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08.01.2026 | (rsn) – Der Schweizer Rennstall Tudor Pro Cycling hat am Mittwoch im spanischen Moraira etwas östlich von Calpe an der Costa Blanca seinen Medientag vor der Saison 2026 abgehalten. Und Miteigentümer Fabian Cancellara zeigte sich dort gut gelaunt, aber mit einem klaren Ziel im Blick. Nachdem man sich im gerade abgelaufenen Dreijahreszyklus einen Platz unter den beiden besten ProTeams unterhalb der WorldTour und damit die automatischen Wildcards für alle Erstliga-Rennen 2026 gesichert hatte, blickte der Schweizer nun ambitioniert voraus:
"Mit Blick auf die Saison 2026 bieten uns unser gesicherter Rennkalender und die automatischen WorldTour-Einladungen wertvolle Planungssicherheit – eine bedeutende Verbesserung gegenüber dem letzten Jahr“, erklärte Cancellara. "Unser klares Ziel ist es, uns bis Ende 2028 für die WorldTour zu qualifizieren, und die kommende Saison ist ein entscheidender erster Schritt auf dem Weg zu diesem ehrgeizigen Ziel."
Den Fokus legt Tudor laut Cancellara im kommenden Jahr auf die drei Grand Tours. Das könnte, getreu dem Teammotto “Born To Dare“, als wagemutig bezeichnet werden, denn zum Punktesammeln erscheinen die dreiwöchigen Landesrundfahrten vielleicht als eine Nummer zu groß für das Team. Auch wenn Julian Alaphilippe vor einigen Jahren bewiesen hat, dass er auch eine Tour de France unter den besten Fünf der Gesamtwertung beenden kann, ist aktuell aber doch Michael Storer der einzige Kandidat im Kader, dem die Top 10 bei einer Grand Tour zuzutrauen ist.
“Alles muss für mich perfekt laufen, aber dann kann ich mit den besten Fahrern der Welt mithalten“, sagte der Australier während des Medientags. “Mit dem Ziel, mich als GC-Fahrer weiterzuentwickeln, haben wir uns in den letzten Wochen darauf konzentriert, meine Zeitfahrfähigkeiten zu verbessern, und viel Zeit im Windkanal verbracht. Der Giro d ’Italia ist mein absolutes Hauptziel für die erste Saisonhälfte, und wenn alles wie geplant läuft, hoffe ich, dort um einen Platz in der Gesamtwertung zu kämpfen.“
Mindestens ein Etappensieg bei den Grand Tours will Tudor einfahren, “das ist das Hauptziel der Saison“, so Cancellara. Bei der Tour soll diese Aufgabe einmal mehr Ex-Weltmeister Alaphilippe zufallen. "Strade Bianche und die Ardennen-Klassiker sind meine großen Ziele im ersten Teil der Saison, bevor ich meine Aufmerksamkeit im Juli nach Frankreich richte“, so der 33-Jährige, der 2025 für sein Team zumindest schonmal ein Tagespodium klarmachen konnte.
Für Alaphilippe weniger, für Neuzugang Stefan Küng dafür umso mehr wird der Auftakt der Tour im Fokus stehen. “Das Eröffnungs-Mannschaftszeitfahren der diesjährigen Tour de France ist ein wichtiger Höhepunkt in meinem Rennkalender“, sagte der Schweizer, der ansonsten die komplette Kopfsteinpflaster-Kampagne im Blick hat. Ob auch sein Landsmann Marc Hirschi wieder in Frankreich starten wird, ist offen. Der 27-Jährige konnte im vergangenen Jahr die Erwartungen nicht erfüllen. “Manchmal war es ziemlich gut, aber ich war nie auf meinem Peak. Insgesamt bin ich daher nicht zu 100 Prozent zufrieden mit der Saison. Es waren kleine Dinge, aber am Ende machen die Details den Unterschied. Ich war nicht weit von meinem besten Niveau entfernt, aber wenn ein paar Prozent fehlen, reicht es nicht“, so Hirschi am Medientag.
Für ihn soll 2026 so aussehen, wie es eigentlich schon 2025 hätte sein sollen. Wieder steht für Hirschi seine Giro-Premiere an, die im letzten Jahr noch durch akute Formschwäche verhindert wurde. Zuvor soll er gemeinsam mit Alaphilippe in den Ardennen um Spitzenpositionen fahren.
Und darüber hinaus? Klotzt Tudor auch 2026 anstatt zu kleckern. Zumindest hinsichtlich seiner Infrastruktur. “Die Höhepunkte des Jahres 2025 fanden nicht auf der Straße statt, sondern zu Hause in der Schweiz“, sagte der zweite Teameigner neben Cancellara, CEO Raphael Meyer. “Wir haben den Grundstein für unseren neuen Hauptsitz in Sursee gelegt und rechnen damit, bis Ende des Jahres einziehen zu können. Dieser Hauptsitz wird weit mehr als nur ein Lager für Fahrräder und Fahrzeuge sein.“
Der Komplex soll Einrichtungen für Reha- und Höhentraining enthalten, Büros, Werkstätten und ein Fahrrad-Erlebniszentrum für Besucher. Meyer spricht von einem “visionären Projekt, das entscheidend dazu beitragen soll, unsere ehrgeizigen Ziele zu erreichen.“ Kann die Schweizer Mannschaft auch sportlich mit dem mithalten, was sie ringsrum aufbaut, wird es ein gutes Jahr für das ProTeam, zu dem auch 2026 vier Deutsche gehören. Kein anderes Team in den höchsten beiden Ligen des Radsports hat mehr.