Rekordfahrt vom Nordkap nach Kapstadt - Tagebuch

Cape to Cape: Kerzenlicht, Kekse und wilde Tiere

Von Jonas Deichmann

Foto zu dem Text "Cape to Cape: Kerzenlicht, Kekse und wilde Tiere"
| Foto: Jonas Deichmann

15.11.2019  |  Der Münchner Extrem-Sportler und Abenteurer Jonas Deichmann hat einen neuen Weltrekord im Visier: 18 000 km mit dem Rennrad, vom Nordkap in Norwegen bis zum südlichen Ende Afrikas - ohne jede Unterstützung.
Wie bei seinem Eurasien-Rekord führt Jonas für RSN ein Tagebuch. Er geht nun auf die Zielgerade, befindet sich momentan im südlichen Botswana, kurz vor der südafrikanischen Grenze. Wenn alles weiter nach Plan läuft, wird Jonas Kapstadt am 19. oder 20. November erreichen - in neuer Weltrekord-Zeit.

Hier Teil zehn seiner Aufzeichnungen.


Tag 58: Spaß mit Rückenwind
Erster richtiger Rückenwind seit der Sahara. Ich machte mich vor Sonnenaufgang auf den Weg. Es gibt nun Seitenwind und es geht konstant auf und ab, immer auf guten Wegen. Nach 100 km biegt die Straße nach Südwesten ab, der Wind weht jetzt mit voller Kraft von hinten und ich bin trotz Hügel mit durchschnittlich 35 km/h unterwegs. Das macht Spaß...
Ich fahre den ganzen Tag mit nur 20 Minuten Mittagspause, ein schnelles Omelett. Ich fange an, von 350 km zu träumen, aber am Abend kommt ein langer Anstieg von fast 40 km. Ich erreiche gerade noch Mbeya, als es nach 290 Kilometern und 2600 Höhenmetern dunkel wird. Ich bin jetzt nur noch 100 km von Sambia entfernt. Bisher elf Länder geschafft, noch drei auf der Liste.

Tag 59: Pflastersteine und Essen im Kerzenlicht
Ich fahre vor Sonnenaufgang los, und die Straße zur Grenze wird bald richtig schlecht: Große Schlaglöcher und lange Risse. Ich erklimme einige lange Hügel, bis ich die Grenze erreiche. Die Ausreise aus Tansania läuft reibungslos, aber auf der sambischen Seite warte ich über eine Stunde. Nach der Grenze wird die Straße noch schlechter, ein ständiger Wechsel zwischen Pflastersteinen, metergroßen Schlaglöchern, Schotter und Baustellen.
Es geht nur sehr langsam voran, und erreiche das erste größere Dorf erst nach Sonnenuntergang. Es gibt nur ein Gästehaus an der Hauptstraße; eine Kakerlake sitzt auf meinem Bett. Es gibt auch kein Wasser - und ein Strom-Problem: Immer wieder Ausfälle. Zwei Häuser weiter ist ein Restaurant. Ich mache es wie die anderen Gäste: Essen mit Kerzen oder Telefon-Licht. Ein abenteuerlicher Tag, der mir trotzdem in guter Erinnerung bleiben wird.

Tag 60: Ohne Mittagessen zur Party
Ich mache mich früh auf den Weg: Schotter, der den ganzen Morgen sehr schlecht bleibt. Nach 100 km kommt Asphalt, wenn auch schlechter, und ich nehme wieder Fahrt auf. Die Landschaft ist eher langweilig: Immer nur Busch und überhaupt keine Veränderungen. Es gibt viele sehr einfache Hütten, aber die Dörfer sind weit voneinander entfernt. Mittags erreiche ich das erste und halte zum Essen an. Aber es dauert zu lange, ich esse nicht fertig.
Ich gebe den ganzen Nachmittag Gas, um Mpika zu erreichen, den ersten Ort, wo es ein Gästehaus gibt. Leider gibt es dort auch einen Nachtclub, die Party geht die ganze Nacht. Ich wache immer wieder auf, und fühle mich krank - wohl wieder eine Lebensmittelvergiftung. Die afrikanische Herausforderung...

