Tour total / Tag 10

Hinter Sastre auf die Zeitfahrstrecke

Von Marco Ruhl

27.07.2008  |  Es ist vollbracht.

Die drittletzte Etappe von Roanne nach Montluçon war schon ein wenig Ausrollen. An ihrem Ende standen nur noch das Zeitfahren über 53 km von Cérilly nach Saint-Amand-Montrond und die Schlussetappe von Étampes nach Paris an, wobei sich Guido mit einer einzigen Passage der Champs-Élysées bescheiden will. Ein wenig hatten wir es mit der Erleichterung wohl übertrieben, die nach l'Alpe-d'Huez eingetreten war. Denn unterwegs stellte sich an diversen Stellen heraus, dass versäumt worden war, die Akkus von Fahrradcomputer und Fotoapparat zu laden. Streckendaten via GPS und Bilddokumentation werden daher am Ende lückenhaft.

Die Etappe nach Montluçon überraschte zunächst mit fast 50 km Wald ohne allzu viel Zivilisation. Châtel-Montagne war der einzige größere Ort, voller Kunsthandwerksateliers und Kunstboutiquen, die aber allesamt geschlossen waren, jedoch ohne Bäckerei, so dass das Unterwegs-Früstück, das Mitte der Woche eingeführt worden war, erst in Vichy stattfand. Allerdings entschädigte es in Umfang und Qualität.

Weiteres auf der Etappe gibt es nicht zu berichten. Guido ließ sich von nichts und niemand beeindrucken, einschließlich nicht von einem Scheunenbrand, der gerade begonnen hatte, als wir vorbeifuhren, und der für ein großes Feuerwehraufgebot sorgte. Das Pensum wurde abgespult, und da die körperlichen Anstrengungen weniger wurden, milderten sich auch die kleinen Wehwehchen, die sich im Laufe der letzten 10 Tage eingestellt hatten.

Das Zeitfahren wurde schließlich doch auf dem Originalparcours absolviert, was jedoch bedeutete, dass wir warten mussten, bis Carlos Sastre gestartet war; O-Ton Guido: „Die sollen mal die Strecke freigeben, ich will da auch noch drauf.” Die Zeit bis zu Guidos Start nutzten wir zu einem Besuch in Saint-Amand-Montrond, wo jedoch überraschend wenig Zuschauer das Ziel des entscheidenden Zeitfahrens dieser Tour säumten.

Guido ging pünktlich nach dem letzten Starter auf die Strecke, als diese eigentlich für den Verkehr noch gar nicht wieder freigegeben war. So kam er in den Genuss quasi derselben Aufmerksamkeit, die der direkt vor ihm gestartete Carlos Sastre genossen hatte. Eine Reihe von Zuschauern schien sich wirklich zu wundern, ob sie die Marschtaballe richtig gelesen hatten, wo da ein Fahrer auftaucht, der gar nicht vorgesehen ist. Ihren Beifall für „Nachstarter” minderte das nicht.

Im Ziel angekommen, wurde der längste Transfer der diesjährigen Tour überbrückt, und alles ist bereit für den triumphalen Einzug des Gladiators auf der Avenue des Champs-Élysées morgen, Sonntag, 27.07. 10 Tage, etwa 3540 km - die letzten 10 nach Paris hinein fehlen noch -, 8 Mal HC, 4 Mal Cat. 1, 5 Mal Cat. 2 liegen hinter Guido, nebst manchmal schwer auffindbarer Strecke und feindseligen Autofahrern. Alles in allem hat er den Parcours bestens überstanden.

Am Ende hat er gezeigt, was er zeigen wollte. Die schwerste und wichtigste Rundfahrt der Welt, wie sie selbst sich gern nennt, ist absolvierbar, ohne dass man auf verbotene Mittel und Methoden zurückgreift, und zwar sogar absolvierbar als Ultramarathon mit nur kurzen Ruhe- und Erholungspausen. Es reicht, die Strecke im eigenen Rhythmus zu fahren, sich nicht von den Zeit- und Geschwindigkeitsvorgaben anderer treiben zu lassen.

Experiment gelungen, Beweis erbracht. Herzlichen Glückwunsch.

