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Ineos Grenadiers: Zurück zur alten Grand-Tour-Dominanz?

Foto zu dem Text "Ineos Grenadiers: Zurück zur alten Grand-Tour-Dominanz?"
Ineos Grenadiers beim Etoile de Bessèges 2020 | Foto: Cor Vos

04.02.2021  |  (rsn) - In der Corona-Saison büßte Ineos Grenadiers zwar seine langjährige Dominanz bei der Tour de France ein. Dennoch hatte die erfolgsverwöhnte Startruppe auch 2020 bei einer Grand Tour wieder Grund zum Jubel, als nämlich Tao Geoghegan Hart im Oktober etwas überraschend den Giro d’Italia gewann. In der Saison 2021 will das britische Team, ebenso punktuell wie sinnvoll verstärkt, nicht nur den Abgang von Superstar Chris Froome kompensieren, sondern bei der Frankreich-Rundfahrt wieder mit Erfolg um das Gelbe Trikot kämpfen.

Rückblick 2020: Mit einer überragenden kollektiven Leistung beim Giro d'Italia machte Ineos Grenadiers im vergangenen Oktober aus einer bis dahin bestenfalls mittelprächtig verlaufenen Saison eine doch noch erfolgreiche. Mit sieben Etappensiegen (vier durch Filippo Ganna, zwei durch Geoghegan Hart und einer durch Jhonatan Narvaez), dem Rosa Trikot und dem Gewinn der Teamwertung dominierte Ineos Grenadiers die Italien-Rundfahrt in seltener Weise.

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Dagegen blieb bei der Tour nach dem vorzeitigen Ausstieg von Titelverteidiger Egan Bernal nur noch die Etappenjagd, die nach mehreren vergeblichen Versuchen doch noch in ein happy end mündete, als Michal Kwiatkowski und Richard Carapaz auf dem 18. Teilstück einen Doppelerfolg feierten. Der Ecuadorianer, 2019 Giro-Gesamtsieger, lieferte sich dann auch noch bei der Vuelta a Espana einen großen Kampf mit Primoz Roglic (Jumbo - Visma) um das Rote Trikot und musste sich nur knapp dem Titelverteidiger geschlagen geben.

Chris Froome trug bei der Spanien-Rundfahrt ein letztes Mal das Ineos-Trikot und stellte sich dabei in den Dienst von Carapaz - es war ein unauffälliger Abschied nach einer Saison, in der deutlich wurde, dass der Brite nach seinem schlimmen Sturz beim Critérium du Dauphiné 2019 noch immer weit von seiner Normalform entfernt war.

Bei den Eintagesrennen blieb das Team fast schon erwartungsgemäß blass. Stellvertretend dafür standen die enttäuschenden Auftritt von Gianni Moscon, und auch Ian Stannard konnte an seine besten Zeiten nicht mehr anknüpfen. Lediglich der jungen Ethan Hayter hübschte mit seinem Coup beim Giro dell’Appeninno (1.1) die Bilanz etwas auf und Kwiatkowski lieferte zuverlässig Ergebnisse ab, auch wenn es zu keinem Sieg reichte.

Kommen: Richie Porte (Trek - Segafredo), Daniel Felipe Martinez (EF Pro Cycling), Adam Yates (Mitchelton - Scott), Laurens De Plus (Jumbo - Visma), Thomas Pidcock (Trinity Racing)

Gehen: Chris Froome (Israel - Start-Up Nation), Chris Lawless (Total Direct Energie), Vasil Kiryienka, Christian Knees, Ian Stannard (alle Karriereende)

Bleiben: Andrej Amador, Leonardo Basso, Egan Bernal, Richard Carapaz, Jonathan Castroviejo, Rohan Dennis, Owain Doull, Eddie Dunbar, Filippo Ganna, Tao Geoghegan Hart, Michal Golas, Ethan Hayter, Sebastian Henao, Michal Kwiatkowski, Gianni Moscon, Jhonatan Narvaez, Brandon Smith Rivera, Carlos Rodriguez, Luke Rowe, Pavel Sivakov, Ivan Ramiro Sosa, Ben Swift, Geraint Thomas, Dylan van Baarle, Cameron Wurf, Adam Yates

Das Aufgebot von Ineos Grenadiers:

Analyse: Auch wenn mit dem viermaligen Toursieger Froome die Galionsfigur der vergangenen Jahre fehlt, wird Team-Manager Dave Brailsford mit Blick auf die großen Rundfahrten keine schlaflosen Nächste bekommen. Froomes letzter Grand-Tour-Sieg liegt schon fast drei Jahre zurück und der Wechsel des mittlerweile 35-jährigen Briten zu Israel Start-Up Nation dürfte im Interesse beider Seiten gewesen sein. Mit Bernal (2019) und Geraint Thomas (2018) stehen immer noch zwei Tour-Sieger im Aufgebot, dazu kommen mit Carapaz und Geoghegan Hart zwei Giro-Sieger, und mit den jungen Pavel Sivakov und Ivan Sosa weitere Grand-Tour-Hoffnungen.

