19. September - Attersee (A) - Rennbericht

King of the Lake: Zum Jubiläum eine Wundertüte...

Von Holger Koopmann

Foto zu dem Text "King of the Lake: Zum Jubiläum eine Wundertüte..."
Holger Koopmann | Foto: Gottfried Gärtner

22.09.2020  |  Das Zeitfahren King of the Lake, oft liebevoll auch KotL genannt, fand heuer zum zehnten Mal statt - Jubiläum also! Eins, das sich der Veranstalter - der Radsportverein Atterbiker rund um Obmann Erwin Mayer - sicherlich anders vorgestellt hat. Aber Corona hat die Planungen im Vorfeld gehörig durcheinandergewirbelt. Umso mehr ist es Erwin Mayer und seinem Orga-Team hoch anzurechnen, dass sie alles dafür getan haben, den King of the Lake auch 2020 an den Start zu bringen.

Und was für eine Jubiläums-Veranstaltung:
Dieses Jahr rollten knapp 1400 Starter/innen aus rund 20 Nationen im Mannschafts- und Einzelzeitfahren von der Rampe. Neben dem schon bekannten Vierer-, gab es im Jubiläumsjahr passenderweise auch ein Zehner-Mannschaftszeitfahren. Dazu dann noch die drei Hauptwettbewerbe: Queen of the Lake und King of the Lake für die Amateur-Fahrer/innen sowie den Elite King of the Lake, an dem Lizenz-Radsportler/innen bis hin zum WorldTour-Profi teilnehmen können.

Alle Teilnehmer/innen mussten die von den Behörden auferlegten Corona-Schutzmaßnahmen einhalten. Die Atterbiker hatten dazu im Vorfeld einiges an den üblichen Abläufen geändert, so dass sich die Veranstaltung reibungslos umsetzen ließ. So gab es in diesem Jahr kein Festzelt für Siegerehrung und Feier nach dem Rennen, aber die Stimmung an der nun offenen Bühne am See hatte eine ganz eigene, dem Anlass gerechte, wunderbare Sonnenuntergangs-Atmosphäre.

Als Teilnehmer habe ich mich am Samstag
immer sicher gefühlt. Wo sollte das im Radsport auch besser gehen als bei einem Zeitfahren!? Für mich war es meine dritte Teilnahme am Attersee. In diesem verrückten Jahr, in dem sich so gut wie nichts planen ließ und mich neben Corona auch noch ein Bänderanriss im Frühjahr und ein Anbruch des Fersenbeins gut vier Wochen vor dem Rennen ein bisschen aus den gewohnten Routinen rissen, war es lange die Frage gewesen, ob ich für ein einziges Rennen im Jahr den ganzen Trainingsaufwand betreiben will, ohne zu wissen, ob das KotL dann auch stattfinden wird.

Drei Wochen vorher gab es dann die erlösende Info: Es findet statt! Und auch bei mir lösten sich die verletzungsbedingten Sorgen, je näher es auf den Wettkampf zuging. Doch auch wenn ich mich noch nie so intensiv auf ein Zeitfahren vorbereitet habe und mich gut in Form fühlte, so war es für mich trotzdem irgendwie eine Wundertüte, wie es in diesem Jahr laufen würde.

So bekam man über die Social Media
von allen Seiten mit, wie intensiv sich alle auf diesen für viele einzigen Wettkampf vorbereiteten - leichte Gegner würde es also keine geben. Zudem hatte ich mir im letzten Winter ein neues Zeitfahrrad zugelegt. Das ging mit einem kompletten Systemwechsel einher: auf Scheibenbremsen, und auch neue Laufrädern mit Tubeless-Bereifung etc.

Es galt also in der Vorbereitung, das Rad und die Komponenten ausgiebig zu testen. Dazu kam ein Aero-Test auf der Radrennbahn in Büttgen, um auch noch das letzte Watt herauszukitzeln. Ich ging also gut vorbereitet und gespannt an den Start.

