Matthews im Pech, Bettiol von Krämpfen gestoppt

Down Under: Dennis krallt sich Etappensieg und Gesamtführung

Von Felix Mattis

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Rohan Dennis (Jumbo - Visma) hat die 2. Etappe der Tour Down Under gewonnen. | Foto: Cor Vos

19.01.2023  |  (rsn) – Die 2. Etappe hat die Gesamtwertung der 23. Tour Down Under (2.WT)  auf den Kopf gestellt. In Victor Harbor sicherte sich nach 154,8 Kilometern Rohan Dennis (Jumbo – Visma) den Etappensieg aus einer fünfköpfigen Favoritengruppe vor Jay Vine (UAE Team Emirates) und Mauro Schmid (Soudal – Quick-Step) sowie Simon Yates (Jayco – AlUla) und Jai Hindley (Bora – hansgrohe).

Das Quintett um Dennis hatte sich 20 Kilometer vor dem Ziel nach einer Attacke von Vine am Nettle Hill (1. Kat.) aus dem Hauptfeld gelöst, anschließend 40 Sekunden Vorsprung herausgefahren und schließlich elf davon ins Ziel gerettet. Mit seinem ersten Sieg seit mehr als einem Jahr übernahm Dennis auch die Führung in der Gesamtwertung.

"Das war wirklich harte Arbeit. Ich habe im Anstieg alles gegeben, um zu Jay (Vine) und Yates nach vorne zu kommen. Und von da an hieß es einfach nur durchzuziehen", sagte der Etappengewinner im Ziel. Allerdings hatte Dennis dabei die entscheidende Szene unterschlagen: Denn anstatt nur konstant durchzuziehen und dann um den Sieg zu sprinten, lancierte der 32-Jährige auf dem Schlusskilometer auch noch eine starke und clevere Attacke. Die brachte ihm schließlich den Erfolg.

Matthews erst angerempelt, dann hing die Kette fest

Aus dem reduzierten Feld heraus gewann Caleb Ewan (Nationalteam Australien) den Sprint um Rang sechs. Allerdings traf er dabei nicht auf Michael Matthews (Jayco – AlUla) und Phil Bauhaus (Bahrain Victorious). Der Kölner, der die 1. Etappe gewonnen hatte, wurde am Nettle Hill abgeschüttelt, der Australier hatte kurz davor Pech: "Ich weiß nicht, was im Radsport heutzutage los ist – es gibt keinen Respekt mehr. Ich war eigentlich gut positioniert vor dem Anstieg, dann wurde ich von der einen Seite angerempelt, dann von der anderen und plötzlich hing meine Kette vorne fest", schilderte Matthews den Moment, als er anhalten musste und all seine Felle in Sachen Etappensieg und Gesamtwertung 22 Kilometer vor dem Ziel davonschwimmen sah.

"Es ist nie schön, jemand wegen eines Defekts Zeit abzunehmen. Aber leider ist das manchmal so", tat es Dennis leid, Matthews auf diese Art als Gegner in der Gesamtwertung verloren zu haben.

Weit zurückgefallen ist auch Prologsieger Alberto Bettiol (EF Education – EasyPost), der zwölf Kilometer vor dem Ziel mit starken Oberschenkelkrämpfen anhielt und das Hauptfeld ziehen lassen musste. Das Trikot des Gesamtführenden übernahm Dennis mit nun drei Sekunden Vorsprung auf Vine und zwölf Sekunden vor dem US-Amerikaner Magnus Sheffield (Ineos Grenadiers), der als Einziger aus den bisherigen Top 5 im ersten Feld mithalten konnte.

Ewan übernahm die Führung in der Punktewertung von Bauhaus, Vine die in der Bergwertung von Luke Plapp (Ineos Grenadiers) und Sheffield blieb Spitzenreiter in der Nachwuchswertung.

