Von Kathmandu zum Everest - 1300 km - Interview

Solo-Bike-Winterdurchquerung des Himalaya: Geschafft!

Foto zu dem Text "Solo-Bike-Winterdurchquerung des Himalaya: Geschafft!"
Omar di Felice am Everest Base Camp in 5364 Metern Höhe | Foto: uynsports.com

21.03.2021  |  Der italienische Ultracycling-Sportler Omar di Felice hat vergangene Woche als erster Athlet solo und ohne Unterstützung von Kathmandu aus den Himalaya mit dem Mountainbike durchquert, und das Everest Base Camp erreicht. Nach 19 Tagen, 1294 Kilometern und 34 586 Höhenmetern konnte er die Solo-Durchquerung am Basis-Lager in 5364 Metern Höhe beenden.

Omar durchquerte 2020 als erster Radfahrer im Winter die Wüste Gobi
in der Mongolei - und nun den Himalaya im Winter. Nach der Abfahrt am 18. Februar in der Hauptstadt Nepals, Kathmandu, fuhr er über Pokhara nach Jomsom, und weiter in die Mustang-Region. Omar war ständig auf Höhen zwischen 3000 und 4000 Metern unterwegs, dann folgte der lange Aufstieg zum Kora-La-Pass auf 4660 Meter, die Grenze zu China.

Von dort radelte Omar weiter über Pfade und unbefestigte Straßen nach Süden, um dann auf dem Annapurna-Trail den Aufstieg zum Thorung-La-Pass auf 5416 Metern anzugehen - der höchste Pass der Welt, und angesichts der winterlichen Bedingungen der schwierigste Teil des Projekts.

Dann ging es weiter zum Tilicho-See auf 4950 Metern,
und zurück durch Kathmandu nach Lukla - über 200 km kontinuierliche Steigungen, schließlich der finale Aufstieg zum Everest-Basis-Lager. Etliche Wege waren aufgrund von Schnee und Wetter - bis zu minus 35 Grad C und starke Winde - sehr schwierig zu fahren, einzelne Passagen musste Omar mit Steigeisen an den Schuhen und dem Fahrrad auf dem Rücken absolvieren.

Am Montag, 8. März um 11:22 Uhr MEZ war es dann soweit: Omar kniete vor einem Felsen, auf den gemalt war "Everest Base Camp 5364 m". Er ist damit der erste Radfahrer, der das Basis-Lager auf der nepalesischen Seite des Everest mit dem Mountainbike im Winter erreicht hat, und der zuvor die gesamte Himalaya-Region durchquert hatte.

Nach seiner Rückkehr nach Italien führte
die Pressesprecherin von Omars Sponsor, der italienische Sportbekleidungs-Spezialist Uyn, ein langes Gespräch mit ihm:

Omar, war das dein bisher schwierigstes Abenteuer?
Ich bin nicht nur geradelt, sondern musste auch mit dem Rad auf dem Rücken laufen und tückische Wege bewältigen, die durch Erdrutsche schwer passierbar waren. Und auf 5300 Metern ist alles noch komplizierter: Es fühlt sich an, als würde man sich in Zeitlupe bewegen. Aber die Schwierigkeiten erhöhten nur meine Zufriedenheit am Ende...

Was waren die schwierigsten Passagen?
Am Thorung La, mit 5416 Metern höchster Pass der Welt, gab es Momente, in denen ich wirklich Angst hatte, denn die Pfade waren seit etwa einem Jahr nicht mehr begangen worden - die Pandemie hae die Bergsteiger ferngehalten. Auch der Weg zum Everest Base Camp war schwierig, mit vielen rutschigen Abschnitten im Wald.

Aber Du hast dein Ziel erreicht...
Mein Abenteuer auf dem Everest Base Camp zu beenden hatte für mich einen großen symbolischen Wert. In den 20 Tagen zuvor habe ich die gesamte Himalaya-Region durchquert, als erster Radler im Winter. Normalerweise macht man nur die letzte Strecke von Lukla zum Everest.

Annapurna, Everest - wie fühlt es sich an, im Schatten dieser legendären Achttausender Rad zu fahren?
Am Everest zu stehen war für mich wie das Kolosseum zu betreten: Man atmet Geschichte. Es ist ein ikonischer Ort, an dem große Abenteuer des Bergsteigens stattgefunden haben. Vor dem Khumbu-Eisfall, der riesigen Eiswand vor dem Mount Everest, war ich atemlos.

Du hast deine gesamte Ausrüstung selbst transportiert, hattest kein Unterstützungs-Team. Wo hast Du eigentlich übernachtet?
In Dörfern entlang des Weges, ich schlief in Gästehäusern undHäusern von Familien, mit Gästezimmern. Um sich warm zu halten, machten sie Feuer in uralten Öfen - wenn sie denn welche hatten. Es gab selten heißes Wasser zum Waschen, man reichte mir meist Schüsseln mit eiskaltem Wasser aus den Flüssen - einer der härtesten Aspekte meines Abenteuers (grinst).

Was hat dich auf deiner Expedition am meisten beeindruckt?
Ich werde die Menschen vermissen, die ich getroffen habe: Die lächelnden Kinder, die neben mir liefen, die Dorfbewohner, die mich anfeuerten, die Sherpas mit ihren Yaks, die mich auf dem Rad sahen und riefen: 'Du bist stark, du verdienst unseren Respekt'. Ich habe Menschen getroffen, die sehr arm waren, aber sehr reich an Menschlichkeit.

Wie warst hast Du das Bekleidungs-Problem gelöst?
Es gab minus 15 Grad in der Mustang-Region, der trockensten und kältesten Region Asiens, mit furchterregenden Windböen, dann plus 35 Grad in den Tälern nahe Kathmandu. Richtung Everest kam wieder Kälte und Schnee - ich durchquerte alle vier Jahreszeiten, mit den größten Temperatur-Wechseln, den ich je erlebt habe. Die Bekleidung meines Sponsors Uyn gab mir zu jeder Zeit absoluten Komfort. Ich war nie schweißgebadet oder unterkühlt, das Belüftungs-System zwischen den Schichten regulierte meine Körpertemperatur perfekt. Das hat mir sehr geholfen.

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