Tag 61: Über Hügel mit trockenen Keksen
Ich habe wenig geschlafen und fühle mich elend, als ich bei Sonnenaufgang aufbrach. Die Straße wird jetzt besser und es gibt nur ein paar Hügel, so dass ich trotz meines Zustands schneller werde. Die Leute sind sehr freundlich, alle grüßen. Ich finde aber kaum etwas zu essen und esse den ganzen Tag trockene Kekse, die ich mit Wasser runterspüle. Ich erreiche Serenje 50 Minuten vor Sonnenuntergang, entscheide mich aber zu bleiben. Es sind 100 km bis zum nächsten größeren Dorf, und ich leide immer noch an der Lebensmittelvergiftung.

Tag 62: Neuer Tages-Rekord: 312 km
Ich starte im Dunkeln, um den gestrigen Rückstand aufzuholen. Ich fühle mich etwas besser, aber immer noch krank. Die ersten 120 km fahre ich ohne Pause, lasse auch das Mittagessen aus und hole mir stattdessen etwas Chapthi (gefülltes Fladenbrot, d.Red.) an einer Tankstelle. Die Fahrbahn ist jetzt perfekt, aber der LKW-Verkehr nimmt zu. Ich drücke den ganzen Nachmittag und schaffe 312 km - mein neuer Rekord. Ich bin jetzt am Stadtrand von Luanda, der letzten großen Stadt vor Kapstadt.

Tag 63: Seitenwind, Sand und wilde Tiere
Ein superharter Tag mit Seitenwind, Hitze und schlechten Straßen. Ich mache mich um fünf Uhr morgens auf den Weg und durchquere Sambias Hauptstadt Lusaka. Es läuft überraschend reibungslos, nachdem ich in den meisten afrikanischen Großstädten bisher Probleme hatte. Kurz darauf wird die Straße sehr schlecht, es gibt viele Baustellen. Ich muss mein Fahrrad wegen tiefen Sands zweimal schieben. Den ganzen Tag mache ich nur zwei zehnminütige Pausen und lasse das Mittagessen aus, um nochmal 300 km zu schaffen. Ich nähere mich jetzt Botswana und sehe einige aufregende Tiere.

Tag 64: Zu dünn für Pumas
Ein epischer Tag auf dem Rad. Ich mache mich im Dunkeln auf den Weg, um die Grenze zu überqueren. Ich mache morgens gute Fortschritte, aber mittags gibt es ein starkes Gewitter, das mich zu einer kurzen Pause auf meiner den ganzen Tag andauernden Fahrt zwingt. Am Abend folge ich dem mächtigen Sambesi-Fluss, mit Giraffen, Zebras und Pumas. Schaffe 335 km, komme aber an die Grenze, als sie bereits geschlossen ist. Ich bleibe in Sambia und werde morgen um sechs Uhr morgens nach Botswana einreisen. Den ganzen Tag durch Löwen-Land - zum Glück bin ich nach meiner Lebensmittelvergiftung sehr dünn, die Raubkatzen werden nicht interessiert sein...

Tag 65: Ein Löwe in der Polizeiwache
Ich bin in Botswana, dem Land der wilden Tiere. Viele Elefanten überqueren die Straße und kommen mir sehr nahe. Ich habe ein bisschen falsch gerechnet und gerate in die Dunkelheit. Camping ist nicht möglich: Nach heftigen Regenfällen kann ich kein Feuer machen, um wilde Tiere fernzuhalten. Dann finde ich eine Polizeiwache, sie lassen mich drinnen schlafen. Ein Löwe war kurz zuvor in ihr Lager eingedringen und hat einen ihrer Hunde gefressen. Ich bin froh, drinnen zu sein.

Tag 66: Auf der Zielgeraden
Jetzt bin ich in Francistown, raus aus dem Land der wilden Tiere. Annäherung an Südafrika... Mehr in Kürze!

 

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