem Punkt im schweren Bergaufsprint siegte, an dem heute knapp zehn Kilometer vor dem Ziel die letzte Bergwertung abgenommen wird. 2003 entschied Alessandro Petacchi die letzte Tour-Etappenankunft von Lyon im klassischen Massensprint für sich.
Die Radsport-News-Prognose: Sagan gegen Degenkolb
Das wellige Terrain auf dem Weg nach Lyon und die drei Bergwertungen auf den letzten 30 Kilometern dürften dafür sorgen, dass die reinen Sprinter den Kontakt zum Hauptfeld entweder verlieren oder zumindest stark geschwächt das Finale erreichen. Sagans und Degenkolbs Mannschaften werden daher Vollgas geben, um das Feld im Finale zu sprengen und den Kapitänen zum Favorit auf den Tagessieg zu machen - oder zumindest auf den ersten Platz im Feld, sollte es eine starke Ausreißergruppe schaffen, sich vor den Verfolgern ins Ziel zu retten.
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