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03.10.2021 | (rsn) – In seinem letzten Profirennen ließ André Greipel (Israel Start-Up Nation) nichts unversucht, um sich mit einem Sieg zu verabschieden. Der 39-Jährige war beim 15. Sparkassen Münsterland-Giro (1.Pro) bis 2000 Meter vor dem Ziel bei widrigen Witterungsbedingungen mit Regen und Wind in der zehnköpfigen Spitzengruppe dabei, ehe ihn doch noch die Kräfte verließen. Zu stark war am Ende das Team Deceuninck – Quick-Step, das Greipels früheren Dauerrivalen Mark Cavendish zum Sieg führte.
Während der Brite sich nach 188,5 Kilometern in Münster aus einer vier Fahrer starken Gruppe heraus im Sprint gegen Alexis Renard (Israel-Start Up Nation) und Markus Hulgaard (Uno-X) durchsetzte, wurde Niklas Märkl (DSM) hinter Cavendishs Teamkollegen Josef Cerny als bester Deutscher Fünfter. Pascal Ackermann (Bora – hansgrohe), der es 1300 Meter vor dem Ziel mit einer Attacke probiert hatte, die aber kurz darauf von Cerny neutralisiert worden war, belegte Rang neun, gefolgt von Greipel, der sich wenige Meter dahinter als Zehnter vom Publikum verabschiedete.
Im Ziel gab es schließlich – als beeindruckenden Schlusspunkt einer jahrelangen sportlichen Rivalität - eine Umarmung zwischen Cavendish und Greipel. "Wir sind anderthalb Jahrzehnte gegeneinander gefahren, haben Ellenbogen an Ellenbogen Siege um Siege eingefahren. Mark war heute superstark und hat am Ende auch verdient gewonnen“, so Greipel, der seine letzten Kilometer als Profi im WDR als “ziemlich schmerzhaft“ beschrieb. “Ich hatte nicht die besten Beine, aber das Beste rausgeholt. Am Ende hat es auch ein bisschen am nicht vorhandenen Trinken gelegen“, gestand Greipel ein, dass ihm im letzten Rennen seiner Karriere ein für ihn untypischer Fehler in der hektischen Schlussphase eine bessere Platzierung gekostet hat. “Ich hatte es nicht verdient zu gewinnen, weil ich nicht gut genug war. Aber wir sind aggressiv gefahren.“
Kein Finale für Radsportromantiker
Gegenüber GCN zeigte sich Cavendish über seinen ersten Sieg seit der Tour de France erleichtert. "Ich bin glücklich, schließlich habe ich ein Radrennen gewonnen. Die Witterungsbedingungen konnten wir heute zu unseren Gunsten ausspielen. Wir haben das Rennen hart gemacht und hier in Münster zu gewinnen,, ist auch etwas Besonderes, denn hier in der Gegend bin ich vor 15 Jahren viel trainieren gefahren“, so der 36-Jährige, der damals als Jungspund für das Team Sparkasse fuhr.
"Für Radsportromantiker wäre es sicher schön gewesen, wenn es am Ende zu einem richtigen Sprint zwischen Greipel und mir gekommen wäre, aber für mich war es schon eine Ehre, in seinem letzten Rennen am Start stehen zu dürfen. Wir waren Teamkollegen, waren Rivalen, aber ich habe den größten Respekt vor André", sagte Cavendish, der seinen Sieg seinem ehemaligen Trainer Heiko Salzwedel widmete, der in dieser Woche verstorben war.
So lief das Rennen:
Bei Wind und Regen machte sich das Peloton im niederländischen Enschede auf den 188,5 Kilometer langen Weg nach Münster. Kurz nach dem Start bildete sich eine Ausreißergruppe, in der auch Philipp Walsleben (Alpecin – Fenix), der sein letztes Profirennen in Angriff nahm, sowie die deutschen Kontinental-Fahrer Alexander Tarlton (Lotto – Kern Haus), Jakob Geßner (Nationalteam) und Albert Gathemann (Dauner Akkon) saßen. Das Sextett konnte sich einen Maximalvorsprung von vier Minuten herausfahren, der aber zur Rennhälfte schmolz, als es im Peloton auf die Windkante ging. Zu diesem Zeitpunkt war bereits Gathemann aus der Spitze zurückgefallen.
