Nach zwei schweren Jahren

Jakobsen vor dem nächsten Neuanfang

Foto zu dem Text "Jakobsen vor dem nächsten Neuanfang"
Fabio Jakobsen (Picnic - PostNL) | Foto: Cor Vos

10.01.2026  |  (rsn) - Nach zwei enttäuschenden Jahren bei Picnic - PostNL hofft Fabio Jakobsen im Vertragsjahr endlich wieder an seine früheren Leistungen anknüpfen zu können. In seiner Zeit bei Quick-Step gelangen dem schnellen Niederländer von 2018 bis Ende 2023 nicht weniger als 45 Siege, darunter waren Etappenerfolge bei der Tour de France (1) und der Vuelta a Espana (5). Zweimal gewann Jakobsen zudem den Scheldeprijs, auch die WM der Sprinter genannt.

Doch nach seinem Wechsel zum Picnic-Vorgänger dsm lief für ihn nicht mehr viel zusammen. Seit dem Jahr 2024 steht für Jakobsen nur ein Sieg zu Buche, als er 2024 die 1. Etappe der Türkei-Rundfahrt gewann. In der vergangenen Saison musste Jakobsen sich an einer verengten Beckenarterie operieren lassen, ansonsten hätte das Karriereende gedroht.

Damit nicht genug, zog er sich Ende August auf der 3. Etappe der Renewi Tour noch einen Schlüsselbeinbruch zu, der ihn zu einer zweimonatigen Zwangspause zwang, aus der er Mitte Oktober zur Tour of Holland zurückkehrte. Beim Heimspiel blieb er erfolglos, so dass nun die Frage bleibt, wie groß die Fortschritte sind, die Jakobsen in der Winterpause gemacht hat.

“Schon wieder ein Neuanfang“, sagte er nun gegenüber dem Portal Wielerflits und berichtete dabei auch noch von einer Grippe, die er gerade überstanden habe. Dennoch sei das Training insgesamt gut verlaufen, so Jakobsen, der sich auf die neue Saison freut. “Ich bin von Natur aus Optimist. Ich liebe das Positive. Das liegt daran, dass ich dem Ende so nahe war. Nach dem Sturz in Polen lag ich zwei Tage auf der Intensivstation und fürchtete um mein Leben. Alles, was mir jetzt widerfährt, ist weniger schlimm als das, so fühlt es sich an“, betonte der Picnic-Profi, dass er nach seinem Sturz auf der 1. Etappe der Tour de Pologne 2020 einen anderen Blick auf seinen Beruf habe. 

Dennoch könne er nicht "leugnen, dass es eine schreckliche Zeit mit vielen Ungewissheiten und Fragen war“, fügte Jakobsen auf die Saison 20225 rückblickend an und nannte als Beispiel den Belgier Eli Iserbyt (Pauwels Sauzen – Altez), der wegen einer verengten Beckenarterie seine Karriere beenden muss. “Ich fühle mit ihm, denn ich weiß, dass er nichts mehr liebt als Rennen zu fahren. Aber wenn es der Gesundheitszustand nicht zulässt, muss man das akzeptieren“, sagte er über den Crossspezialisten, der am 8. Januar im Alter von 28 Jahren seine Karriereende mitteilen musste.

Auch hinter der von Jakobsen steht aus demselben Grund nach wie vor ein Fragezeichen. “Für mich gibt es immer ein kleines Risiko, dass es auch so kommt. Vor gut neun Monaten stand ich vor der Wahl: entweder jetzt aufhören oder weiterfahren und in ein paar Jahren würde es nur noch schlimmer werden, oder operieren lassen und dann Rehabilitation“, erzählte er.

"Zuerst möchte ich wieder im Finale dabei sein"

In seiner neunten Profisaison geht es für Jakobsen zunächst darum, “in den Finals wieder eine Rolle zu spielen. Damit meine ich, dass ich zumindest genug Weitblick habe, um Entscheidungen treffen zu können. Dass ich wieder die Sprintkraft in den Beinen habe, um von Platz acht auf fünf, von fünf aufs Podium oder sogar noch weiter zu sprinten“, sagte der 29-Jährige, der Ende Januar bei der AlUla Tour in Saudi-Arabien seine ersten Rennen der neuen Saison bestreiten wird – und das mit vergleichsweise bescheidenen Ambitionen: “Es ist unrealistisch zu sagen, dass ich sofort eine weitere Etappe der AlUla Tour gewinnen will. Zuerst möchte ich wieder in der Position sein, in der ich sprinten kann.“ 

Nach der darauf folgenden UAE Tour im Februar stehen fünf belgische Klassiker an, ehe nach dem Scheldepreis Anfang April eine erste Bilanz gezogen werden soll. Dabei hofft Jakobsen, sich für die Tour de France empfehlen zu können. Ob es dann schon gegen die weltbesten Sprinter einschließlich der jüngeren Olav Kooij (Decathlon - CMA CGM) oder Paul Magnier (Soudal – Quick-Step) reichen wird, ließ Jakobsen offen. 

Seine grundsätzlichen Ziele sind aber klar: “Wenn ich wieder sprinten kann, kann ich in Sachen Höchstgeschwindigkeit mit ihnen mithalten. Aber zuerst möchte ich wieder im Finale dabei sein. Mit ihnen. Gegen sie. Hoffentlich kann ich sie irgendwann schlagen“, fügte er an.

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