Vorbild Mailand - Popup-Bikelanes, Fahrradstraßen, Aufenthaltsqualität

ADFC: neue Verkehrskonzepte zur Wiederbelebung der Innenstädte

Von Stephanie Krone

Foto zu dem Text "ADFC: neue Verkehrskonzepte zur Wiederbelebung der Innenstädte"
| Foto: ADFC

24.04.2020  |  Die von der Corona-Pandemie besonders hart getroffene Stadt Mailand hat ein ehrgeiziges Verkehrskonzept zur Wiederbelebung der Wirtschaft nach dem Lockdown beschlossen. Ziel ist, das Umfeld der Geschäfte deutlich attraktiver zu machen und Platz zum Flanieren und Radfahren zu schaffen.

Der Fahrrad-Club ADFC fordert die deutschen Städte auf, sich schon jetzt
auf die Zeit nach den Kontaktbeschränkungen vorzubereiten, wenn die Menschen wieder in die Geschäfte, Büros und Schulen strömen und dafür zu sorgen, dass die wirtschaftliche Erholung nicht vom überbordenden Autoverkehr abgewürgt wird.

ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork: „Mailand handelt sehr vorausschauend, wenn es die Wiederbelebung der Wirtschaft mit einem neuen Verkehrskonzept einleitet. Restaurants, Bars und Geschäfte des Einzelhandels werden durch höhere Umsätze davon profitieren, wenn ihr Umfeld attraktiv für Menschen zu Fuß oder auf dem Rad ist. Nicht umsonst hat New York angekündigt, sich von Mailand beraten zu lassen.“

Der ADFC befürchtet, dass der Autoverkehr
in deutschen Städten nach dem Lockdown sogar über das Ausgangs-Niveau vor Corona anschwellen könnte, wenn die Homeoffice-Phase endet und der ÖPNV wegen fortgeführter Distanz-Regeln noch lange nicht mit voller Auslastung fahren kann.

Der am vergangenen Dienstag angekündigte "Strade Aperte"-Plan in Mailand umfasst die Einrichtung von 35 Kilometern temporärer Radspuren („Popup-Bikelanes“) auf Fahrbahnen, neue und verbreiterte Fußwege, Tempo 30 auf Innenstadtstraßen sowie Vorrangstraßen für Radfahrer und Fußgänger. Der Verkehrsbürgermeister von Mailand, Marco Granelli, begründet den Maßnahmenplan damit, dass der überdimensionierte Autoverkehr die kommerziellen Aktivitäten in der Stadt behindere.

Städte mit viel und schnellem Autoverkehr
sind unattraktiv – für Konsumenten und für den Radverkehr. Der ADFC fordert deshalb für mindestens zwölf Monate Popup-Bikelanes nach Berliner Vorbild an Hauptachsen und die Einrichtung von Fahrradstraßen im Nebennetz. Stork: „London macht gerade sehr gute Erfahrungen mit der Errichtung von ‚modalen Filtern‘ – das sind Blumenkübel oder andere Barrieren, die den Durchgangsverkehr aus Wohngebieten heraushalten und so ein gutes Umfeld zum Radfahren und Gehen schaffen. Das sollten wir in Deutschland auch probieren.“

Auch zusätzliche Fahrradabstellplätze werden dringend benötigt. Der Handelsverband Deutschland fordert, dass das Umfeld der Geschäfte attraktiv sein und zum Aufenthalt einladen muss. Burkhard Stork: „Es gibt jetzt die Chance, dass Menschen das Auto stehen lassen und häufiger das Rad oder die eigenen Füße nutzen. Wenn das gelingt, kann man die Ausprobier-Infrastruktur dauerhaft machen – eine Riesen-Chance für lebenswerte Städte.“

Stephanie Krone ist Pressesprecherin des ADFC-Bundesverbands in Berlin.

 

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