RSNplusWorldTeams 2023: Team DSM

Der Aufwärtstrend soll sich auch in Ergebnissen zeigen

Von Kevin Kempf

Foto zu dem Text "Der Aufwärtstrend soll sich auch in Ergebnissen zeigen"
DSM bei der Teampräsentation zur Tour de France.| Foto: Cor Vos

12.01.2023  |  (rsn) – Nach zwei schwierigeren Jahren will Team DSM mit seinem Kapitän Romain Bardet, vielen Talenten und sechs Deutschen wieder zurück in die Erfolgsspur. Zuversichtlich stimmt die Leitung des niederländischen Rennstalls dabei nicht nur der erfolgreich gemeisterte Abstiegskampf des vergangenen Jahres.

Nach 2020 hatte sich die Teamleitung nicht nur zu zahlreichen personellen Änderungen entschieden. ”Wir haben unsere gesamte Herangehensweise unter die Lupe genommen. Wir haben daraufhin ein paar wichtige Änderungen in unserer Arbeitsweise und Kommunikation vorgenommen“, erklärte der Sportliche Leiter Matt Winston im Gespräch mit radsport-news.com.

In der Saison 2022 war dann der Aufwärtstrend unverkennbar, was auch zehn Siege dokumentierten, darunter drei Etappenerfolge bei der Tour de Suisse und ein Tagessieg bei der Vuelta a Espana. “Ich denke, wir haben das wirklich gut gemacht, auch wenn sich das vielleicht nicht direkt in den Ergebnissen gezeigt hat“, sagte Winston rückblickend auf eine Saison, in der zwar nur wenige ganz große Siege gelangen, dafür aber in der Weltrangliste eine Verbesserung um immerhin vier Positionen.

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Bardet und Arensman die Erfolgsgaranten

Großen Anteil am Aufschwung hatten Bardet und Thymen Arensman. Vor allem im Frühjahr traten die beiden oft im Paket auf und waren dabei immer erfolgreich. Bei Tirreno-Adriatico (2.UWT) verhalf der Franzose dem Niederländer zu Platz sechs, der wiederum revanchierte sich bei der Tour of the Alps (2.Pro), die Bardet zu seinen Gunsten entscheiden konnte, wobei Arensman sogar noch Dritter wurde.

Auch beim Giro d’Italia lief es ausgezeichnet, bis Bardet als damaliger Gesamtvierter auf der 13. Etappe vom Rad steigen musste. Dafür hielt sich der Franzose dann bei der Tour de France schadlos, die er auf Rang sechs beendete, seinem besten Ergebnis seit 2018. In der zweiten Saisonhälfte zog Arensman mit Etappensiegen bei der Polen-Rundfahrt (2.UWT) und der Vuelta a Espana, die er zudem als Gesamtsechster abschloss, alle Blicke auf sich. So sehr, dass Ineos Grenadiers ihm ein Angebot unterbreitete, dem der 23-Jährige nicht widerstehen konnte.

So hat DSM auch in diesem Winter wieder einen seiner besten Fahrer abgeben müssen – nach Marc Hirschi 2021 sowie Jay Hindley und Tiesj Benoot im vergangenen Jahr - und auch der Abgang von Sören Kragh Andersen (Alpecin – Deceuninck) tut weh. Zudem haben die beiden routinierten Deutschen Nikias Arndt (Bahrain Victorious) und Nico Denz (Bora – hansgrohe) das Team verlassen.

Nachgebessert wurde nicht mit Topeinkäufen, sondern mit Nachwuchsfahrern, ganz so, wie es die Teamphilosophie vorsieht. ”Wir haben konstant neue Talente in unsere Nachwuchsmannschaft geholt - und das Resultat sieht man jetzt. Wir haben sechs Athleten aus den Development Team befördert. Das ist eine unserer Schlüsselstrategien“, betonte Winston.

