Slowene vor Tour-de-Suisse-Sieg

Pogacar im Zeitfahren einen Wimpernschlag vor van der Poel

Von Guido Scholl

Foto zu dem Text "Pogacar im Zeitfahren einen Wimpernschlag vor van der Poel"
Tadej Pogacar (UAE - Emirates - XRG) hat das Zeitfahren der Tour de Suisse gewonnen. | Foto: Cor Vos

20.06.2026  |  (rsn) - Eine Überraschung ist Tadej Pogacars Sieg im Zeitfahren der Tour de Suisse (2.UWT) zwar nicht gewesen. Doch dass der Mann in Gelb am Ende der 23,6 Kilometer langen 4. Etappe rund um Aarburg nur mit weniger als einer halben Sekunde Vorsprung gewinnen würde, hätte wohl kaum jemand prophezeit. Mathieu van der Poel (Alpecin - Premier Tech) hielt lange die Bestzeit und hätte dem Slowenen beinahe die Schweizer Suppe versalzen.

“Ich fühlte mich fantastisch. Ich hatte gute Beine und wusste nicht, dass ich um den Sieg kämpfe. Ich wollte einfach alles geben und wusste, dass ich nah dran war“, rekapitulierte Pogacar seinen Kampf gegen die Uhr, bei dem er sich nach der Zwischenzeit bei Kilometer 10,3 keine Werte mehr habe durchgeben lassen. An dem Punkt hatte der Kapitän von UAE – Emirates – XRG sieben Zehntelsekunden Vorsprung.

Der knapp geschlagene Rekord-Crossweltmeister quittierte die Niederlage mit vielsagendem Gesichtsausdruck. Dass der sonst durchaus auskunftsfreudige van der Poel tief enttäuscht war, könnte auch der Grund dafür gewesen sein, weshalb er direkt im Anschluss keine Interviews gab.

Ein weiterer Gewinner des Tages war hingegen Mathias Vacek (Lidl – Trek, +0:11), der nun Dritter der Gesamtwertung ist. Der Tscheche war ganz zufrieden mit Rang vier im Kampf gegen die Uhr. “Es waren hier einige starke Zeitfahrer. Ich wusste, dass es schwer werden würde zu gewinnen. Ich habe alles versucht und es ging, wie es ging“, gab Vacek gegenüber Eurosport zu Protokoll.

Durch seinen zweiten Etappensieg und den dritten seines Teams bei dieser Tour de Suisse baute Pogacar seinen ohnehin beruhigenden Vorsprung in der Gesamtwertung auf 4:22 Minuten auf den Ecuadorianer Richard Carapaz (EF Education – EasyPost) und 4:27 Minuten gegenüber Vacek aus. Dessen Teamkollege Andrea Bagioli (+4:46) aus Italien fiel auf Platz vier des Gesamtklassements zurück. Platz fünf belegt nun Pogacar-Helfer Brandon McNulty (+5:16).

UAE bringt fünf Fahrer in die Top 15

Beeindruckend war vor der abschließenden Bergankunft der Auftritt fast des gesamten UAE-Teams. Tim Wellens belegte mit 13 Sekunden Rückstand den fünften Platz. Direkt hinter ihm reihte sich Felix Großschartner (+0:28) ein. Auch McNulty (+0:32) schaffte es als Neunter in die Top 10. Die verpasste Nils Politt als Tages-14. nur um sieben Sekunden. Selbst der gestrige Etappensieger Jhonatan Narvaez, büßte lediglich 1:57 Minuten ein, während Domen Novak als 99. mit 3:07 Minuten Abstand etwas aus dem Rahmen fiel.

Pogacar bleibt auch Führender der Punktwertung, wo er nun zwölf Zähler vor Romain Grégoire (Groupama – FDJ) liegt. In der Bergwertung gab es keine Veränderung – hier liegt Louis Vervaeke (Soudal – Quick-Step) vor Pogacar. Bei den besten Jungprofis baute Vacek seinen Vorsprung deutlich auf 2:16 Minuten aus. Bestes Team der Tour de Suisse ist selbstredend UAE – und das mit zwölf Minuten Abstand zu Decathlon – CMA CGM.

So lief die 4. Etappe der Tour de Suisse:

Die erste Richtzeit setzte Tim Wellens (UAE – Emirates – XRG) mit 26:50 Minuten. Der Belgier verdrängte seinen früh gestarteten Teamkollegen Nils Politt um 31 Sekunden von der Spitzenposition. Dabei hatte Wellens den größten Teil des Vorsprungs im zweiten Streckenteil herausgefahren – bei der Zwischenzeit nach 10,3 Kilometern führte Wellens nur mit neun Sekunden vor Politt.

Doch schon wenig später deutete van der Poel mit einer herausragenden Zwischenzeit an, dass Wellens nicht allzu lange auf dem Heißen Stuhl sitzen würde. Aus elf Sekunden Vorsprung machte der Niederländer bis zum Ziel zwölf – obwohl Wellens im zweiten Abschnitt des Kurses ja geradezu geflogen war.