So lief das Rennen:

Erst knapp 40 Kilometer nach dem Start in Brighton löste sich mit Manuele Boaro (Astana Qazaqstan) und Johan Jacobs (Movistar) das erste Duo. Zehn Kilometer später riss UAE Team Emirates das Peloton an der Windkante in zwei Teile und holte dabei auch die Spitzenreiter zurück. Es folgten hektische 20 Kilometer, bis es wieder zum Zusammenschluss der beiden Felder kam. In der Zwischenzeit sicherte sich Corbin Strong (Israel – Premier Tech) vor Matthews  und Bettiol den ersten Bonussprint.

Knapp 70 Kilometer vor dem Ziel attackierte Dimitri Gruzdev (Astana Qazaqstan) im Anstieg zum Parawa Hill und sicherte sich die Kategorie-2-Bergwertung vor Alessandro Covi (UAE Team Emirates) und Bergtrikotträger Plapp. Doch schon kurz nach der Abfahrt war Gruzdev wieder gestellt und von da an fuhr das Peloton geschlossen in ständigem Positionskampf auf den 22 Kilometer vor dem Ziel anstehenden Nettle Hill (2 km bei 7,7&%) zu.

Ausgerechnet am Fuß des Kategorie-1-Anstiegs hatte der Gesamtzweite Matthews Defektpech und verlor so den Anschluss an die Besten. Gleichzeitig attackierte Vine am Fuß des Anstiegs. Er bekam an den steilsten Stellen des Nettle Hill Begleitung von Dennis, Schmid, Simon Yates und Hindley.

Vine gewann 21 Kilometer vor Schluss den Bergpreis und übernahm dank der dort ergatterten zehn Punkte die Führung in der Bergwertung. Das Quintett arbeitete nach der Kuppe gut zusammen - bis auf Yates, der erstmal nur mitrollte, mit Verweis auf seinen abgehängten Teamkollegen Matthews - und fuhr 20 Sekunden an Vorsprung heraus, bevor AG2R – Citroën im reduzierten Hauptfeld für Kapitän Ben O'Connor die Verfolgung organisierte. Matthews und auch der durch einen Sturz aufgehaltene Geraint Thomas (Ineos Grenadiers) saßen 15 Kilometer vor Schluss in einer abgehängten Gruppe eine weitere Minute hinter dem Hauptfeld.

Die Reaktion des Feldes kam zu spät

Zum nächsten Drama kam es zwölf Kilometer vor Schluss, als der bis dato Gesamtführende Bettiol plötzlich an einer Welle stoppte und seine beiden Oberschenkel mit der Faust bearbeitete. Der Italiener hatte so starke Krämpfe, dass er für mehr als eine Minute nicht weiterfahren konnte und sich von seinem Führungstrikot verabschieden musste.

Unterdessen bauten die fünf Spitzenreiter ihren Vorsprung gegenüber dem Hauptfeld um Ewan und dem Gesamtdritten Sheffield am letzten Hügel zehn Kilometer vor Schluss auf über 40 Sekunden aus, bevor AG2R-Helfer Dorian Godon im Hauptfeld endlich Unterstützung durch Ineos Grenadiers bekam. Der Abstand wurde nun zwar wieder kleiner, doch es schien zu spät.

Anfangs der flachen fünf Schlusskilometer standen noch immer 30 Sekunden auf der Uhr und die fünf Spitzenreiter konnten den Sieg nun unter sich ausmachen – vorausgesetzt, sie arbeiteten bis zum Schluss konsequent zusammen, was sie auch taten. Inzwischen war sogar auch Yates mit eingestiegen, weil klar wurde, dass die Gesamtwertung für Matthews ohnehin verloren war. 

Dann lancierte Hindley die erste Attacke um eine enge Kurve herum und riss ein Loch. Dennis schloss die Lücke und fuhr sofort am Giro-Sieger vorbei, um anschließend voll durchzuziehen und sich mit einigen Metern Vorsprung den Sieg zu sichern.

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