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30.10.2019 | (rsn) - Am Morgen der 6. Etappe mussten wir uns schweren Herzens von unserem Teamkollegen und Berichterstatter Frederik verabschieden, weswegen wir für die übrigen Tage abwechselnd die Berichte schreiben. Frederik Volmerg hatte auf der 5. Etappe einen Sturz mit Rahmenbruch, was für ihn das vorzeitige Aus bedeutete.
Heute ging es direkt in Ouagadougou mit der 118 Kilometer langen 6. Etappe los. An Platten kurz vor dem Start haben wir uns bereits gewöhnt und ich wechselte noch schnell mein Laufrad, nachdem ich auf dem Place de la Nation ein paar Runden auf dem falschen Untergrund drehte. Schön routiniert rollten wir los und nach dem Start wurde, wie von uns beabsichtigt, "scharf geschossen". Über die breite Stadtausfahrtsstraße attackierten wir abwechselnd und meine erste Attacke hat dann auch gleich gesessen. Mit einem Burkinabé im Schlepptau fuhr ich für einige Kilometer an der Spitze des Rennens.
Dass wir zu Zweit wohl kaum im Ziel ankommen würden, wurde uns bald klar und wir ließen uns von weiteren zehn Verfolgern inklusive Vorjahressieger Mathias Sorgho und mehreren seiner Helfer einholen. "Perfekte Gruppe" - dachte ich mir und beteiligte mich an der Führungsarbeit. Spekulierte ich doch darauf, dass Sorgho endlich mal im Gesamtklassement Plätze gut machen wollte.
Da ich jedoch noch vor ihm platziert war, fuhr ich zeitweise sogar im virtuellen Gelben Trikot. Der Vorsprung lag nach 50 Kilometern bei zwei Minuten. Sorgho hatte es auf die Bonussekunden der Zwischensprints abgesehen, die ich leider meistens zu spät als solche identifizierte. Im Feld folgten meine Teamkollegen jeder Attacke und ließen nichts anbrennen.
Der Vorsprung schmolz dahin und der Niederländer Peter Merx machte uns mit mehreren Attacken die Hölle heiß. Schließlich kam er davon, zwei weitere Fahrer hinterher. Ich pokerte und wartete, bis Sorgho und Helfer die Lücke schlossen. Doch nichts passierte, und während wir Stehversuche machten, sah ich hinter mir schon das Feld anrollen. Ein scheiß Gefühl war das vielleicht. Aus der Traum vom Gelben Trikot.
Abhaken und sich auf den Schlusssprint konzentrieren. Doch die Beine waren nach dem Tag sehr müde und ich konnte mich durch gute Tempoarbeit vom Team und eine cleveren Linienwahl in der Schlusskurve noch auf Platz zehn retten. Peter Merx kam mit einigen Sekunden Vorsprung alleine durch.
Beim Umziehen dann doch noch die gute Nachricht: "numéro cinquante-six à la cérémonie s'il vous plaît" - ausgezeichnet als kämpferischster Fahrer! Da hat sich die Arbeit in der Gruppe gelohnt. Doch das Beste kommt als wir zur Essensausgabe gehen: Pool und Duschen. Mehr konnte man mich nach dieser Etappe nicht zufriedenstellen. Nach dem Sprung ins Wasser spürte ich den Beginn der Regeneration in meinen Beinen.
Die werden wir brauchen, morgen stehen 182 Kilometer auf dem Programm.
Euer Anton
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