Pinot gewinnt Etappe, Alaphilippe bleibt in Gelb

Franzosen dominieren Ausscheidungsrennen am Tourmalet

Von Peter Maurer

Foto zu dem Text "Franzosen dominieren Ausscheidungsrennen am Tourmalet"
Thibaut Pinot (Groupama - FDJ) jubelt am Col du Tourmalet. | Foto: Cor Vos

20.07.2019  |  (rsn) – Der französische Nationalfeiertag ist schon seit sechs Tagen vorbei, aber angesichts der Leistungen von Thibaut Pinot (Groupama – FDJ) und Julian Alaphilippe (Deceuninck – Quick-Step) werden sich die heimischen Fans nun auch den 20. Juli dick anstreichen im Kalender. Denn das Duo, das schon auch der 8. Tour-Etappe gemeinsam ausriss um Zeit auf die Konkurrenten herauszuholen, feierte bei der Bergankunft am Col du Tourmalet einen Doppelerfolg.

"Die französischen Fans können jetzt wirklich glücklich sein", jubelte Alaphilippe im ersten TV-Interview, nachdem er mit sechs Sekunden Rückstand auf seinen Landsmann Pinot das Gipfelziel in 2.115 Metern erreicht hatte. Damit verteidigte er nicht nur sein Gelbes Trikot, sondern baute seinen Vorsprung in der Gesamtwertung auf Vorjahressieger Geraint Thomas (Ineos) auf über zwei Minuten aus. Der Waliser erwischte keinen guten Tag, verlor auf den letzten 800 Metern 36 Sekunden gegenüber Pinot, dem Mann des Tages, der seinen dritten Tour-Etappensieg seiner Karriere einfuhr.

Damit sicherte der Franzose eine weitere legendäre Bergankunft, nachdem er vor vier Jahren schon in Alpe d’Huez erfolgreich war: "Unglaublich, das ist für einen Kletterer das Schönste, an einem der größten Berge der Tour de France zu gewinnen. Alpe d’Huez und Tourmalet haben eine große Geschichte und an beiden habe ich nun gewonnen", sagte der 29-Jährige.

Dagegen konnte Thomas mit dem Finale nicht zufrieden sein. "Ich habe mich am Start schon nicht so gut gefühlt. Am Ende wusste ich, dass ich mein Tempo halten musste. Ich ließ abreißen und fuhr mein Tempo. Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, dranzubleiben", resümierte der Toursieger des letzten Jahres.

Hinter den beiden Franzosen landete Steven Kruijswijk (Jumbo – Visma / + 0:06) auf Rang drei, vor Emanuel Buchmann (Bora – hansgrohe / + 0:08), der an den letzten beiden Kilometern mehrmals angriff, um schließlich hervorragender Vierter zu werden: "Ich habe mich ganz gut gefühlt und gedacht, ich probiere es einfach mal, vielleicht lassen mich die anderen ein Stück fahren, aber sie waren alle gleich am Hinterrad" sagte der Ravensburger im Ziel der ARD. Hinter dem niederländisch-deutschem Duo wurde Egan Bernal (Ineos / + 0:08) Fünfter vor Mikel Landa (Movistar/ + 0:14).

In der Gesamtwertung führt weiterhin Alaphilippe vor Thomas - jetzt aber mit 2:02 Minuten Vorsprung - und Kruijswijk (+ 2:14). Neuer Vierter ist nun Bernal (+ 3:00) vor Buchmann (+ 3:12), der wieder auf Platz fünf vorrückte. Auf Rang fünf folgt der zeitgleiche Pinot. Der Österreicher Patrick Konrad (Bora – hansgrohe) verlor am Tourmalet 12:39 Minuten und fiel im Klassement auf Rang 22 zurück.

So lief das Rennen:

Am zweiten Tag in den Pyrenäen warteten auf 117,5 Kilometern drei Anstiege sowie ein Zwischensprint. Während zu Beginn die kleine Bergwertung am Cote de Labatmale nur eine 4. Kategorie war, folgten nach Rennhälfte der Col du Soulor (1. Kat.) sowie die Bergankunft am Col du Tourmalet (HC), dem höchsten Gipfel der Pyrenäen bei der 106. Tour. Dazwischen lag die Sprintwertung des Tages.

Die neutralisierte Phase wurde wegen Protesten von Tierschützern verlängert und so warteten nach dem offiziellen Start noch knapp 110 Kilometer auf die Fahrer. Sofort gab es die ersten Attacken, unter anderem durch Simon Geschke (CCC). Aber erst Vincenzo Nibali (Bahrain - Merida) sorgte mit seinem Angriff für die Gruppe des Tages. Ihm folgten aus dem Feld zunächst Peter Sagan (Bora – hansgrohe) und Lennard Kämna (Sunweb), sowie 15 weitere Fahrer. Geschke und der Franzose Pierre-Luc Perichon (Cofidis) versuchten vergeblich, noch zur großen Gruppe aufzuschließen, und ließen sich dann wieder in das Peloton zurückfallen. Nibali , im Gesamtklassement bereits aussichtslos im Hintertreffen, gewann die erste Bergwertung, und konnte einen Zähler im Bergkonto gutschreiben lassen.