Am 17. Juli startete Guido Kunze seine „Tour total“. Der 42-jährige Extremsportler will die komplette Strecke der 95. Tour de France abfahren und am 27. Juli, kurz vor dem Tour-Tross, in Paris auf den Champs-Elysées eintreffen. Kunze hat sich ein gewaltiges Programm vorgenommen. Weil er nur zehn Tage Zeit hat, muss der Extremsportler pro 24 Stunden umgerechnet etwa 2,2 Etappen bewältigen. In einem Tagebuch berichtet Marco Ruhl, einer von Kunzes Begleiter, von dessen Erlebnissen in Frankreich.

Weitere Jedermann-Nachrichten

04.09.2026Team Velolease: Zum vierten Mal auf dem Stockerl

Mehr als 4000 Starter jedes Jahr - der Ötztaler Radmarathon gehört für viele Radsportler/innen zum Höhepunkt der Saison. Für das Team Velolease war die 45. Auflage des Klassikers noch einmal etwa

02.09.2026Team Strassacker: Trotz Verpflegungs-Problemen am Podium

227 Kilometer, 5500 Höhenmeter, vier Pässe - schon die blanken Zahlen des Ötztaler Radmarathons sprechen für sich. Am vergangenen Sonntag stellten sich fünf Jungs des Teams Strassacker - Nils Kes

30.08.2026Der Ötztaler Radmarathon im Livestream

(rsn) - Der legendäre Ötztaler Radmarathon live und in voller Länge im Stream: 227 Kilometer und 5500 Höhenmeter erwarten tausende Radfahrer am Sonntag. Vier Alpenpässe müssen überwunden werden

27.08.2026Deutschland-Tour Jedermann: Wieder ganz oben am Treppchen

Das Jedermannrennen der Deutschland-Tour gehört fest zur Team-Geschichte des Teams Strassacker - war es doch Anlass für seine Gründung. Nachdem wir dabei im Vorjahr leer ausgingen, sollte in diesem

03.08.2026Team Strassacker: Vier Rennen - und viele Erfolge

Seit vielen Jahren zieht es das Team Strassacker traditionell Ende Juli in die "Grüne Hölle" der Eifel. Auf dem legendären Nürburgring starteten die Jungs des Teams dieses Jahr in unterschiedliche

30.07.2026Rad am Ring: Florian Christ triumphiert in der grünen Hölle

Meine Vorgabe als Team-Chef für das Rennen am Nürburgring war eindeutig: Individuelle Ziele werden dem Gesamtsieg untergeordnet. Mit einer klaren Taktik gingen wir ins Rennen, denn das Ziel war: Am

27.07.20263Rides Gravel Winterberg: Zehn Stunden Vollgas auf Schotter

Drei Tage feinste Gravel-Action im Hochsauerland: Das 3Rides-Gravel-Etappen-Rennen lockte viele ambitionierte Radsportler/innen nach Winterberg, so auch das Team Strassacker. Auch wenn die anspruchsvo

07.07.2026Maratona dles Dolomites: Über sieben Pässe musst Du fahr´n...

Die Maratona dles Dolomites zählt seit vielen Jahren zu den prestigeträchtigsten Granfondos in Europa: 138 Kilometer, 4230 Höhenmeter, legendäre Dolomiten-Pässe wie Pordoi, Sella, Grödner Joch,

01.07.2026Granfondo Livigno: Teamwork auf den schönsten Alpenpässen

167 Kilometer, 4300 Höhenmeter und sieben Pässe – nur zwei Wochen nach dem für uns recht erfolgreichen SuperGiro Dolomiti folgte mit dem Granfondo Alé Livigno für neun Fahrer des Team VeloLease

30.06.2026Tour Transalp: Finale furioso am Lago

Die letzte Etappe der Tour Transalp führte uns von Lavarone nach Riva del Garda. Mit 85 Kilometern war sie etwas kürzer als die der vorherigen Tage, hatte mit rund 1850 Höhenmetern aber noch einmal

29.06.2026Gravel Vianden: Mit Knallgas an der Our

(rsn) - Gravel boomt - das sieht man auch in Vianden in Luxemburg: Das UCI Eislek Gravel Race zieht jedes Jahr mehr Starterinnen und Starter an. Am vergangenen Sonntag ging es auf einer 37-km-Runde mi

28.06.2026Tour Transalp: Zwei Zeitfahren auf einer Etappe

Die vorletzte Etappe der Transalp führte uns gestern von Semonzo nach Lavarone. Pünktlich um neun Uhr ging es auf die 126 Kilometer lange Strecke mit fast 2860 Höhenmetern - die mit einem besondere

JEDERMANN-RENNEN DIESE WOCHE
  • Keine Termine