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19.06.2021 | (rsn) – Einen Vorteil hat es, am Sonntagmorgen um 8 Uhr in Filderstadt an der Startlinie stehen zu müssen: Wenn die Frauen ihr Meisterschaftsrennen in Angriff nehmen, dürfen sie darauf hoffen, dass sie ihren Wettkampf komplett absolviert haben, bevor das Thermometer im Zielbereich am Fernsehturm in Stuttgart-Degerloch die 30-Grad-Marke wieder knackt.
Trotzdem aber wird das Straßenrennen nach dem Hitze-Zeitfahren vom Samstag nicht leichter: 1.708 Höhenmeter stehen laut Veranstalter auf den 107,2 Kilometer auf dem Programm. Der 7,1 Kilometer lange Rundkurs zwischen Degerloch und Schönberg muss 14 Mal absolviert werden, und, wie Titelverteidigerin Lisa Brennauer (Ceratizit – WNT) nach einer Besichtigung im Auto ankündigte: Die Masse wird's machen.
"Der Anstieg scheint mir schon schwer zu sein – nicht brutal schwer, aber doch so, dass er auf Dauer selektieren wird", erklärte sie nach ihrem vierten Titelgewinn im Einzelzeitfahren am Samstag in Öschelbronn. Über Nacht ist Brennauer Doppelmeisterin, am Sonntagvormittag aber muss sie sich gegen einige Kontrahentinnen behaupten, die das Zeitfahren ausgelassen haben, um möglichst frisch am Sonntag in Filderstadt am Start zu stehen.
Korffs Kandidatinnen-Liste für Tokio ist noch lang
Denn es geht in Stuttgart um viel: Neben dem Meistertrikot sind auch zwei Olympia-Startplätze beim Bund Deutscher Radfahrer (BDR) noch zu haben. Brennauer und Zeitfahr-Vizemeisterin Lisa Klein (Canyon – SRAM) sind für Tokio gesetzt, starten dort beide neben der Straße und dem Einzelzeitfahren auch auf der Bahn in der Mannschaftsverfolgung.
Doch die Plätze drei und vier im Straßenkader von Bundestrainer André Korff sind vakant. Ende Juni soll nominiert werden und bis zu zehn Frauen stünden noch auf seiner Kandidatinnenliste, erklärte er radsport-news.com am Samstag. Das DM-Rennen am Sonntag dürfte für viele das Zünglein an der Waage werden.
Die Zahl "10" scheint für die Kandidatinnenliste zwar etwas hoch gegriffen, doch es ist nachvollziehbar, dass die Auswahl noch nicht steht: Zu unbeständig waren die Leistungen der deutschen Frauen in diesem Jahr bislang – auch aufgrund von zahlreichen Krankheiten, wie beispielsweise im Fall der WM-Fünften von Imola, Liane Lippert (DSM).
Kampf um Olympia-Tickets "wird dem Rennen sehr guttun"
Die 23-Jährige, die im Winter als große deutsche Olympiahoffnung galt, erlebte ein schwarzes Frühjahr. Ende Mai präsentierte Lippert sich dann wiedererstarkt bei der Lotto Thüringen Ladies Tour, wo sie Vierte wurde. Doch am Samstag bei den Zeitfahr-Meisterschaften litt sie unter der Hitze und stieg noch vor der Wendepunkt-Zwischenzeit aus, um sich für Sonntag zu schonen. Ihre Teamkollegin Franziska Koch, auch eine Tokio-Kandidatin, kam nicht über Rang 18 mit 5:51 Minuten Rückstand auf Brennauer hinaus. Besser schlugen sich Hannah Ludwig (Canyon - SRAM / + 1:01) auf Rang drei und Tanja Erath (Tibco - SVB / + 3:02) als Fünfte.
Andere Olympia-Kandidatinnen wie Kathrin Hammes (Ceratizit – WNT) und Clara Koppenburg (Rally Cycling) oder Trixi Worrack (Trek – Segafredo) und Romy Kasper (Jumbo – Visma) standen in Öschelbronn gar nicht erst am Start.
"Ich denke, dass einige die Chance werden nutzen wollen, sich mit Blick auf Tokio nochmal zu zeigen. Es wird dem Rennen sehr guttun, dass da noch einige Türen offen stehen. So werden viele richtig Rennen fahren wollen. Es wird ein hartes, selektives Rennen", erklärte Brennauer und Klein unterstrich, dass auch sie und ihre Namensvetterin sich auf ihrer bereits feststehenden Nominierung nicht ausruhen werden: "Wir sind immer motiviert, wenn wir Rennen fahren. Wir sind beide Racer, und so viele Rennen haben wir bis Tokio auch nicht mehr."
Ab 10 Uhr wird das Rennen am Sonntag vom SWR online im Live-Stream übertragen.
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