RSNplusUAE tut sich nach Pogacars Vuelta-Aus schwer

Mageres “Fluchtgruppen-Geschäft“ in der Hitzeschlacht

Von Tom Mustroph aus Cordoba

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Kevin Vermaerke (UAE - Emirates - XRG) auf der 13. Vuelta-Etappe | Foto: Cor Vos

06.09.2026  |  (rsn) – In der Gesamtwertung der Vuelta a Espana spielt USE – Emirates – XRG schon längst keine Rolle mehr. Nach dem Ausscheiden von Teamleader Pogacar ist auch die Ausbeute aus Fluchtgruppen heraus mit einem siebten Rang von Kevin Vermaerke auf der 13. Etappe und jeweils zehnten Plätzen von Joao Almeida auf der 14. und Ivo Oliveira auf der 15. Etappe recht mager.

Und weil der bestplatzierte UAE-Fahrer im Klassement, der US-Amerikaner Vermaerke, mindestens einen Fahrer von allen anderen Teams vor sich hat, ist UAE - Emirates – XRG nicht nur beim Einschreiben ganz früh dran, nämlich als allererstes. Das ist völlig ungewohnt für Fahrer und Betreuer. Sind Pogacar oder Isaac Del Toro dabei, können sie gewöhnlich bis kurz vor dem Start im Bus bleiben. Jetzt aber heißt es früh rauskommen und nachher die Zeit totschlagen bis zum Startsignal. ___STEADY_PAYWALL___

Auch die Sportlichen Leiter sind mit einer neuen Situation konfrontiert. “Wir nehmen jetzt Platz 23 in der Wagenkolonne ein. Das heißt, du bist unglaublich weit weg vom Rennen und bekommst gar nichts mit“, berichtete Sportdirektor Matxin Fernandez gegenüber RSN vor dem Start der 15. Etappe von völlig ungewohnten Erfahrungen. Für ihn persönlich ist es sogar noch schlimmer, denn er sitzt im zweiten Begleitwagen. “Das bedeutet Platz 46 in der Kolonne. Da bist du so weit weg, dass du oft nicht mal mehr den Tourfunk hörst“, erzählte der Baske, und musste dabei selbst grinsen.

Matxin Fernandez bei der Vuelta a Espana | Foto: Cor Vos

Gut, viel zu managen hat er auch nicht. Früh entscheidet sich, ob es einer oder mehrere Männer in den weißen UAE-Trikots in die Fluchtgruppe geschafft haben. Dann setzt sich Teamauto Nummer 1 hinter die Spitze, und Fernandez kann von Position 46 auf die 23 vorrücken. Was für ein Aufstieg! Da ist der Tourfunk immerhin wieder stabiler.

Und weil er auch auf Position 23 für seine Verhältnisse recht unterbeschäftigt ist – das Team hat inzwischen auch nur noch vier Profis im Rennen -, kann er sich Gedanken über viele Dinge machen. Darüber zum Beispiel, ob es einfacher ist, Fluchtgruppen vom Peloton aus zu kontrollieren oder selbst in die Offensive zu gehen. “Wenn du einen wie Tadej hast, fällt das Kontrollieren natürlich leichter. Denn du hast auch die Garantie, dass am Ende ein Ergebnis bei rausspringt“, meinte er zu RSN. Das Fluchtgruppen-Geschäft selbst ist hingegen mit mehr Variablen versehen, was es dann auch komplexer und weniger beherrschbar macht.

Sivakov muss wegen Hitzschlag aufgeben

Bisher war UAE bei dieser Vuelta in dieser Disziplin bekanntlich nicht sonderlich erfolgreich. Aber klar, es ist der zweite oder gar dritte Helferanzug, der jetzt in Spanien am Start ist. Und dieser Anzug ist löchrig geworden. Das ist auch durch die extreme Hitze bedingt. “Pavel Sivakov haben wir wegen eines Hitzschlags aus dem Rennen genommen. Er hatte noch vor, in die Fluchtgruppe zu kommen. Aber er fuhr einen solchen Zickzack, dass wir gesagt haben, er soll das besser bleiben lassen“, bezog sich Fernandez auf die 13. Etappe, als der Franzose dann auch ausstieg.

Pavel Sivakov musste auf der 13. Vuelta-Etappe mit einem Hitzschlag aus dem Rennen genommen werden. | Foto: Cor Vos

Überhaupt ist die Hitze für den Basken ein Thema. “Erinnert ihr euch noch an die Vuelta-Etappe in Granada vor zwei Jahren? Wir gewannen sie mit Adam Yates. Aber (Antonio) Tiberi musste da aufgeben, weil er einen Hitzschlag erlitten hatte. Ein, zwei anderen Fahrern ging es ähnlich. Wir haben schon damals gesagt, so kann es nicht weiter gehen“, meinte er aufgebracht.

Fernandez plädierte deshalb schon am Freitag im Gespräch mit Reportern, darunter RSN, für verkürzte Etappen. Zwei Tage dauerte es, bis die Organisatoren auch so weit waren und die 15. Etappe, die zu Granadas Nachbarstadt Cordoba führte, radikal reduzierten. Fernandez hält das für das Mittel der Wahl, um zumindest die Vuelta in diesem Zeitpunkt der Saison zu retten. “Es ist doch mathematisch, dass es im August und September in Südspanien heiß ist. Darauf muss man doch reagieren“, meinte er.

315: Persönlicher "Flaschenrekord" bei der Tour

Angesichts der Erfahrungen bei dieser Vuelta, bei der schmale Straßen die Wasserlogistik der Teams erschweren, sollte zur Streckenplanung in Zukunft neben steilen Bergen, hübschen Landschaften und sicherem Straßenbelag unbedingt auch der Punkt schneller Zugang zu Versorgungsstellen mit Kühlmitteln gehören. In dieser Beziehung wenigstens ist es aktuell entspannt für Fernandez. “Bei vier Fahrern muss ich nicht so viele Flaschen herausgeben“, meinte er lachend.

Nach dem Sturz-Aus von Überflieger Tadej Pogacar hat UAE – Emirates keinen Fahrer mehr für das Gesamtklassement der Vuelta. | Foto: Cor Vos

Seinen persönlichen Flaschenrekord hat er übrigens bei vergangenen Tour de France aufgestellt. Während der Hitzeschlacht der 3. Etappe, als auch noch die Waldbrandgefahr für gespenstische Verhältnisse sorgte, gab er nach eigener Zählung selbst 315 Flaschen heraus. “315, das gab es noch nie in meiner gesamten Laufbahn“, wiederholte er Kopf schüttelnd. Zählt man noch die Flaschen, die von den Helfern am Straßenrand herausgegeben wurden, kommt man locker auf 500 allein bei UAE.

Das zeigt: Der Straßenradsport hat inzwischen die Grenzen seiner Belastungsfähigkeit erreicht, für die Profis auf dem Rad wie auch für das Personal in den Begleitwägen. Matxin Fernandez, der Mann mit momentan recht viel Kapazität zum Nachdenken über die Bedingungen seiner Branche, könnte sich zu einer Leitfigur für den dringend notwendigen Wandel entwickeln. Sein Lieblingsschützling Pogacar ist bei der Hageletappe der Vuelta, als er das Peloton kurzerhand ein nahegelegenes Hotel ansteuern ließ, ja auch schon zu einem solchen Protagonisten geworden.

Vielleicht bringt die Muße, die beide jetzt haben – Pogacar bei seiner Regeneration, Fernandez bei der Unterbeschäftigung während der Vuelta - ja eine neue Dynamik in die Debatte. Nötig wäre es.

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