Roglic holt sechs Sekunden, Cavagna spät gestellt

Cort überrascht sich nach Corona-Erkrankung selbst

Von Wolfgang Preß

Foto zu dem Text "Cort überrascht sich nach Corona-Erkrankung selbst"
Magnus Cort Nielsen (EF Pro Cycling, rechts) freut sich über seinen Sieg, Primoz Roglic staunt (Jumbo - Visma, links)| Foto: Cor Vos

06.11.2020  |  (rsn) - Der dritte Etappenerfolg für EF Pro Cycling: Der Däne Magnus Cort siegte im Sprint nach 162 km in Ciudad Rodrigo knapp vor Primoz Roglic (Jumbo - Visma), der mit den sechs Bonussekunden seine Gesamtführung vor Richard Carapaz (Ineos Grenadiers) auf 45 Sekunden ausbauen konnte. Rui Costa (UAE Team Emirates) war als Dritter im Ziel, wurde jedoch relegiert, weil er im Sprint eine Welle fuhr und Roglic etwas rausnehmen musste.

"Am Ende war ich etwas zu kurz dran, aber es war ein schöner Tag für das Team", freute sich Roglic im Ziel über den zweiten Platz. "Einige schnelle Jungs sind rausgefallen, und als Mann im Grünen Trikot kann ich dann auch mal sprinten", meinte er mit einem Augenzwinkern. "Heute kommen bei mir sechs Sekunden dazu, und morgen steht noch ein großer Tag an, der entscheidende Tag. Wir müssen konzentriert bleiben und unser Bestes geben - mal sehen, was das dann bringt", schaute er nach vorne, wohlwissend, dass er die Vuelta noch nicht gewonnen hat.

Sieger Cort konnte es kaum glauben, auf dem Podium zu stehen: "Ich hätte nie gedacht, dass ich eine Etappe gewinnen könnte. Ich habe nach meiner Corona-Erkrankung nur drei Wochen trainiert, bevor ich zur Vuelta kam. Deshalb ist es sehr schön, hier nun einen Sieg zu erringen. Ich glaube, ich habe das Timing ziemlich gut getroffen. Ich kam durch die letzte Kurve, mit noch 500 Metern ins Ziel, konnte in eine gute Position gehen, nicht zu weit vorne. Ich fand dann etwa 200 m vor der Linie eine Lücke, und von dort gab ich einfach alles, was ich hatte. Heute früh hatte ich nicht mal davon geträumt, zu gewinnen."

Rémi Cavagna (Deceuninck - Quick Step) wurde nach einem Ausreißversuch von fast 40 Kilometern, davon über 20 mit Robert Stannard (Mitchelton - Scott) knapp zwei Kilometer vor der Ziellinie noch eingeholt. Cavagna wurde schließlich 52., Stannard kam als 37. ins Ziel. Immerhin wurde Cavagnas Fahrt mit dem Titel als "kämpferischster Fahrer" belohnt: "Ich habe weiter gekämpft, als ich sah, dass das Feld noch 15 Sekunden zurücklag, obwohl ich dachte: 'Oh, es ist vorbei'. Aber dann sagte ich mir: 'Wenn ich ein noch bisschen weiter mache, schauen sie vielleicht eher auf sich selbst'. Ich habe es versucht, aber am Ende war es zwei Kilometer zu viel."

So lief das Rennen:

Die 162 km lange Etappe von Salamanca nach Ciudad Rodrigo begann schnell, auch der Wind auf den ziemlich offenen Straßen war recht stark - aber nicht stark genug für Staffeln. So sahen die Top-Teams keine Gefahr für ihre Klassement-Fahrer und ließen Angel Madrazo (Burgos - BH) ziehen, zu dem sich bald sein Team-Kollege Juan Felipe Osorio gesellte, dann Remi Cavagna (Deceuninck - Quick Step), Kobe Goossens (Lotto Soudal), schließlich Robert Stannard (Mitchelton - Scott) und als dritter Fahrer von Burgos - BH, Jesús Ezquerra – ein schneller Auftakt über 30 Kilometer.

Julen Amezqueta (Caja Rural - Seguros RGA) und Willie Smit (Burgos - BH) versuchten nachzusetzen, konnten aber nicht aufschließen. Das Peloton ließ die Spitzengruppe gewähren, wobei Bora - hansgrohe und UAE Team Emirates den Vorsprung auf 4:30 begrenzten. Robert Stannard führte die Spitze in den Anstieg von El Portillo, während Chris Froome das Peloton anführte.

Froome erhöhte das Tempo weiter, offensichtlich um Richard Carapaz zu schützen, so der Plan von Ineos - Grenadiers. Im Anstieg von Puerto El Robledo sammelte sich das Team von Carapaz an der Spitze, und erhöhte den Druck weiter. Roglic war jedoch unbeeindruckt, geschützt von Sepp Kuss und anderen Team-Kollegen. Andrey Amador führte Carapaz und den Rest seiner Truppe den Anstieg hinauf und dann in die rasende Abfahrt.

Vuelta-Debütant Jannik Steimle (Deceuninck - Quick Step), gestern noch auf Platz drei, hatte in der Abfahrt von Puerto El Robledo Pech: Er versteuerte sich in einer Kurve, stürzte auf dem feuchten Asphalt. Er überstand das Ganze unbeschadet, nicht jedoch sein Rad. Der Sprinter musste lange auf den Materialwagen warten, und verpasste so den Anschluß ans Hauptfeld. Immerhin schaffte er es noch auf Platz 74.

Die Spitze zerfiel in der Steigung von Puerto El Robledo zunehmend: Zuerst war Osorio raus, dann Ezquerra, schließlich brach auch Madrazo ein. Stannard und Cavagna waren dann die einzigen an der Spitze – und sie waren offensichtlich überzeugt, die verbleibenden 40 Kilometer ins Ziel schaffen zu können. Doch Ineos - Grenadiers machte weiter Druck im Peloton, der Rückstand verringerte sich im nächsten Anstieg auf weniger als 40 Sekunden.

Dann setzten sich UAE Team Emirates und Movistar an die Spitze, und führten die Verfolgung an. 26 Kilometer vor dem Ziel waren Stannard und Cavagna fast eingeholt, der Rückstand betrug nur noch wenige Sekunden. Doch die beiden gaben nicht auf, und das Feld fuhr die Lücke nicht zu.

Nun übernahm Movistar nahezu allein die Verfolgung, war mit bis zu fünf Fahrern vorne vertreten. Rund 17 km vor dem Ziel, im letzten Anstieg, war Stannard platt, und Cavagna fuhr alleine weiter. Er weigerte sich aufzugeben und konnte die Lücke wieder auf bis zu 21 Sekunden ausbauen. Doch Movistar blieb am Drücker, und vier Kilometer vor der Linie war Cavagnas Vorsprung wieder unter zehn Sekunden; schließlich wurde er zwei Kilometer vor dem Ziel eingeholt.

Bruno Amirail (Groupama - FDJ) versuchte auf dem letzten Kilometer wegzukommen, konnte aber nicht durchziehen. Valverde hatte noch zwei Kollegen dabei, die den Sprint für ihn anzogen. Er ging jedoch schon rund 400 Meter vor der Linie alleine raus – zu früh... Roglic, Cort, Costa (später relegiert) und Dion Smith (Mitchelton-Scott) konnten noch an Valverde vorbeiziehen, der Däne setzt sich kurz vor der Linie gegen den Slowenen durch.

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