Damit nicht genug, wurde die Rundfahrerriege sogar noch weiter verstärkt, und zwar mit Dauphiné-Gesamtsieger Daniel Martinez, Adam Yates und Laurens De Plus, die allesamt wertvolle Verstärkungen im Kampf um Gesamtsiege sind. In die Rolle des Edelhelfers schlüpfen wird zudem Rückkehrer Richie Porte, der nach seinem dritten Platz bei der Tour 2020 beschlossen hat, sich mit seinen mittlerweile 36 Jahren künftig auf die kürzeren Rundfahrten zu konzentrieren und in den dreiwöchigen Rennen all seine Erfahrung für die Kapitäne einzubringen. Langfristige Perspektiven verspricht dagegen Thomas Pidcock, der mit seinen 21 Jahren erst am Anfang seiner Karriere steht.

Mit Koryphäen wie Kwiatkowski, der bei der Tour den ersten Grand-Tour-Etappensieg seiner Karriere feierte, dem zweimaligen Zeitfahrweltmeister Rohan Dennis, dessen Nachfolger Filippo Ganna oder auch Routinier Andrej Amador kann die Sportliche Leitung noch mehr Power in den großen Rundfahrten aufbieten.

Dagegen werden die Abgänge keine großen Lücken hinterlassen. Froome ist wohl über den Zenit seiner Leistungsfähigkeit hinaus, die Rücktritte der bewährten Helfern Vasil Kiryienka (bereits im Januar 2020 wegen Herzproblemen), Christian Knees und Stannard können problemlos kompensiert werden, und auch der Weggang von Sprinter Chris Lawless wird zu verschmerzen sein.

Die Klassikerriege bleibt solide, wenn auch gegen Namen wie Mathieu van der Poel, Wout Van Aert, Julian Alaphilippe oder Peter Sagan chancenlos. Hayter, Moscon, Ben Swift, Dylan van Baarle oder Luke Rowe sind in den Eintagesrennen für Top-Ten-Ergebnisse gut, die größten Hoffnungen dürften aber auf den Schultern des vielseitig einsetzbaren Kwiatkowski ruhen, der sich auf fast jedem Terrain wohlfühlt.

Prognose: Ineos Grenadiers wird in erster Linie den an eigenen Ansprüchen gemessenen enttäuschenden Tour-Auftritt von 2020 vergessen machen wollen. Angesichts des überragend besetzten Kaders dürfte das auch gelingen. Wer  Vorjahressieger Tadej Pogacar (UAE -Team Emirates) herausfordern wird, ist noch nicht raus, da Bernal, wenn er seine Rückenprobleme auskuriert hat - und davon ist auszugehen- zunächst beim Giro starten soll. Mit Hart, Thomas und Carapaz, der auch schon sein Auge auf die Tour gerichtet hat, kann Ineos aussichtsreiche Kandidaten ins Rennen schicken, die zudem von einer starken Helferriege unterstützt werden können.

Die jungen Wilden um Sivakov könnten sich auch bei der Vuelta austoben, wobei dort sicher auch der eine oder andere der vier Grand Tour-Sieger im Kader noch stehen wird. Bleibt das Team von Verletzungen und Erkrankungen verschont, dann könnte Ineos Grenadiers in allen großen Rundfahrten absahnen - und zwar sowohl im Gesamtklassement als auch im Kampf um Etappensiege.

Und auch bei kleineren Mehretappenrennen - von der UAE Tour über Paris-Nizza und Tirreno-Adriatico bis zur Tour de Suisse - stehen die Chancen bestens, die Gesamtwertungen zu dominieren. Achillesferse bleiben die meisten Klassiker und die Sprints - doch das ist gewollt und wird auch zu verschmerzen sein, wenn die Rundfahrerriege wie geplant zuschlagen sollte.

Eckdaten:
Land: Großbritannien
Hauptsponsor: Chemiekonzern
Branche: Chemie
Manager: Dave Brailsford
Radausrüster: Pinarello
Gruppe: Shimano
Laufräder: Shimano
Reifen: Continental
Teamranking 2020: 4.
Fahrer im Aufgebot: 31
Durchschnittsalter: 28,2

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