Alpecin-Manager Roodhoft spricht von “Rennunfall“

Philipsens Tour-Aus öffnet Kampf um Grün

Von Jan Zesewitz

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Jasper Philipsen (Alpecin - Deceuninck) musste im Grünen Trikot aufgeben. | Foto: Cor Vos

07.07.2025  |  (rsn) – Das Grüne Trikot hing zerfetzt an Jasper Philipsen (Alpecin – Deceuninck), während er am Straßenrand lag. Schnell war klar: Die Tour de France (2.UWT) ist für den belgischen Top-Sprinter gelaufen. Eine Diagnose stand kurz nach Rennende noch nicht fest: “Wir wissen zum jetzigen Zeitpunkt nicht viel. Er ist ins Krankenhaus gebracht worden für weitere Untersuchungen. Fakt ist, dass er jetzt raus ist”, sagte der sportliche Leiter Philip Roodthoft gegenüber radsport-news.com. An anderer Stelle spekulierte er über einen Schlüsselbeinbruch oder einen Schulterbruch. Als erstes bestätigte Wielerflits, dass es sich um das Schlüsselbein handeln soll.

Für das Team liegen Freud und Leid eng beieinander. Die belgische Equipe war der große Gewinner der ersten beiden Tage: Philipsen gewann die 1. Etappe in Lille und sicherte sich das erste Maillot Jaune, in Boulogne-sur-Mer übernahm Teamkollege Mathieu van der Poel mit Etappenerfolg und dem Gelben Trikot. Alpecin muss damit wohl auch die Zielsetzungen in den kommenden drei Wochen anpassen. Neben van der Poels prominenter Rolle im Team waren Etappensiege und das Grüne Trikot auch ein Ziel für Philipsen.

Ein offener Kampf um Grün?

Nun muss die Equipe umplanen. “Das Ergebnis der heutigen Etappe ist irrelevant. Wir werden danach sehen, wie es bei uns weitergeht”, sagte Roodthoft. Mit Kaden Groves hat das Team einen zweiten Sprinter in den eigenen Reihen, der auf den Flachetappen nun in den Genuss von van der Poels Anfahrkünsten kommen könnte. Im Chaos-Sprint von Dünkirchen wurde er Siebter.

Denkbar ist auch, dass der Superstar selbst noch mehr auf Punktejagd geht. Da es wohl nur wenige echte Massensprints geben wird, hätte er eine Chance auf das Grüne Trikot in Paris. Diese Gedankenspiele zeigen: Abgesehen vom bitteren persönlichen Los für Philipsen sorgt sein Ausfall für Spannung im Kampf um die Punktewertung.

Milan “erbte” das Jersey nach Platz zwei im Sprint. Mit 81 Punkten liegt er vier vor Vorjahressieger Biniam Girmay (Intermarché – Wanty), 18 vor Etappensieger Tim Merlier (Soudal – Quick-Step) und 31 vor van der Poel. Eine frühe Momentaufnahme, aber: Das nächste Duell der reinen Sprinter gibt es wohl erst wieder am Ende der 8. Etappe nach Laval.

Philipsens Sturz ein “Rennunfall”

Der offene Kampf erinnert an 2017. In den vergangenen Jahren war das Grüne Trikot lange vor Paris entschieden, auch wenn Philipsen an Girmay noch ein wenig heranrobbte, bis die Berge kamen. Vor acht Jahren musste die Tour 2,5 Wochen ohne Topfavorit Peter Sagan auskommen, der nach seinem Kopfstoß gegen Mark Cavendish disqualifiziert wurde.

Lange sah dann der beste „reine“ Sprinter wie der sichere Sieger aus, aber auch Marcel Kittel musste wenige Tage vor Paris im Grünen Trikot nach einem Sturz aufgeben – bis zur 3. Etappe 2025 war er der letzte Fahrer der im Maillot Vert das Rennen vorzeitig beendete. So war Michael Matthews am Ende der lachende Dritte. Philipsen war nicht ein so großer Favorit auf das Trikot wie es Sagan war, aber seine jetzige Abwesenheit als einer der absoluten Topsprinter verändert die Dynamik im Punktekampf – und einige Fahrer mehr dürften sich Chancen ausrechnen.

Für Alpecin – Deceuninck schrumpfen diese Chancen auf wenigere Fahrer. Die Stimmung bei der belgischen Equipe war nach dem Hoch der ersten beiden Tage entsprechend gedämpft. Roodthoft ließ sich trotzdem nicht zu einer Anklage hinreißen: “Die Schuldfrage ist im Moment nicht wichtig. Jeder hat die Bilder gesehen, die beiden anderen Fahrer haben sich touchiert und Jasper war unbeteiligt und ist schwer gestürzt. Es sah nach einem Rennunfall aus, sowas kann passieren, ich bin kein Kommissar.”

Seine Fähigkeiten als sportlicher Leiter sind in den kommenden Tagen umso mehr gefragt.

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