Etwa 15 Fahrer, darunter Cavendish, Alvaro Hodeg sowie drei weitere Teamkollegen, Ackermann, dessen Helfer Andreas Schillinger und Rüdiger Selig sowie Greipel und Märkl befanden sich in der ersten Gruppe hatten, ihren Rückstand 75 Kilometer vor dem Ziel auf unter eine Minute gedrückt. Weitere 30 Sekunden dahinter folgte eine weitere Gruppe. Als es kurz darauf in den Anstieg Coesfelder Wald ging, gehörte auch Geßner nicht mehr zur Spitzengruppe. Derweil führte der 21-jährige Tarlton die Gruppe über die Bergwertung und übernahm die virtuelle Gesamtführung im Bergpreis.
65 Kilometer vor dem Ziel wurden die fünf verbliebenen Spitzenreiter von der Ackermann-Greipel-Gruppe wieder geschluckt, wenige Sekunden dahinter fuhr eine weitere, 20 Fahrer starke Verfolgergruppe um Georg Zimmermann, Jonas Koch (beide Intermarché – Wanty Gobert) Tim Torn Teutenberg (Leopard), Julian Lino (Bike Aid) und Nico Denz (DSM). Im nächsten Anstieg war es wieder Tarlton, der sich die Punkte am Daruper Berg und somit auch die Gesamtbergwertung sicherte.
Viele Attacken aus der Spitzengruppe heraus
Auf den nächsten Kilometern änderte sich nur wenig an der Rennsituation, so dass die Spitzengruppe mit einem Vorsprung von einer knappen halben Minute auf die Verfolger die letzte Rennstunde in Angriff nahm. Im letzten kleinen Anstieg des Tages hinauf zum Schöppinger Berg konnte die Spitze den Vorsprung auf die Verfolger aber wieder ausbauen, auch weil Cavendish persönlich mit einer Attacke, die aber von Greipel pariert wurde, das Tempo erhöhte.
Auf den letzten 20 Kilometern attackierten sich die Fahrer an der Spitze gegenseitig. Durch einen Vorstoß von Josef Cerny reduzierte sich die Gruppe auf zehn Fahrer, mit dabei waren noch Cavendish, Hodeg, Greipel, Märkl und Ackermann. Aus dieser Gruppe heraus attackierte wiederum Cavendish, der Begleitung von Greipels Teamkollegen Reinard erhielt. Da dieser Vorstoß keinen Erfolg hatte, ging wieder Cerny in die Offensive, diesmal mit Greipel und Hulgaard an seinem Hinterrad. Da auch dieses Unterfangen erfolglos war, gingen zehn Fahrer gemeinsam auf die letzten zehn Kilometer. Danach probierte schließlich praktisch jeder der zehn Spitzenreiter sein Glück mit einem Vorstoß.
3500 Meter vor dem Ziel konnten sich schließlich Hulgaard und Cerny davonschleichen und die Lücke zu ihren acht ehemaligen Begleitern ging Stück für Stück auf. Auf ein Kopfzeichen von Greipel hin attackierte schließlich zwei Kilometer vor dem Ziel Renard und schloss dadurch gemeinsam mit Märkl, Cavendish und Ackermann die Lücke, während Greipel zurückfiel. Weitere Attacken folgten, erfolgversprechend sah dann die von Ackermann 1300 Meter vor dem Ziel aus. Doch 500 Meter vor dem Ziel hatte Cerny die Gruppe wieder herangeführt und Ackermann scherte entkräftet aus. Da auch Märkl dem Tempo nicht mehr folgen konnte, machten am Ende vier Fahrer den Sieg im Sprint unter sich aus, mit dem besten Ende für Cavendish.
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