Brite muss noch drei Bergetappen der Tour überstehen

Cavendish: “Ich bin jeden Tag nervös“

Von Peter Maurer

Foto zu dem Text "Cavendish: “Ich bin jeden Tag nervös“"
Mark Cavendish (Deceuninck - Quick-Step) | Foto: Cor Vos

12.07.2021  |  (rsn) – Spätestens nach und seinen Etappensiegen Nummer drei und vier bei der 108. Tour de France ist die Karenzzeit der härteste Konkurrent für Mark Cavendish (Deceuninck - Quick-Step) im Kampf um das Grüne Trikot. Der Brite, kurzfristig als Ersatzfahrer für Sam Bennett in den Tourkader seines Teams nachnominiert, brach in Carcassonne den 46 Jahre alten Rekord von Eddy Merckx, der in seiner Karriere 34 Etappensiege bei der Tour feierte. Diese Marke könnte Cavendish sogar noch überbieten, schließlich warten in Libourne (19. Etappe) und Paris noch zwei Möglichkeiten auf die Sprinter.

"Ich bin jeden Tag nervös und versuche, jede Etappe so gut wie möglich zu absolvieren. Die härtesten Etappen in Bezug auf die Karenzzeit sind wohl schon vorbei, aber du musst immer achtsam sein", erklärte der 36-jährige Brite am zweiten Ruhetag in Andorra auf der Pressekonferenz seiner Mannschaft. Vor allem weiß Cavendish aus eigener, schmerzhafter Erfahrung, dass man nie vor schweren Stürzen sicher ist. Ein solcher könnte seinen Traum vom zweiten Grünen Trikot seiner Karriere noch platzen lassen.

Das erfahrene Team Deceuninck – Quick-Step kam aber bislang relativ gut durch die ersten beiden Wochen. Ausnahme ist Tim Declercq, den es beim Highspeed-Crash in Richtung Carcassonne heftig erwischte. Doch der lange Belgier biss sich bis zum Ruhetag durch, so dass die Mannschaft von Manager Patrick Lefevere als eines von nur sechs Teams noch mit voller Kaderstärke bei der Tour vertreten ist.

"Das Team macht den großen Unterschied aus. Ich habe den stärksten Zug der Welt momentan", beschrieb Cavendish den entscheidenden Faktor, der ihn derzeit über die Sprinterkonkurrenz stellt. "Es macht mich glücklich, wenn ich sehe, wie meine Jungs fahren", freute sich auch Lefevere. Im vergangenen Jahr bot er dem Briten an, seine Karriere fortzusetzen, gab ihm einen Platz in seiner Mannschaft, nachdem Cavendish schon mit dem Radsport abgeschlossen zu haben schien.

Cavendish: "Solange ich gewinnen kann, will ich auch weiterfahren"

Erst wenige Wochen vor der Tour bekam Cavendish dann von seinem Sportlichen Leiter Wilfried Peeters den Anruf, dass er sich bereitmachen solle: "Sam Bennett kämpfte mit Knieproblemen und Wilfried erklärte mir, dass es sein kann, dass ich einspringen muss." Seit seinen vier Siegen bei der Türkei-Rundfahrt im April hatte Cavendish bis zur Belgien-Rundfahrt, die zwei Wochen vor der Tour begann, nur fünf Renntage zu verzeichnen.

"Ich wusste ja eigentlich nicht, dass ich starte. Deshalb hatte ich vor der Tour weder Stress noch Druck und konnte mich voll auf das Training konzentrieren", schilderte der Ex-Weltmeister, der nach wie vor heiß auf Siege ist. "Die Ambition ist immer hoch. Du willst als Sprinter immer gewinnen und darum bin ich auch hier. Da ist es egal ob es um den ersten Toursieg oder um den 35sten", fügte er an.

Aber selbst die Einstellung des Rekords oder der weitere Gewinn eines Grünen Trikots - sein erstes gewann er vor zehn Jahren - wird bei Cavendish nicht über den weiteren Verlauf seiner Karriere entscheiden: "Solange ich gewinnen kann, will ich auch weiterfahren." Mit diesem kurzen Satz unterstrich er gleichzeitig wohl auch die vielen Zweifel, die ihm in seinen sieglosen letzten Jahren durch den Kopf gingen.

Lefevere: "Du gewinnst Grün nicht mit Glück"

Mitverantwortlich für seine sportliche Wiederauferstehung ist natürlich sein alter und jetziger Boss. "Du musst im Leben oft schwere Entscheidungen treffen", erzählte Lefevere in Erinnerung an den vergangenen Herbst, als er dem erfolglosen Sprinter einen Einjahresvertrag anbot.

"So gesehen bin ich mit der Entwicklung sehr zufrieden", grinste der Belgier, der nun das zweite Jahr in Folge mit einem seiner Fahrer die Punktewertung gewinnen kann, nachdem sich Bennett 2020 das Grüne Trikot holte.

Seit dem Auftakt hat das Grüne Trikot erst einmal teamintern gewechselt, von den Schultern des Weltmeisters Julian Alaphilippe zu Mark Cavendish. Am Dienstag wird es der 28. Tour-Tag in Folge sein, an dem es sich ein Fahrer der belgischen Equipe überziehen darf. "Wir haben fünf Etappen gewonnen und du gewinnst dieses Trikot nicht mit Glück. Du musst täglich präsent sein und das waren wir auch", betonte Lefevere.

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