Pedersen gleich drei Mal erfolgreich

Gent-Wevelgem im Rückblick: Die letzten zehn Jahre

Von Christoph Adamietz

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Mads Pedersen (Lidl - Trek) gewann im vergangenen Jahr zum bereits dritten Mal Gent - Wevelgem. | Foto: Cor Vos

28.03.2026  |  (rsn) – Auch wenn Gent-Wevelgem nicht den Stellenwert der Flandern-Rundfahrt hat, so trug sich in den letzten Jahren das Who ist Who der Klassikerspezialisten in die Siegesliste des flämischen Traditionsrennens ein. Zudem bot Gent-Wevelgem aufgrund der Witterungsverhältnisse auch das ein oder andere Kuriosum.

RSN blickt auf die letzten zehn Jahre zurück.

Gent – Wevelgem 2016: Peter Sagan

Nach seinem Soloerfolg vor drei Jahren feierte Peter Sagan (Tinkoff) seinen zweiten Sieg, diesmal allerdings aus einer vierköpfigen Spitzengruppe heraus. Der Weltmeister ließ dabei nach 243 Kilometern den Belgier Sep Vanmarcke (LottoNL-Jumbo), den überraschend starken Russen Viacheslav Kuznetsov (Katusha) und den Schweizer Fabian Cancellara (Trek - Segafredo) hinter sich.

Cancellara hatte mit seiner Attacke 35 Kilometer vor dem Ziel bei der letzten Überquerung des Kemmelbergs das Finale eingeläutet. Das sich so formierte Quartett konnte sich auf den letzten beiden Kilometern aufgrund des komfortablen Vorsprungs sogar noch taktische Spielchen erlauben.

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Gent – Wevelgem 2017: Greg Van Avermaet

Nachdem die Belgier in den letzten vier Jahren leer ausgegangen waren, feierten sie diesmal bei Heimspiel gleich einen Doppelerfolg. Greg Van Avermaet (BMC) setzte sich nach 249 Kilometern in Wevelgem im Sprintduell vor seinem Landsmann Jens Keukeleire (Orica - Scott) durch und trug sich erstmals in die Siegerliste des Klassikers ein. Titelverteidiger Peter Sagan (Bora - Hansgrohe) wurde mit sechs Sekunden Rückstand Dritter, John Degenkolb (Trek - Segafredo) belegte als bester deutscher Starter Rang fünf.

Bei der 78. Austragung ging es erstmals über sogenannte Plugstreets (Naturstraßen), was dem Rennen zusätzlichen Reiz und einen höheren Schwierigkeitsgrad verlieh. Entscheidend war aber letztlich der Kemmelberg 35 Kilometer vor dem Ziel, an dem Van Avermaet attackierte und eine 14 Fahrer starke Gruppe initiierte. Aus dieser heraus löste er sich später gemeinsam mit Keukeleire.

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Gent – Wevelgem 2018: Peter Sagan

Mit seinem dritten Sieg zog Peter Sagan (Bora - hansgrohe) mit den bisherigen Rekordhaltern um Tom Boonen und Eddy Merckx gleich. Diesmal verwies der Weltmeister im Sprint einer knapp 20 Fahrer starken Spitzengruppe den Italiener Elia Viviani (Quick-Step Floors) und den Franzosen Arnaud Demare (Groupama - FDJ) mit deutlichem Vorsprung auf die Plätze.

Wie im Jahr zuvor trennte sich am Kemmelberg 35 Kilometer vor dem Ziel die Spreu vom Weizen. Quick-Step Floors und Marcus Burghard als unermüdlicher Sagan-Helfer sorgten dafür, dass die Spitzengruppe vor den Verfolgern den Zielstrich erreichte, im Sprint war schließlich der Slowake eine Klasse für sich.

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Gent – Wevelgem 2019: Alexander Kristoff

Im Vorjahr hatte Alexander Kristoff (UAE Team Emirates) genau wie John Degenkolb (Trek - Segafredo) den Sprung in die große Spitzengruppe verpasst. Diesmal aber überquerten die beiden den Zielstrich in Wevelgem auf den Plätzen eins und zwei. Der Norweger setzte sich nach 250 Kilometern im Sprint einer knapp 30 Fahrer starken Gruppe vor dem Oberurseler und dem Belgier Oliver Naesen (AG2R) durch. Mit Rüdiger Selig (Bora - Hansgrohe) auf Rang acht konnte sich noch ein weiterer Deutscher in den Top Ten platzieren.

Dabei sollte Kristoff plangemäß den Sprint für seinen neuen Teamkollegen Fernando Gaviria anziehen. Doch der Kolumbianer erteilte dem Norweger im Finale freie Fahrt. Titelverteidiger Peter Sagan (Bora - hansgrohe) war diesmal in der Ausreißergruppe des Tages dabei, die sich nach 60 Kilometern formiert hatte und zu der einige große Namen zählten - darunter auch Degenkolb. Die immer kleiner werdende Gruppe war schließlich nach einer 170 Kilometer langen Verfolgungsjagd 18 Kilometer vor dem Ziel Geschichte. Danach folgten weitere Attacken, mit Jack Bauer (Mitchelton - Scott) wurde der letzte Ausreißer erst 300 Meter vor dem Ziel gestellt.

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Gent - Wevelgem 2020: Mads Pedersen

Die 81. Austragung des Klassikers wurde wie die weiteren Frühjahrsklassiker auch aufgrund der Corona-Pandemie in den Herbst verlegt. Im Oktober 2020 sicherte sich Mads Pedersen (Trek - Segafredo) aus einer kleinen Spitzengruppe heraus den Sieg vor dem Franzosen Florian Senechal (Deceuninck - Quick-Step) und dem Italiener Matteo Trentin (CCC Team). Als bester Deutscher überquerte John Degenkolb (Lotto Soudal) auf Rang sechs den Zielstrich, direkt vor ihm landete der Schweizer Stefan Küng (Groupama - FDJ).