Romain Bardet (links) und Thymen Arensman feiern auf dem Podium nach der letzten Etappe der Tour of the Alps. | Foto: Cor Vos

Der Weg ist das Ziel! Und die Tour

Auch bei der Teampräsentation in Calpe wurde viel über Entwicklung und wenig über konkrete Ziele geredet. Nur für den Star der Mannschaft galt das nicht. ”Wir wollen uns mit Romain perfekt auf die Tour vorbereiten. Beim Giro sind Etappensiege unser Ziel. Aber wir haben ein wirklich junges Team. Und dann muss man sich Schritt für Schritt entwickeln“, kündigte Winston an. “Deswegen wird es auch Rennen geben, in denen die Entwicklung im Vordergrund steht. Es geht darum, das ganze Team aufs nächste Level zu bringen. Wir bauen darum Fahrern keinen Druck auf, um bei bestimmten Rennen bestimmte Resultate einzufahren”, erklärte der 35-Jährige.

Trotzdem braucht DSM in diesem Jahr wieder Resultate und Weltranglistenpunkte, um auch langfristig in der WorldTour zu bleiben. Zudem gibt es noch Baustellen im Team: “Unsere Klassikerfraktion ist geschlossener gefahren, aber da liegt noch Arbeit vor uns. Unser Sprintzug ist auch noch dabei, sich zu formieren. Diesen Winter haben wir ein paar Leute dafür geholt, Alex Edmondson zum Beispiel“, sagte Winston.

Alberto Dainese gewann beim Giro d'Italia in Reggio Emilia eine Etappe im Massensprint. | Foto: Cor Vos

Talent-Fundgrube Development Team,/p>

Dennoch scheint DSM trotz allem kurzfristigen Ergebnisdruck weiter langfristig zu planen. ”Wenn man so große Veränderungen durchführt, muss man ihnen auch Zeit geben. Wir müssen dem Prozess vertrauen. Und ich glaube fest daran, dass unsere Talente einen großen Schritt nach vorn machen werden. Wir haben in der Vergangenheit bewiesen, dass das bei uns klappt. Und das werden wir weiterhin tun”, betonte Winston.

Mit Casper van Uden und Pavel Bittner, die im August vom Development-Team in die WorldTour aufstiegen, haben im Saisonverlauf zwei weitere Talente den Sprung in die erste Mannschaft geschafft. Zu Jahresbeginn war das bereits vier DSM-Nachwuchsfahrern gelungen, darunter die beiden Deutschen Leon Heinschke und Marius Mayrhofer. Zur Saison 2023 wird die Teamleitung weitere vier Development-Fahrer bei den Profis begrüßen können.

”Die Fahrer, die aus dem Devo-Team kommen, kennen sich alle”, erläuterte van Uden bei der Teampräsentation die Vorteile. ”Wir befinden und in der komfortablen Position, dass einige unserer Jungs einen großen Schritt nach vorn machen können. Nicht nur die Neos, sondern zum Beispiel auch Marco Brenner”, lobte Winston den 20-jährigen Augsburger, der gemeinsam mit Heinschke, Mayrhofer Niklas Märkl, Florian Stork und John Degenkolb eine starke deutsche Fraktion bei DSM bildet.

Der Top-Transfer 2023:
Der bekannteste Name unter den insgesamt neun Neuverpflichtungen ist Patrick Bevin (Israel – Premier Tech), der in der vergangenen Saison die Türkei-Rundfahrt (2.Pro) für sich entschied. Gleich zum Saisonauftakt bei der Tour Down Under (2.UWT) soll der 31-jährige Neuseeländer als Kapitän für ein gutes Resultat sorgen.

Bevin ist zwar nicht unbedingt als verlässlicher Sieglieferant bekannt, dafür beeindruckte er in den vergangenen Jahren durch seine Vielseitigkeit. Seine bisher neun Profierfolge holte er auf unterschiedlichem Terrain, zweimal wurde er zudem Neuseeländischer Zeitfahrmeister.

