RSNplusMintzlaff: Langer Atem statt kurzfristigem Druck

Red Bull verleiht Langstreckenflügel für neuen Superrennstall

Von Tom Mustroph

Foto zu dem Text "Red Bull verleiht Langstreckenflügel für neuen Superrennstall"
Das Tour-Team von Red Bull - Bora - hansgrohe bei der Vorbereitung auf die 111. Frankreich-Rundfahrt. | Foto: Red Bull Content Pool

01.07.2024  |  (rsn) - Die ersten Tage der Tour de France sind auch eine Art Schaulaufen von Fahreragenten, Hauptsponsoren und Teameignern. Da mochte Oliver Mintzlaff, Geachäftsführer von Red Bull und in dieser Funktion auch Vertreter des Mehrheitseigners beim Rennstall Red Bull – Bora – hansgrohe keine Ausnahme machen. Er schien ganz angetan von dem, was er sah.

"Es ist ein tolles Sportereignis, eines der größten der Welt. Es hat ein großes Fan- und Medienaufkommen. Und wir sind natürlich sehr froh, dabei zu sein", meinte er am Teambus zu einer kleinen Gruppe von Reportern, darunter RSN. Im vergangenen Jahr besuchte Mintzlaff Bora-hansgrohe-Teamchef Ralph Denk und seinen Rennstall im Zentralmassiv am Tag nach der Puy-de-Dome-Etappe. Das erzählte Denk beim Launch des neuen Looks seiner Mannschaft am vergangenen Mittwoch in Salzburg.

Doch Mintzlaff und Red Bull sind schon länger involviert. Wout van Aert und Tom Pidcock fahren seit Jahren mit Red-Bull-Helmen und auch bei Bora – hansgrohe spielte man schon früher eine Rolle, über das gemeinsame Förderprogramm der "Junior Brothers", beispielsweise. ___STEADY_PAYWALL___

Mintzlaff will Denk sportlich nichts vorschreiben

"Wir sind ohnehin im Radsport verankert gewesen, hatten einige Topathleten unter Vertrag und sind auch zusammen den Weg mit Anton Palzer gegangen", spielte Mintzlaff auf den Skibergsteiger an, der bei Bora - hansgrohe zum Radprofi wurde.

Dass Palzer als Red Bull-Athlet nicht bei der Tour de France dabei ist, sondern parallel in Rumänien bei der Sibiu Tou an den Start gehen wird, darf man als Zeichen deuten, dass mögliche eigene Markeninteressen keinen übermäßigen Einfluss auf die sportlichen Entscheidungen haben.

Der Tour-Kader von Red Bull – Bora – hansgrohe kurz vor dem Abflug aus Salzburg nach Florenz am vergangenen Mittwoch. | Foto: Red Bull Content Pool

Mintzlaff betonte jedenfalls, dass Teamgründer Ralph Denk und dessen sportliche Leiter weiterhin für die sportlichen Aspekte verantwotlich seien. "Wir haben mit Ralph Denk natürlich den CEO, der hier verantwortlich ist und der das Team ja auch aufgebaut hat. Daher werden wir jetzt nicht sagen, das und das muss geändert werden. Sondern wir werden gemeinsam herausfinden, was es braucht, um den nächsten Schritt zu gehen und danach auch das mittel- und langfristige Ziel zu erreichen."

"Werden nicht sagen, in zwei, drei, vier, fünf Jahren muss der Tour-Sieg her"

Das besteht darin, wie auch Denk schon sagte, das 'beste Team der Welt' zu werden. Dazu gehört natürlich, das größte Rennen, das dieser Sport hat, zu gewinnen: die Tour de France. "Unser mittelfristiges Ziel ist es, hier zu gewinnen", bestätigte Mintzlaff denn auch inmitten des Fahrzeugsparks der Tour. Genaue Pläne, wann das erreicht werden soll, waren ihm allerdings nicht zu entlocken. "Wir werden nicht sagen, in zwei, drei, vier, fünf Jahren müssen wir die Tour gewonnen haben. Das haben wir noch nie gemacht, bei keiner Sportart, und das machen wir auch hier nicht", meinte er.

Also kein zusätzlicher Druck auf das Team. Eher zusätzliche Möglichkeiten. "Wir werden alles tun, um die besten Rahmenbedingungen und Möglichkeiten zu schaffen. Und dann glauben und hoffen wir, dass wir irgendwann die Tour gewinnen. Sport ist nur bedingt planbar. Und das ist auch gut so", so Mintzlaff weiter.

Nico Denz ist der einzige Deutsche für Red Bull – Bora – hansgrohe bei der Tour. | Foto: Cor Vos

"Um so eine Tour de France zu gewinnen, kann man zwar versuchen, alles zu optimieren und die besten Fahrer zu entwickeln, den besten Ernährungsplan zu machen, die besten Trainer und Sportdirektoren holen und die innovativsten Themen einbringen. Aber am Ende bleibt es dann auch immer noch ein Stück weit Sport. Es bleibt der Mensch, der dann die Leistung abliefern muss. Und hier bei der Tour handelt es sich ja um eine unfassbare Leistung, die die Athleten abliefern müssen", warb der Radsportneueinsteiger geradezu für die herrlichen Unwägbarkeiten dieses Sports.

"Wollen die Organisation hier nicht überrollen"

Natürlich sieht Red Bull die eigene Aufgabe auch darin, die Unwägbarkeiten zu reduzieren. Eine große Rolle sollen dabei die Athlete Performance Centers in Salzburg und Santa Monica spielen. "Dort können unsere Athleten trainieren und Reha machen. Sie bekommen dort Nutrition Support und mental Support", sagte Mintzlaff.

Wie genau die Radprofis und deren Coaches und Betreuer in das Red Bull-Universum eingegliedert werden, wollte Mintzlaff nicht verraten. Auch hier spielte er die Karte Geduld aus. "Wir wollen die Organisation hier auch nicht überrollen", bezog er sich auf den Rennstall, der vor genau zehn Jahren, damals noch als Team Netapp - Endura mit einem winzig kleinen Teambus seine erste Tour de France bestritt.

Primoz Roglic will den Tour-Sieg – oder zumindest aufs Podium bei der Großen Schleife. | Foto: Cor Vos

"Hier sind viele tolle Menschen, die auch schon Großartiges geleistet haben und die gilt es jetzt natürlich auch auf diese neue Reise mitzunehmen", nahm er sich vor. Die neue Ehe zwischen dem Brausehersteller und dem Radsportteam wirkt sehr harmonisch. Beide Seiten scheinen mitten im Honey Moon einer langfristig angelegten Beziehung. "Wer Red Bull kennt, weiß, dass wir natürlich einen langen Atem haben", meinte Mintzlaff.

Primoz Roglic kann all dem entnehmen, dass er diese Tour de France noch nicht gewinnen muss. Er darf sie natürlich gewinnen. Und weil der Slowene in seiner Karriere nicht mehr ganz so viel Zeit hat, hat er natürlich das größte Interesse, die langfristigen Pläne des neuen großen Players im Radsport vorfristig zu erfüllen.

Gleich auf der 4. Etappe am Col du Galibier kann er nach dem kleinen Zeitverlust vom Sonntag zeigen, wie weit er dabei ist, und wie weit ihn auch sein Team schon unterstützen und ihm Flügel verleihen kann.

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