Immunsystem fit halten, Muskelabbau umkehren, Zelltod verzögern

Radtraining kann den Alterungsprozess verlangsamen

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07.04.2020  |  (rsn, ag) - Vielen Radsportlern fehlt derzeit vermutlich die rechte Motivation fürs Training: Nahezu alle Freizeit-Rennen bis weit in den Juni hinein wurden bereits abgesagt. Aber wie schon die alten Römer wußten: Non competitionem, sed vitam usumus - nicht (nur) für den Wettkampf, sondern für das Leben trainieren wir. Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass ältere Menschen, die Fahrrad fahren, den Alterungsprozess verlangsam, den Muskelabbau umkehren und ihr Immunsystem fit halten.

Menschen verlieren typischerweise Muskelmasse,
wenn sie älter werden. Fett und Bindegewebe beginnen dagegen mehr zu werden, und das beeinflussen die Kontraktionsfähigkeit der Muskeln. Darüber hinaus können die Muskeln mit zunehmendem Alter nicht mehr im gleichen Maß Sauerstoff aufnehmen.

In einer Studie am King's College in London wurde nun die Frage gestellt, ob diese altersbedingte Muskelschwäche durch regelmäßiges Training - hier Radfahren - verlangsamt oder sogar umgekehrt werden kann.

Um das herauszufinden, untersuchten die Forscher
den Musculus vastus lateralis (äußerer breiter Schenkelmuskel), den größten und stärksten Teil des Oberschenkels, bei 125 männlichen und weiblichen Radfahrern. Die Teilnehmer waren zwischen 55 und 79 Jahre alt, und als sehr aktiv eingestuft - die Männer legten mindestens 60 km bei 24 km/h, und die Frauen 60 km bei 12 km/h zurück, mindestens zweimal innerhalb von drei Wochen.

Die Forscher analysierten die Muskeleigenschaften in Bezug auf aerobe Funktion und Muskelkraft. Sie fanden heraus, dass die Radfahrer im Vergleich zu nicht Trainierten eine geringere altersbedingte Muskelverschlechterung aufwiesen. Das heißt, auf der Gewebe-Ebene blieben Muskelmasse und -stärke intakt.

Eine zweite Studie am King's College
hat den Schwerpunkt auf das Immunsystem gelegt, das mit zunehmendem Alter schwächer werden kann. Insbesondere der Thymus, der weiße Blutkörperchen produziert, beginnt zu schrumpfen, und produziert weniger Zellen. Das bedeutet, dass der Körper nach und nach die Fähigkeit einbüßt, sich gegen Krankheiten zu schützen.

Dieser Trend wurde jedoch hauptsächlich bei wenig aktiven Menschen beobachtet. Die Forscher untersuchten daher, ob regelmäßiges Radfahr dazu beitragen kann, dies zu verhindern. Sie verglichen Blutproben einer Radfahrer-Gruppe mit dem Blut von 75 älteren wenig aktiven Erwachsenen im Alter von 57 bis 80 Jahren, und mit 55 jüngeren, wenig aktiven Erwachsenen im Alter von 20 bis 36 Jahren.

Die Londoner Forscher fanden heraus,
dass Radsport zwar nicht gegen jedes einzelne Auswirkung des Rückgangs des Immunsystems Schutz bot, die Werte der weißen Blutkörperchen jedoch denen der jüngeren Kontrollgruppe vergleichbar waren - was bedeutet, dass das Immunsystem der älteren Radsportler "jünger" wirkte.

Diese Studien sind nur zwei von vielen, die zeigen, wie körperliche Aktivität wie Radfahren den Alterungsprozess verlangsamen kann. Eine Studie aus dem Jahr 2017 fand zudem heraus, dass hochintensives Intervall-Radfahren die Kapazität der Mitochondrien erhöht - eine prima Sache, wenn es um das Altern geht, da der Rückgang dieser Organ-Kraftzellen zu altersbedingten Erkrankungen führt.

Eine weitere Studie ergab, dass regelmäßiges,
kräftiges Trainieren auf dem Rad die Telomer-Längen schützt; Telomere sind die Enden der Chromosomen. Verkürzte Telomere sind Mit-Verursacher des Zelltods, also für das Altern mitverantwortlich. Und Menschen, die trainieren, konnten die "Zellverschlechterung" bis zu neun Jahre aufhalten - Motivation genug, das Training auf ohne Rennen konsequent durchzuziehen - oder;-?

 

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