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05.01.2025 | (rsn) – Vom Weißen Trikot der Weltcup-Gesamtführenden war nach dem längsten Cross der Saison nur noch wenig zu sehen, aber es war tatsächlich Lucinda Brand (Baloise – Glowi Lions), die nach 55:08 Minuten in Dendermonde als Siegerin über den Zielstrich fuhr. Im tiefen Matsch hatte die Niederländische Meisterin ihrer Landsfrau Puck Pieterse (Fenix – Deceuninck) 30 Sekunden Rückstand aufgebrummt.
Das Podium komplettierte Weltmeisterin Fem van Empel (Visma – Lease a Bike) vor Manon Bakker (Crelan – Corendon) und der Britin Zoe Bäckstedt (Canyon - SRAM), die als Fünfte die niederländische Phalanx durchbrach.
Brand absolvierte zuletzt zehn Rennen in 16 Tagen: Drei davon gewann sie, sechsmal wurde sie Zweite und in Zonhoven belegte sie den dritten Rang. Niemand war zum Jahresende aktiver und erfolgreicher als Brand. In allen drei Klassements der großen Cross-Serien geht die Niederländerin als Führende in die entscheidenden Wochen der Saison. Dementsprechend glücklich war die 35-Jährige. “Vielleicht sollten wir morgen gleich die WM fahren“, lachte Brand im Ziel-Interview nach ihrem 24. Podium bei genauso vielen Saisoneinsätzen. “Es ist absurd, die Trainingswissenschaft steht vor einem Rätsel“, fügte sie grinsend an, bevor sie auf das Rennen einging.
“Der Sieg fühlt sich richtig gut an. Aber das war auch das erste Mal, dass ich dachte: ‘Noch eine Runde, wirklich?!‘“, lachte die Siegerin. Die Jury hatte überraschenderweise am Ende des zweiten Umlaufs die Renndistanz auf sechs statt der erwarteten fünf Runden festgelegt.
Während Pieterse beim Laufen den besseren Eindruck hinterließ, war Brand auf den gerade noch befahrbaren Abschnitten die Stärkste. “Ich habe mich vor allem auf die ganz harten Stücke konzentriert, denn dort musste ich genug Tempo halten, um fahren zu können“, blickte die Frau im Weißen Trikot zurück. Ein Lob hatte Brand auch für die zahlreichen Zuschauer parat. “Ich weiß nicht, was die Menschen sich dabei denken, bei diesem schlechten Wetter hier her zu kommen. Aber es hilft wirklich ungemein, dass sie da sind und uns anfeuern.“
Pieterse klagte im Ziel über zwei, von den Kameras nicht eingefangenen Reifenschäden. “Zur Rennhälfte hatte ich Platten und so ist Lucinda mir weggefahren“, erklärte die 22-Jährige. “In der letzten Runde kämpfte ich mit Fem. Als ich vom Matsch auf die Zielgerade einbog, platzte mein Vorderreifen. Ich musste im Sattel sprinten und habe nach dem Finish erst gesehen, dass Fem auch einen Platten hatte. Das war also ein Kampf mit gleichen Waffen“, grinste Pieterse.
Die gleichaltrige van Empel präsentierte sich wie schon in Koksijde nicht in Bestform. “Ich weiß nicht, was passiert ist. Mein Start war gut, aber dann geriet mein Körper irgendwie in einen Schockzustand. Die letzten Tage hatte ich mich schon nicht gut gefühlt“, erläuterte die Weltmeisterin, die ankündigte, im Gegensatz zu Pieterse die Nationale Meisterschaft nicht zu bestreiten.
