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26.07.2022 | (rsn) - Es war alles angerichtet. Mit dem bestmöglichen Line-Up und für die schweren Bergetappen zum Abschluss vielleicht sogar besten Kader aller Teams kam FDJ – Suez – Futuroscope zum Heimspiel bei der Tour de France Femmes – eine breite Spitze, um Überfliegerin Annemiek van Vleuten (Movistar) angreifen zu können, nachdem Marta Cavalli beim Giro d'Italia bereits Zweite geworden war.
Doch im Finale der 2. Etappe nach Provins zerschellten diese Hoffnungen bereits allesamt auf dem Asphalt. Cavalli wurde 24 Kilometer vor Schluss zu Boden geschleudert, Cecilie Uttrup Ludwig war vier Kilometer danach in einen Massensturz verwickelt und Evita Muzic kam zwei Kilometer vor Schluss als letzte Verbliebene Klassementhoffnung im ersten Fahrerinnenfeld zu Fall.
Die Französin verlor dank der 3-Kilometer-Regel zwar keine Zeit, Uttrup Ludwig aber büßte trotz aller Anstrengungen ihrer Teamkolleginnen Grace Brown, Vittoria Guazzini und Marie Le Net 1:38 Minuten ein und für Cavalli endete die Tour im Krankenhaus.
Von einem schrecklichen Tag für seine Equipe wollte Teamchef Stephen Delcourt in Provins aber trotzdem nicht sprechen. "Nein, ich denke es ist nur für Marta ein schrecklicher Tag", sagte der Franzose radsport-news.com.
"Ich habe in meinem Leben noch nicht so einen schlimmen Crash gesehen und ich bin einfach froh, dass wir jetzt telefoniert haben und sie in Ordnung ist. Wir müssen noch die Untersuchungen und Scans abwarten, aber das ist das Wichtigste: Sie ist okay."
Cavalli fuhr 24 Kilometer vor Schluss weit hinten im Peloton und als es mitten auf der abschüssigen Straße zum Massensturz kam, bremste sie rechtzeitig und kam zum Stehen. Dann aber rauschte völlig ungebremst von hinten die Australische Meisterin Nicole Frain heran, krachte mit voller Wucht gegen die Italienerin und schleuderte sie hart zu Boden.
Frain selbst flog weit durch die Luft, konnte das Rennen aber zu Ende fahren, während Cavalli noch dem Vorfall nur noch langsam dahinrollte und dann entschied, ihre Tour aufzugeben. Aus dem Krankenhaus kam am Abend die Bestätigung, dass sie sich zwar keine Knochen gebrochen, jedoch ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten habe.
"Cecilie hat Zeit verloren, aber am wichtigsten ist auch da: Sie ist okay", betonte Delcourt mit Blick auf seine dänische Co-Kapitänin, die auch eine halbe Stunde nach Rennende noch mit feuchten Augen aus dem Mannschaftstruck in den PKW Richtung Hotel stieg. Mit den Fahrerinnen ließ das Team an diesem Nachmittag niemand sprechen – zu tief im Dunkeln waren die Gedanken von Uttrup Ludwig und ihren Teamkolleginnen wohl.
Delcourt: "Es ist die erste Tour, aber nicht die letzte"
Delcourt hingegen versuchte auch mit seinen öffentlichen Aussagen mentale Aufbauarbeit zu betreiben, bevor er nochmal zu seinen Sportlerinnen ging und sie tröstete. "Es ist die erste Tour de France, aber nicht die letzte – und es bleiben auch noch sechs Etappen. Erstmal schauen wir, dass alle Fahrerinnen okay sind. Und dann bin ich mir sicher: Wir haben die Schlacht hier nicht verloren", meinte er. "Am wichtigsten ist der Mensch. Wie unsere neuen Ziele aussehen, das entscheiden wir morgen."
Angesichts der schweren Schlussetappen in den Vogesen dürften gerade für die kletterstarken Muzic und Uttrup Ludwig trotz der Zeitverluste von Provins noch Top-10-Platzierungen in der Gesamtwertung drin sein – vorausgesetzt sie erholen sich gut von ihren Stürzen.
Schon am Dienstag geht es bei der Tour de France Femmes mit einer hügeligen Etappe mit schwerem, steilem Finale in Épernay weiter. Das wäre die perfekte Ankunft für Amstel Gold Race- und Fleche Wallonne-Siegerin Cavalli gewesen.
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