Pedersen war auf dem letzten Kilometer zum Spitzentrio Senechal, Trentin und Alberto Bettiol (EF Pro Cycling) vorgefahren und setzte sich schließlich nach 232,5 Kilometern im Sprint durch.

Die favorisierten Wout van Aert (Jumbo - Visma) und Mathieu van der Poel (Alpecin - Fenix) gingen dagegen leer aus, nachdem sie sich im Finale gegenseitig neutralisiert hatten.

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Gent - Wevelgem 2021: Wout Van Aert

Im Frühjahr 2021 setzte sich Wout van Aert (Jumbo - Visma) nach 250 Kilometern aus einer sieben Fahrer starken Spitzengruppe im Sprint vor den Italienern Giacomo Nizzolo (Qubeka Assos), Matteo Trentin (UAE Team Emirates) und Sonny Colbrelli (Bahrain Victorious) durch. Der Schweizer Stefan Küng (Gorupama - FDJ) wurde Sechster, die Deutschen konnten nicht vorne mitmischen.

Die Spitzengruppe um van Aert bildete sich bereits 180 Kilometer vor dem Ziel auf der Windkante und machte den Sieg unter sich aus. Früh im Rennen hatten sich 23 Fahrer bei starkem Seitenwind absetzen können. Dabei war auch Sprinter Sam Bennett (Deceuninck - Quick-Step), der lange als aussichtsreichster Siegkandidat galt, dann aber auf den letzten 15 Kilometern regelrecht einbrach und sich sogar übergeben musste.

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Gent - Wevelgem 2022: Biniam Girmay

Mit Biniam Girmay (Intermarché - Wanty - Gobert) siegte bei der 83. Austragung erstmals ein Profi vom afrikanischen Kontinent. Der Eritreer setzte sich nach 249 Kilometern zwischen Ypres und Wevelgem im Sprint eines Spitzenquartetts gegen den Franzosen Christophe Laporte (Jumbo - Visma) und den Belgier Dries Van Gestel (TotalEnergies) durch. Das erste Feld um Titelverteidiger Wout van Aert (Jumbo - Visma) kam mit acht Sekunden Rückstand ins Ziel.

Nachdem im schweren Mittelteil viele Attacken erfolglos geblieben waren, initiierte Laporte mit seiner Attacke 24 Kilometer vor dem Ziel die vorentscheidende Gruppe, die es mit knappem Vorsprung zum Zielstrich schaffte, den Girmay als Erster überquerte.

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Gent - Wevelgem 2023: Christophe Laporte

Nachdem Jumbo - Visma im Vorjahr noch den Sieg verpasst hatte, ließ das niederländische Team bei der 84. Austragung keinen Zweifel daran aufkommen, dass es diesmal den Gewinner stellen würde. Nach der Mammutdistanz von 261 Kilometern zwischen Ypres und Wevelgem siegte der Vorjahreszweite Christophe Laporte vor seinem belgischen Teamkollegen Wout van Aert, der ihm den Sieg kampflos überließ. Hinter dem Spitzenduo führte der Belgier Sep Vanmarcke (Israel - Premier Tech) die erste Verfolgergruppe mit 1:56 Minuten Rückstand ins Ziel.

Das Duo von Jumbo - Visma war an der zweiten Passage des Kemmelbergs 52 Kilometer vor dem Ziel in die Offensive gegangen und hatte sich schnell einen Vorsprung herausgefahren. An der dritten und letzten Kemmelberg-Passage geriet Laporte in Schwierigkeiten, doch van Aert wartete auf ihn, so dass die Teamkollegen gemeinsam in Richtung Ziel fuhren.

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Gent - Wevelgem 2024: Mads Pedersen

Bei der 85. Austragung von Gent-Wevelgem gelang Mads Pedersen (Lidl - Trek) der große Coup. Der Däne setzte sich nach 253 Kilometern in Wevelgem im Zweiersprint gegen Top-Favorit Mathieu van der Poel (Alpecin - Deceuninck) durch und feierte seinen zweiten Sieg nach 2020. Mit 16 Sekunden Rückstand komplettierte der für Bora - hansgrohe fahrende Belgier Jordi Meeus das Podium.

Pedersen zeigte ein sehr aktives Rennen und verkleinerte im Finale die Spitzengruppe. Seinem Vorstoß am Kemmelberg 35 Kilometer vor dem Ziel konnte nur van der Poel folgen.

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Gent - Wevelgem 2025: Mads Pedersen

Nachdem er im Vorjahr Mathieu van der Poel im Zweiersprint niedergerungen hatte, feierte Mads Pedersen (Lidl - Trek) nach einem beachtlichen 56-Kilometer-Solo die Titelverteidigung. Nach 250 Kilometern hatte der Däne in Wevelgem deutliche 49 Sekunden Vorsprung auf die erste Verfolgergruppe, die von Tim Merlier (Soudal - Quick-Step) ins Ziel geführt wurde. Das Podium komplettierte Pedersens italienischer Teamkollege Jonathan Milan. Bester Deutscher war John Degenkolb (Picnic - PostNL), der knapp die Top Ten verpasste und Elfter wurde.

Pedersen hatte am Kemmelberg seine letzten Begleiter stehen gelassen und sich schließlich ganz souverän seinen insgesamt dritten Sieg bei dem flämischen Frühjahrsklassiker gesichert.

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