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29.02.2020 | (rsn) - Er ist 23 Jahre alt, mittlerweile vierfacher Weltmeister in der Einzelverfolgung und kommt aus Italien. Die Rede ist von Filippo Ganna, der seine Vormachtstellung auch bei der Bahn-WM in Berlin unterstrich und sich mit einer weiteren sensationellen Fahrt die Goldmedaille vor dem US-Amerikaner Ashton Lambie und dem Franzosen Corentin Ermenault sicherte.
"Das war nicht schlecht. Wir haben in Berlin gut gearbeitet und werden das auch feiern", erklärte der alte und neue Weltmeister im Interview mit radsport-news.com in Berlin. Schon am frühen Nachmittag in der Qualifikation sorgte Ganna mit einem neuen Weltrekord (4:01.934 Minuten) für einen echten Kracher. Am Abend konnte er diesen zwar nicht nochmals verbessern, hielt aber Lambie auf Distanz und gewann mit einem Vorsprung von vier Sekunden klar den Titel.
"Nach der ersten Runde war mir schon klar, dass es eigentlich nur mehr in der Höhe schneller gehen kann", erklärte Ganna, der nicht mit der Brechstange noch einmal den Rekord unterbieten wollte. So richtete er sich auch auf den letzten Metern auf, fuhr schon jubelnd über die Ziellinie. Mit 4:03.875 erzielte Ganna immer noch eine der schnellsten jemals gefahrenen Zeiten, und selbst der über vier Sekunden langsamere Lambie bewegte sich auf einem Niveau, um das die meisten Einzelverfolger die beiden beneiden.
Denn vor eineinhalb Jahren stand der Weltrekord noch bei 4:10.534 Minuten. Dann begann das Duell des US-Amerikaners mit Ganna. Zuerst war es der 29-jährige aus Lincoln in Nebraska, der dreimal eine neue Bestmarke aufstellte und den damaligen Fabelweltrekord von Jack Bobridge um über fünf Sekunden unterbot. Beim Weltcup in Minsk in diesem Jahr schlug dann Ganna erstmals zu. Um 1,2 Sekunden unterbot er in der Qualifikation die Weltrekordzeit von Lambie, im Finale war er weitere 1,6 Sekunden schneller. Und im Gegensatz zu den Bestleistungen des US-Amerikaners erzielte Ganna alle Rekorde auf Meereshöhe und nicht in Südamerika.
Fällt als nächstes Vier-Minuten-Marke?
Damit unterstrich er deutlic, dass in naher Zukunft die Vier-Minuten-Marke in der Einzelverfolgung geknackt werden könnte. Vor 20 Jahren gelang dies übrigens erst den Viererteams, damals bei den Olympischen Spielen in Sydney. "Vielleicht ist es in der Zukunft möglich, aber hier in Berlin mit der Vorbelastung der Qualifikation und den anderen Bewerben nicht mehr", meinte Ganna, der nach 2016, 2018 und 2019 wieder mit der Goldmedaille im Gepäck von den Weltmeisterschaften zurückkehrt. Bei den Olympischen Spielen in Tokio in Sommer muss er aber auf die Mannschaftsverfolgung setzen, da der Einzelbewerb seit 2008 nicht mehr im Programm ist.
Nun geht es für Ganna, dessen Vater Olympiateilnehmer im Rudern war, zurück auf die Straße. Dort feierte er 2020 auch schon einen guten Saisoneinstand: "Ich bin gut reingekommen in Südamerika. Dieses kleine Rennen wollte ich eigentlich gewinnen, aber Super-Remco hat es nicht zugelassen." Damit meinte Ganna die Vuelta a San Luis, die er ein wenig überraschend auf dem zweiten Platz hinter Überflieger Remco Evenepoel beendete. Jetzt aber wartet nicht die italienische Mannschaft, sondern das britische Team Ineos auf die Dienste des starken Bahnspezialisten.
Seit dem letzten Jahr steht er bei dem WorldTeam unter Vertrag und mit seinen 23 Jahren gehört er zur jungen Generation, die den Radsport aufmischt. Auch Bradley Wiggins und Geraint Thomas kamen von der Bahn auf die Straße, feierten beide je einen Sieg bei der Tour de France. Der 1,93 Meter große Ganna könnte vielleicht sogar in vorgezeichnete Fußspuren steigen bei der Mannschaft, die in den letzten Jahren in Frankreich so dominant war. "Jetzt wartet aber erst mal Tirreno-Adriatico, wo ich das Team voll unterstützen werde", so Ganna, der vor den Olympischen Spielen noch einen anderen Traum verfolgt.
"Ich will den Giro d’Italia bestreiten, aber das wir einzig und alleine das Team entscheiden, ob ich in der Verfassung bin", erklärte Ganna, der sich auf dem diesjährigen Parcours mit seinen wieder drei Zeitfahrenen sicherlich hervortun könnte. Schon im vergangenen Jahr zeigte er sein Können auch auf längeren Kursen, holte Bronze bei den Straßenweltmeisterschaften im Kampf gegen die Uhr und könnte vielleicht sogar in Budapest in das Maglia Rosa schlüpfen.
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