Anschließend dauerte es eine ganze Weile, ehe wieder jemand in die Nähe der Bestmarke kam. Sander de Pestel (Decathlon – CMA CGM) wies aber auch 27 Sekunden Rückstand auf. Noch um einige Zehntelsekunden schneller war wenig später Großschartner. Der als letzter Fahrer gestartete Pogacar war an der Zwischenzeit dann um eine knappe Sekunde schneller als van der Poel.

Das Streckenprofil der 4. Etappe der Tour de Suisse | Foto: Veranstalter

Schon bevor Pogacar in Zielnähe war, dürfte van der Poels Puls etwas schneller geschlagen haben, da Foss im zweiten Streckenteil ordentlich aufgedreht hatte und die Bestmarke nur um sechs Sekunden verfehlte. Vacek, bei der Zwischenzeitnahme nur um vier Sekunden zurück, kam mit zehn Sekunden Verspätung an. Also Hoffnung für den Niederländer auf dem Hot Seat, denn vielleicht würde auch Pogacar in der zweiten Hälfte des Rennens Zeit liegen lassen.

Das war zwar auch der Fall, aber nur in minimalem Ausmaß. Im Vollsprint rettete der Slowene drei Zehntelsekunden ins Ziel. Van der Poel war die Enttäuschung anzumerken, als er zunächst ungläubig, dann resignierend auf dem Bildschirm schaute, wo Pogacar als neuer Führender angezeigt wurde.

Doch auch der Mann in Gelb brauchte eine Weile bis zum Ballen der Siegerfaust, weil er alles aus sich herausgeholt hatte.

Results powered by FirstCycling.com

Mehr Informationen zu diesem Thema

22.06.2026Top-Talent Widar am Col de la Croix Zweiter der Favoriten

(rsn) -Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM), Lorenzo Finn (Red Bull – Bora – hansgrohe) und Jarno Widar (Lotto – Intermarché) – diese drei Namen könnten die Rundfahrtszene der nächsten Deka

21.06.2026Vacek landet in der Schweiz überraschend auf dem Podium

(rsn) - Dass bei der Tour de Suisse (2.UWT) ein Fahrer mit über 75 Kilo überhaupt in die Nähe einer Spitzenplatzierung im Gesamtklassement kommt, ist schon länger her. Zuletzt gelang dies Fabian C

21.06.2026Die Highlight-Videos der Tour de Suisse

(rsn) – Für Leser und Leserinnen, die lieber schauen statt lesen, bietet radsport-news.com die Highlight-Videos. Die Eurosport-Mitschnitte aller fünf Teilstücke der diesjährigen Tour de Suisse (

21.06.2026Pogacar zeigt keine Gnade und gewinnt die Tour de Suisse

(rsn) - Auch am letzten von fünf Tagen bei der Tour de Suisse hat Tadej Pogcar (UAE – Emirates – XRG) kein Anzeichen von Schwäche gezeigt und mit seinem dritten Etappensieg Platz eins in der Ges

21.06.2026Strafe für “unangemessen bekleideten“ van der Poel

(rsn) – Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) verpasste mit seinem unerwartet starken Zeitfahren bei der Tour de Suisse (2.UWT) nicht nur knapp den Etappensieg, er wurde von der Jury auch

20.06.2026Van der Poel durchlebt zwei Phasen der Trauer

(rsn) – Nach 23,7 Kilometern auf dem Zeitfahr-Rad trennten Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) und Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) am Ende der 4. Etappe der Tour de Suisse gerad

20.06.2026Politt in der Schweiz mit “gutem Test für die DM nächste Woche“

(rsn) – Wenn man negativ betrachten will, wurde Nils Politt (UAE – Emirates – XRG) auf der 4. Etappe der Tour de Suisse (2.UWT) im Zeitfahren drittschlechtester Fahrer seines Teams. Positiver â€

20.06.2026Alle Startzeiten für die beiden Zeitfahren der Tour de Suisse

(rsn) – Auf einem 23,8 Kilometer langen, flachen Parcours mit Start und Ziel unterhalb der Festung von Aarburg direkt an der Aare werden die beiden Einzelzeitfahren der 7. Tour de Suisse Women

19.06.2026Van der Poel verpasst Siegchance, aber fühlt sich besser

(rsn) – Mit dem erhofften Tagessieg hat es in Bad Ragaz am Ende der 3. Etappe der Tour de Suisse (2.UWT) für Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) nicht gereicht. Im Sprint des an die zwe

19.06.2026Meurisse vermisste bei Narvaez den Windschatten

(rsn) – Das Team Pinarello – Q36.5 erlebt bisher ein erfolgreiches Heimrennen. Auch auf der 3. Etappe der Tour de Suisse (2. UWT) landete die Mannschaft mit Xandro Meurisse als Zweiter auf dem Tag