Guillaume Martin (Wanty - Gobert), Sergio Henao (UAE Team Emirates), Romain Sicard, Lilian Calmejane und Rein Taaramäe (alle Total – Direct Energie), Nibali und Matej Mohoric (beide Bahrain – Merida)), Alexis Vuillermoz (AG2R La Mondiale), Sagan, Luis Leon Sanchez (Astana), Kämna, Tim Wellens (Lotto Soudal), Elie Gesbert (Arkea Samsic), Imanoel Erviti (Movistar), Mathieu Ladagnous (Groupama - FDJ), Marco Haller sowie Ilnur Zakarin (Katusha - Alpecin) bildeten dann die Gruppe des Tages, die aber keine drei Minuten an Vorsprung zugestanden bekam. Eingangs des Col du Soulor teilte sich die Gruppe dann bereits wieder.

Dort setzten sich Nibali, Bergkönig Wellens sowie Gesbert ab. Dahinter folgten Kämna, Sicard, Calmejane sowie Zakarin. Die Punkte am Gipfel holte sich Wellens, der Nibali souverän absprintete und so sein gepunktetes Trikot verteidigte. Bis zum Zwischensprint blieb das Trio an der Spitze, kurz danach konnten die Verfolger aufschließen.

Im Hauptfeld sorgte Movistar für Tempoarbeit am Soulor, und das erste Opfer ihrer Arbeit war der Franzose Romain Bardet (AG2R – La Mondiale), der sich aus der Gruppe der Favoriten zurückfallen lassen musste. Vor dem Gipfel mussten auch Konrad und Adam Yates (Mitchelton – Scott) abreißen lassen. Mit Hilfe ihrer Teamkollegen fanden sie aber in der Abfahrt wieder Anschluss an die Gruppe um das Gelbe Trikot.

Noch vor dem Tourmalet attackierte dann Sicard aus der Spitzengruppe. Kurz darauf setzte sein jüngerer Landsmann Gesbert nach, holte ihn ein und fuhr dann als Solist den Schkussanstieg hinauf. Allerdings war die Gruppe des Gelben Trikots weniger als eine Minute hinter Gesbert, immer noch angeführt von Movistar. Erneut waren es Konrad und Adam Yates, die früh abreißen lassen mussten. Der Österreicher aufgrund eines Defektes, er konnte aber nicht mehr zurück in die Gruppe finden und verlor am Schlussanstieg viel Zeit..

Gut zehn Kilometer vor dem Gipfel wurde Gesbert gestellt, und danach überschlugen sich fast die Ereignisse. Movistar stellte seine Tempoarbeit ein, nachdem,Kapitän Nairo Quintana in Probleme geriet. Offenbar hatten seine Helfer ein zu hohes Tempo angeschlagen. Wenig später versuchte sich der nächste Franzose als Solist. Straßenmeister Warren Barguil (Arkea – Samsic) fuhr vorne weg, während dahinter Ineos die Tempoarbeit übernahm. Aber nur kurz, denn danach schickte Pinot seine letzten beiden Helfer an die Spitze. Sofort verloren Dan Martin (UAE Team Emirates) und Bauke Mollema (Trek – Segafredo) den Kontakt.

Vor der 5-Kilometer-Marke wurde Barguil gestellt und Alaphilippes letzter Helfer Enric Mas, Träger des Weißen Trikots, fiel zurück. Danach zog David Gaudu (Groupama – FDJ) nochmals an und Weltmeister Alejandro Valverde (Movistar) und Barguil wurden abgeschüttelt. Kruijswijk hatte mit Laurens De Plus und George Bennett noch zwei Helfer zur Verfügung, die er danach an die Spitze schickte, um das Tempo weiter hoch zu halten.

Die nächsten Opfer des Ausscheidungsrennens am Tourmalet waren Jakob Fuglsang (Astana) und Rigoberto Uran (EF Education First), 800 Meter vor dem Ziel verlor auch Vorjahressieger Thomas den Anschluss. Vorne trat Buchmann auf den letzten 1,5 Kilometern zweimal an, ehe dann Pinot nach der letzten Kehre den entscheidenden Angiff fuhr. Sechs Sekunden dahinter sicherte Alaphilippe den Doppelsieg der Franzosen, sich selber sechs Bonussekunden und baute seine Führung in der Gesamtwertung weiter aus. Hinter Kruijswijk landete Buchmann auf Rang vier.

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