Das Wetter war wie im Vorjahr:
Schiebewind auf der Hinrunde, und entsprechend Gegenwind auf dem Weg zurück. Während viele Fahrer sich offenbar an den Taktiken der Vorjahre orientierten und auf den ersten 24 Kilometern richtig Gas gaben, ließ ich es in diesem Jahr etwas ruhiger angehen. Zwar nur leicht, aber ich achtete sehr darauf, dass meine Durchschnittswattleistung nicht zu hoch war.

So lag ich nach zwölf Kilometern an der ersten Zwischenzeit ein paar Sekunden hinter meiner Zeit aus dem Vorjahr, aber gleich einige Sekunden hinter der Konkurrenz, die es dieses Jahr so richtig krachen ließ. Nach der Hälfte, wenn man sich in Unterach auf den Rückweg nach Schörfling macht, zahlte sich meine gleichmäßigere Pace das erste Mal aus: Ich konnte auf dem zweiten Abschnitt meine Zeit gegenüber dem Vorjahr um 15 Sekunden verbessern und lag meinem eigenen Zeitplan nun ein paar Sekunden voraus.

Das gab mir ein gutes Gefühl
und der Fokus lag nun darauf, auf dem Rückweg konzentriert zu bleiben, und die Leistung konstant hoch zu halten. Im Vorjahr hatte ich hier, speziell auf den letzten 13 Kilometern ab Nußdorf, ziemlich zu kämpfen gehabt. Dummerweise überholte mich genau jetzt ein Fahrer, den ich wohl auf den ersten Kilometern überholt hatte (wie er mir dann im Ziel erzählte). Das demoralisierte ein bisschen, denn ich dachte er wäre hinter mir gestartet und hätte mich eingeholt.

Zwar biss ich mich mit dem vorgeschriebenen zehn Meteern Abstand an ihm fest und konnte im Flachen jedes Mal wieder an ihm vorbeiziehen, während er mich dann wieder in den Anstiegen überholte, aber es brachte meine Konzentration durcheinander: Ich war mehr darauf bedacht, die Abstände einzuhalten als mich auf meine eigene Leistung zu fokussieren. So verlor ich schon auf dem Weg nach Nußdorf unnötig Zeit.

Richtig rächen sollte sich das
aber erst zwischen Nußdorf und Buchberg, wo ich nach Kilometern ständiger Führungswechsel nicht mehr auf meine Watt-Werte achtete und einige Sekunden auf dem Asphalt liegen ließ. Der kurze 13-%-Anstieg an der Kirche in Buchberg ließ mich dann aber aufwachen: Noch fünf Kilometer bis ins Ziel - ich gab nochmal ordentlich Gas.

Der schräg von rechts kommende Gegenwind kostete mich zwar einiges an Schnelligkeit, aber wie ich im Ziel feststellen durfte, hatten meine Konkurrenten damit mehr zu kämpfen als ich. So fuhr ich auf diesen letzten 13,2 km bis ins Ziel die viertschnellste Zeit im Wettbewerb. Das brachte mich dann nach Platz neun an der ersten über Platz acht an der zweiten Zwischenzei, zu Platz sechs  im Ziel - und sogar auf Platz drei in meiner Altersklasse U50.

Damit hatte ich mein Vorjahres-Ergebnis
wiederholt, wenngleich die Zeit im Ziel mit 1:00:18 Stunden fünf Sekunden langsamer war. Doch während ich 2019 noch 28 Sekunden von den Top Fünf entfernt lag, so waren es diesmal nur denkbar knappe 44 Hundertstel Sekunden gewesen.

Da könnte man sich nun drüber ärgern und anfangen zu überlegen, wo man diese Zeit wohl liegen gelassen hat. Aber nach all den Unwägbarkeiten im Vorfeld habe ich dieses Rennen einfach nur genossen und freue mich über ein tolles Ergebnis - und das neue Rad, das mindestens so gut funktioniert wie das Alte...

Holger Koopmann ist Fahrer im Team Strassacker.

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