Martens´ Ardennen-Tagebuch

Keiner von uns hatte die Wunderbeine

Von Paul Martens

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Paul Martens (Jumbo - Visma) | Foto: Cor Vos

26.04.2021  |  (rsn) - Das war ein komisches Rennen. Die Gruppe ging innerhalb von 20 Sekunden nach dem Startschuss, was nicht unbedingt schlecht ist, weil ein Kaltstart meist nicht sehr angenehmen ist. Aber diesmal war es ein Vorbote auf das, was noch kommen sollte.

Ab Bastogne hatten wir fast nur Gegenwind und dadurch hat sich das Rennen lange Zeit langsam angefühlt. Dennoch hat man bei dem Zwischenstück, wo damit rechnete, dass richtig Tempo gebolzt wird, hat man gemerkt, dass es bis dahin schon geschlaucht hat.

Im Bus haben wir alle das gleich Fazit gezogen: Keiner von uns hatte die Wunderbeine und darum waren wir auch nicht so im Rennen, wie wir uns das vorgestellt haben. Meistens kann Primoz so was durch seine Klasse noch kaschieren, aber diesmal eben nicht. Er konnte bei den besten Fünf nicht mitfahren - es kann eben nicht jedes Mal klappen. Das Rennen hat mal wieder gezeigt, dass man als Team parat sein muss. Und gerade bei solch großen Rennen kann man es sich nicht erlauben, ein oder zwei Prozent schlechter zu sein.

Insgesamt aber können wir mit den Ardennenklassikern - einschließlich Pfeil von Brabant - zufrieden sein. Es wäre natürlich schon gewesen, wenn wir die Reihe unserer guten Auftritte bis Lüttich hätten durchziehen können. Es hat leider nicht geklappt, Haken dran. Normalerweise würde ich sagen: 2022 ist ein neues Jahr, aber das trifft ja für mich nicht zu. Ich gehe allerdings davon aus, dass die Jungs das im kommenden Jahr besser machen.

Nachdem ich abgehängt worden bin, habe ich mich weiter durchgequält, bis zehn Kilometer vor dem Ziel der Besenwagen an mir vorbeigefahren ist, ohne mich zu fragen, ob ich einsteigen will. Ich bin dann mitten im Verkehr zum Ziel gefahren und habe danach gesehen, dass bei meinem Namen ein DNF steht. Ich finde das nicht sehr prickelnd, sondern eher ziemlich respektlos. Ich glaube, es wäre nicht zu verlangt, wenn der Kommissär bei einem Rennen von 6:40 Stunden Dauer einige Minuten drauf geben würde. Aber ich nehme es als Zeichen dafür, dass für mich der richtige Zeitpunkt zum Rücktritt gekommen ist.

Tschau
Euer Paul

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