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08.08.2016 | (rsn) - Beim Paris-Roubaix des Nachwuchses fuhr er in der letztlich erfolgreichen Spitzengruppe, als Carl Soballa (LKT-Team-Brandenburg) auf den letzten Kilometern stürzte und die sichere Top-Ten-Platzierung verlor. In Cottbus nun hatte der leidenschaftliche Ausreißer mehr Glück: Soballa gewann den fünften Lauf zur Müller-Lila-Logistik-Bundesliga als Solist. Rund 160 der 207 Kilometer langen Strecke fuhr der 21-Jährige an der Spitze, die letzten knapp 30 ganz allein - und am Ende brachte er sieben Sekunden Vorsprung mit über den Zielstrich in der Hegelstraße in Cottbus, einen Katzensprung von der Zentrale seines Teams entfernt.
"Wir wussten nach dem Zeitfahren gestern, dass wir hier zu den Besten gehören und wollten das Rennen schon lange gewinnen. Heute hat es geklappt", freute sich Soballa im Gespräch mit radsport-news.com nach Siegerehrung und Dopingkontrolle. Am Samstag war er im 30 Kilometer langen Kampf gegen die Uhr bereits Achter geworden und durfte mit seinen Teamkollegen den Sieg in der Mannschaftswertung feiern. Die Zähigkeit eines Zeitfahrers brauchte Soballa nun auch im Straßenrennen. "Am Ende wurde es ganz schön lang und war heftig, aber es hat gereicht und darum geht's", kommentierte der in Herrenberg geborene Maschinenbau-Student.
Hinter Soballa sprintete der Deutsche U23-Meister Pascal Ackermann (rad-net Rose) auf den zweiten Platz und verdrängte Aaron Grosser (Sauerland NRW Henley & Parner) auf Rang drei. "Ein zweiter Platz ist immer ärgerlich. Aber mit Carl Soballa hat heute einer verdient gewonnen, der ein schönes Rennen gezeigt hat", gab sich Ackermann fair und wurde nach dem Rennen zu einem der ersten Gratulanten seines Kumpels vom Konkurrenz-Team. "Man hat immer Freunde im Feld und Carl ist wirklich einer, der es verdient hat. Er zeigt immer viel in den Rennen, geht oft in die Spitzengruppen und dann muss man auch mal belohnt werden."
In einer hektischen Anfangsphase des für seine Massensprints bekannten Rennens dauerte es rund 50 Kilometer bis die Gruppe des Tages stand - acht Mann inklusive Soballa, Christopher Hatz (Kuota-Lotto) und Jonas Rapp (Heizomat), aber ohne Fahrer, der in der Bundesliga-Gesamtwertung eine gewichtige Rolle spielt. "Unser Hauptziel war es, das Trikot zu verteidigen. Deswegen hätten wir auch die Acht-Mann-Gruppe fahren lassen", erklärte Ackermann, dessen Teamkollege Jan Tschernoster am Samstag das Lila Trikot des Gesamtführenden übernommen hatte, dass seine Mannschaft kein Interesse an der Nachführarbeit hatte.
Tschernoster kam als Zehnter über den Zielstrich und hat nun 634 Punkte auf seinem Bundesliga-Konto. Damit hat er 48 Zähler Vorsprung auf Marcel Fischer (Racing Students) und 83 auf Joshua Huppertz (Kuota-Lotto). Daniel Westmattelmann (Kuota-Lotto), der am Samstag das Einzelzeitfahren in Spremberg gewann, folgt als Vierter mit 536 Zählern, Soballa ist mit 418 Punkten nun Siebter.
Die Verfolgung blieb an wenigen anderen Teams hängen, etwa an P&S Team Thüringen von radsport-news.com-Blogger Konrad Geßner. Die acht Spitzenreiter fuhren bis zu sieben Minuten Vorsprung heraus. "Wir sind am Anfang gut weggekommen und dann sind bei einigen die Kräfte geschwunden. Irgendwann waren wir nur noch zu dritt, aber als auch die beiden nicht mehr richtig konnten, musste ich alleine losfahren", erzählte Soballa, der reiß aus nahm, als noch 2:15 Minuten Vorsprung auf der Uhr standen.
Sein Solo wurde länger als gedacht, weil das Rennen statt der angegebenen 198 207 Kilometer lang war, was sich erst beim Blick auf den Tacho im Ziel offenbarte - irgendwo auch schön: ein noch längerer Ausreißer-Genuss. Schließlich gefällt Soballa das Fahren an der Spitze. "Es macht mir schon viel Spaß", sagte er nach dem Rennen. "Aber ohne Fernsehübertragung hat man wenig davon, wenn man nicht durchkommt."
Umso wichtiger, dass er bis ins Ziel durchhielt und sich mit dem Sieg belohnte - und mit einem Punkt im teaminternen Duell mit Robert William Kessler. "Wir haben einen internen Battle, wer es in die Spitzengruppen schafft. Bei der Tour de Alsace hat er auch wieder gepunktet und ich lag jetzt schon drei Punkte zurück. Aber heute konnte ich aufholen", so Soballa grinsend. Zwei Punkte Rückstand sind es trotzdem noch. Es dürfte also nicht die letzte Attacke des 21-Jährigen gewesen sein.
Carl Soballa im Sieger-Interview:
Ackermann im Interview:
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