Einzige Deutsche am Start war Kaija Budde (Peter Pane – Nagel). Die 18-Jährige zeigte vor allem in der Anfangsphase eine starke Leistung – in Runde zwei war sie zeitweise als 26. unterwegs. Anschließend schien sie ihrem Tempo aber Tribut zollen zu müssen, denn Budde wurde um 22 Sekunden langsamer und fiel bis Rang 34 zurück. Weniger später machte sie allerdings wieder Boden auf ihre direkten Konkurrentinnen gut, fuhr ihre beste Rundenzeit und nahm erneut Position 26 ein. Am Ende der fünften Runde, die dann wieder 31 Sekunden langsamer war als jene zuvor, wurde Budde aus dem Rennen genommen und als 29. von 56 gestarteten Fahrerinnen gewertet. Damit verbesserte sie ihr bisher bestes Weltcupergebnis um gleich 18 Positionen.
Nach acht von elf Weltcups liegt Brand weiter in Führung. Ihr Vorsprung auf die zweitplatzierte van Empel, beträgt 61 Punkte. Der nächste Lauf der Serie findet am 19. Januar im spanischen Benidorm statt.
Nicht Schnellstarterin Marie Schreiber (SD Worx – Protime), sondern Leonie Bentveld (Pauwels Sauzen – Cibel) bog als Erste ins Gelände ein. Die diesmal sehr gut gestartete Brand übernahm aber schon auf den ersten schweren Metern die Führung. Auf dem tiefen Parcours spielte der Windschatten keine Rolle, das Feld riss dann auch sofort auseinander.
Brand fuhr allen davon, wurde aber von Pieterse auf einer besser befahrbaren Passage wieder eingeholt. Rennintelligenz bewies Bäckstedt, die früh in die Materialzone einbog, die deutlich besser befahrbar war der parallel verlaufende Parcours. So kam die Britin ebenfalls an Spitze heran, mit der sie acht Sekunden vor Bakker und derer 18 vor fünf weiteren Verfolgerinnen um Ceylin del Carmen Alvarado (Fenix – Deceuninck) und van Empel die erste Zielpassage erreichte.
Bakker kam in der zweiten von sechs Runden an das Spitzentrio heran, das im Matsch allerdings auseinandergefallen war. Am besten durch kämpfte sich Pieterse, die 15 Sekunden vor Bäckstedt und Brand zur nächsten Zielpassage kam. Hinter der wieder zurückgefallenen Bakker hatte sich van Empel auf Platz fünf verbessert. Alvarado lag als Achte und bereits eine Minute hinten.
In Runde drei drehte Brand auf. Während Bäckstedt von Bakker und van Empel eingeholt wurde, fuhr und lief sie bis auf fünf Sekunden an die Spitzenreiterin heran. Die sah ihre Kontrahentin, beschleunigte und baute ihren Vorsprung weiter aus, doch mit einem gelungenen Radwechsel schloss sie zu ihrer Landsfrau auf. Gemeinsam nahmen sie nach 27:21 Minuten die zweite Rennhälfte in Angriff. 30 Sekunden dahinter folgten van Empel, Bakker und Bäckstedt. Alvarado dagegen gab das Rennen auf.
Nun erhöhte Brand erneut die Schlagzahl und Pieterse konnte der Weltcup-Führenden nicht folgen. Noch schneller war jetzt aber van Empel, die innerhalb einer halben Runde zehn Sekunden auf die Spitzenreiterin und sogar derer 22 auf Pieterse gutmachte. Anschließend ließ sie aber wieder nach und lag eingangs der vorletzten Runde 24 Sekunden hinter Brand und neun hinter Pieterse.
Kurz darauf schaffte van Empel den Anschluss an Pieterse, das Duo nahm dann 28 Sekunden hinter Brand die letzte Runde in Angriff. Im Übergang vom Matsch auf die Zielgerade war van Empel aber durch einen platten Hinterreifen aus dem Tritt gebracht worden, wodurch Pieterse der Weltmeisterin kurz danach wegfuhr und bis zum Radwechsel zehn Sekunden zwischen sich und ihre Kontrahentin legte. Zwar konnte van Empel ihren Rückstand danach durch den “Bäckstedt-Wechseltrick“ nochmals verkürzen. Letztlich kam sie aber nicht mehr näher an Pieterse heran und wurde schließlich mit einem weiteren Plattfuß hinter ihren Landsfrauen Dritte.
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