19.06.2026Narvaez schlägt in Bad Ragaz Meurisse im Ausreißerduell

(rsn) - Im Zweiersprint hat Jhonatan Narvaez (UAE – Emirates – XRG) die 3. Etappe der Tour de Suisse (2.UWT) rund um Bad Ragaz gewonnen. Auf der Zielgeraden wartete der Ecuadorianer trotz des hera

19.06.2026Gianetti: “Pogacar sah vor dem Start etwas erschüttert aus“

(rsn) – Am Tag nach seinem Parforceritt zum Auftakt der Tour de Suisse (2.UWT) hatte Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) im Führungstrikot einen ganz harten Tag in der Schweiz. Das lag nicht a

Weitere Radsport-Markt-Nachrichten

13.10.2026Söderqvist ist in Den Haag acht Hundertstel schneller als Mouris

(rsn) – Jakob Söderqvist (Lidl – Trek) hat den Abend-Prolog der Eneco Tour (2.1) in Den Haag gewonnen. Nach 3,1 im Flutlicht absolvierten Zeitfahrkilometern war er acht hundertstel Sekunden schne

13.10.2026Radsport live im Stream, TV und Ticker: Die Rennen des Tages

(rsn) – Welche Radrennen finden heute statt? Wo und wann kann man sie live im Fernsehen oder Stream verfolgen? Und wo geht´s zum Live-Ticker?In unserer Tagesvorschau informieren wir über die wicht

13.10.2026Seixas musste beim MTB-Abstecher Lehrgeld zahlen

Nur einen Tag nach seinem denkwürdigen Sieg bei II Lombardia (1.UWT) war Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM) schon wieder im Einsatz. In seiner Heimat startete der 20-jährige Franzose beim schweren

13.10.2026Rassismusvorwürfe: Bahn-WM ohne Europameister Richardson

(rsn) – Bei den am Mittwoch im Shanghai Velodrom beginnenden Bahn-Weltmeisterschaften (14. – 18. Oktober) wird mit Matthew Richardson der größte Rivale von Sprint-Superstar Harrie Lavreysen fehl

13.10.2026Kanter in Guangxi auch ohne Sprintzug wettbewerbsfähig

(rsn) – Nachdem er sich beim Hongkong Cyclothon (1.1) nur Paul Magnier (Soudal – Quick-Step) hatte geschlagen geben müssen, hat Max Kanter (XDS – Astana) zum Auftakt der Tour of Guangxi (2.UWT)

13.10.2026Ganna schlägt bei Lidl – Trek ein neues Kapitel auf

(rsn) - Wenige Tage nach der vorzeitigen Trennung von Giulio Ciccone hat das deutsche Team Lidl – Trek einen prominenten italienischen Neuzugang präsentiert. Wie der deutsche WorldTour-Rennstall mi

13.10.2026Uriarte sechster Movistar-Neuzugang, NSN verlängert mit Vier

(rsn) - In unserem ständig aktualisierten Transferticker informieren wir Sie regelmäßig über Personalien aus der Welt des Radsports. Ob es sich um Teamwechsel, Vertragsverlängerungen oder Rücktr

13.10.2026Magnier setzt in Guangxi seine Serie fort, Kanter Dritter

(rsn) - Paul Magnier (Soudal – Quick-Step) hat die Serie seiner beeindruckenden Auftritte in diesem Herbst in China fortgesetzt und sich überlegen den Auftakt der Tour of Guangxi (2.UWT) gesichert.

12.10.2026Zum Auftakt der Olympiaqualifikation Kampf um Regenbogentrikots

(rsn) - Vom 14. bis zum 18. Oktober finden im 2024 eröffneten Shanghai Velodrom die Bahn-Weltmeisterschaften statt, die gleichzeitig der Beginn der Qualifikationsphase für die Olympischen Spiele 202

12.10.2026Rose zeigte bei Gravel-WM auch einen 32-Zoll Prototypen

(rsn) - Gleich mit zwei sogenannten Schmankerln ist Rose zur Gravel-WM nach Australien gereist. Neben dem Prototyp, den Paul Voß auf den 5. Platz pilotierte, fuhr auch Jordan Habets (Rose Racing Circ

12.10.2026Schreurs bricht sich bei Gravel WM Nacken- und Rückenwirbel

(rsn) – Rund 72 Kilometer vor dem Ziel stürzte Geerike Schreurs (Specialized) bei der Gravel WM. In der Spitzengruppe liegend geriet die Niederländerin auf matschigem Untergrund in eine Fahrrille

12.10.2026Pidcock will den ersten Sieg bei einer WorldTour-Rundfahrt

(rsn) – Der Aufbau der Tour of Guangxi (2.UWT) ist auch in ihrer siebten Auflage einfach: Sprinter bekommen fünf Chancen, das Klassement wird am 3,2 Kilometer langen und zum Schluss extrem steilen

JEDERMANN-RENNEN DIESE WOCHE
  • Keine Termine