Casper van Uden wurde im August mit einem Profivertrag belohnt. | Foto: Cor Vos

Im Fokus:
Zu den zahlreichen hoffnungsvollen Talenten, die sich 2023 deutlich verbessern könnten, zählte Winston Max Poole, Oscar Onley und Casper van Uden. “Die sind wirklich alle supertalentiert. Das hat man auch schon anhand einiger Resultate sehen können.“ Der 21-jährige van Uden könnte sogar an Giro-Etappensieger Alberto Dainese vorbei in die Rolle des ersten Sprinters rücken, auch, weil er nach Informationen von radsport-news.com herausragende Wattwerte vorweisen kann. Der Niederländer gewann 2022 drei UCI-Rennen und empfahl sich nicht zuletzt durch Platz vier beim Scheldepreis (1.Pro) für den Profivertrag, den er am 1. August 2022 unterzeichnete.

Nicht weniger beeindruckend ist Onleys Bilanz. “Oscar war letztes Jahr in Kroatien sehr stark und konnte sich dort mit den Besten der Welt messen”, blickte Winston zurück. Damit meinte er Onleys Auftritt beim CRO Race (2.1), als sich der 20-Jährige auf zwei Etappen bei Bergaufsprints jeweils nur knapp Tour-Sieger Jonas Vingegaard (Jumbo – Visma) geschlagen geben musste und in der Gesamtwertung Rang drei belegte.

Oscar Onley war der Senkrechtstarter des vergangenen Herbstes und verlor beim CRO Race zweimal nur knapp gegen Jonas Vingegaard (Jumbo - Visma). | Foto: Cor Vos

Zuvor hatte der Schotte schon im August als Etappenzweiter und Gesamtsiebter der Sazka Tour (2.1) und bei der wegen des Tods der britischen Königin Elizabeth abgebrochenen Tour of Britain (2.Pro) überzeugt. Sollte Onley in seinem ersten Profijahr die Serie aus dem Herbst fortsetzen, wird er DSM viel Freude bereiten.

 

Das Aufgebot:
Romain Bardet (Frankreich / 32 Jahre), Patrick Bevin (Neuseeland / 31), Pavel Bittner (Tschechien / 20), Marco Brenner (Deutschland / 20), Romain Combaud (Frankreich / 31), Alberto Dainese (Italien / 24), John Degenkolb (Deutschland / 34), Matthew Dinham (Australien / 22), Alexander Edmondson (Australien / 29), Nils Eekhoff (Niederlande / 24), Sean Flynn (Schottland / 22), Chris Hamilton (Australien / 27), Leon Heinschke (Deutschland / 23), Jonas Hvideberg (Norwegen / 23), Andreas Leknessund (Norwegen / 23), Tobias Lund Andresen (Dänemark / 20), Niklas Märkl (Deutschland / 23), Marius Mayrhofer (Deutschland / 22), Lorenzo Milesi (Italien / 20), Tim Naberman (Niederlande / 23), Oscar Onley (Schottland / 20), Max Poole (England / 19), Frederik Rodenberg (Dänemark / 19), Florian Stork (Deutschland / 25), Martijn Tusveld (Niederlande / 29), Casper van Uden (Niederlande / 21), Henri Vandenabeele (Belgien / 22), Kevin Vermaerke (USA / 22), Sam Welsford (Australien / 26)

Davon Neuzugänge:
Patrick Bevin (Israel – Premier Tech), Harm Vanhoucke (Lotto Soudal), Alex Edmondson (BikeExchange - Jayco), Oscar Onley, Max Poole, Tobias Lund Andresen, Lorenzo Milesi (alle DSM Development), Sean Flynn (Tudor), Matthew Dinham (BridgeLane)

Teamleitung:
Manager: Iwan Spekenbrink
Sportdirektor: Rudi Kemna
Sportliche Leiter: Albert Timmer, Bennie Lambregts, Dariusz Kapidura, Gerben Heidstra, Hans Timmermans, Luke Roberts, Matthew Winston, Philip West, Pim Ligthart, Roy Curvers

Material:
Rahmenhersteller: Scott
Gruppe: Shimano
Laufräder: Shimano
Reifen: Vittoria
Trikot: Nalini
Helm: Scott

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