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10.12.2025 | (rsn) - Marius Mayrhofer (Tudor) zauderte ein wenig, wie er sein viertes Profijahr einordnen sollte. Es hielt nach der durch Stürzen gekennzeichneten Saison 2024 einen Sieg bereit, endlich mal wieder. Bei der Abschlussetappe der dreitägigen Rundfahrt Boucles de la Mayenne konnte er erstmals seit rund zweieinhalb Jahren wieder die Arme hochreißen.
“Das war ganz sicher ein Highlight“, blickte Mayrhofer nun gegenüber RSN auf seinen Solosieg auf der Schlussetappe zurück. Der war eine große Erleichterung. Schon auf der 1. Etappe stand er kurz vor einem Erfolg, ärgerte sich danach aber über einen taktischen Fehler im Finale.
Vor allem aber wollte der gebürtige Tübinger nach einem durch Krankheiten verkorksten Frühjahr beweisen, dass er noch immer ein guter Rennfahrer mit Potenzial ist. “Es war mit Krankheit sicher ein schwerer Start in die Saison und dann lief es bei den Klassikern auch nicht so gut“, fasste er die ersten Monate zusammen. ___STEADY_PAYWALL___
Im Juni kam ihm allerdings auch der Zufall zu Hilfe. “In der Ausreißergruppe landete ich eher aus Versehen. Ich wollte mich eigentlich auf den Sprint konzentrieren, dann ging die Gruppe aber schon nach dem Bonussprint, und ich war mittendrin“, schilderte Mayrhofer später die Situation. Er fuhr mit und nahm auf den Stadtrunden durch Laval sein Schicksal dann in die eigenen Hände und ließ seine Begleiter stehen. “Als wir auf den Stadtkurs kamen, merkte ich, dass sie am Limit waren, und ich dachte mir, dass es schwer mit ihnen würde, bis zum Ziel durchzukommen. Also entschied ich mich für eine harte Attacke am Anstieg.“
Auf der 2. Etappe der Deutschland Tour belegte Marius Mayrhofer (Tudor) den vierten Platz. | Foto: Cor Vos
Das klappte dann. Mayrhofer hielt bis zur weißen Linie das Peloton mit dem heranbrausenden Tour de France-Etappensieger Biniam Girmay (Intermarché – Wanty) in Schach. Beinahe wäre ihm bei der Deutschland Tour eine Wiederholung geglückt. Auf der 2. Etappe nach Arnsberg setzte er sich vom Hauptfeld ab und jagte etwa acht Kilometer hinter drei anderen Ausreißern her. “Die Beine waren da, um in dieser Dreiergruppe dabei zu sein. Im Sprint hätte dann alles passieren können“, schätzte Mayrhofer damals gegenüber RSN ein. Er kam aber nicht mehr heran.
All das passt ins Muster seines Jahres 2025. “Es war eine Saison mit Höhen und Tiefen“, bilanzierte er. Bei den eher seltenen Höhen zeichnet sich ebenfalls ein Muster ab. Mayrhofer fuhr dann vorn in die Ergebnisränge rein, wenn er sich aus dem Hauptfeld herauswagte.
Auch bei der WM von Kigali, zu der er nachnominiert wurde, setzte er auf diese Karte und zeigte sich früh in einer Ausreißergruppe. “Aufgrund des Höhenprofils gab es nicht wirklich eine Chance, mit den Favoriten auch nur annähernd mitzuhalten. Deswegen habe ich da eben mein Glück in der Flucht versucht“, begründete der 25-Jährige diesen Versuch. Eine neue Karriere als Fluchtgruppenkönig peilt Mayrhofer trotz dieser positiven Tendenz nicht an. “Ich denke nicht, dass es zwangsläufig eine Strategie werden muss“, beschied er RSN.
Bei der Straßen-WM von Kigali/Ruanda beeindruckte Mayrhofer als Ausreißer. | Foto: Cor Vos
Zu den Höhepunkten seiner Saison zählte er neben dem Sieg und der WM-Teilnahme auch sein Debüt bei der Tour de France. Die begann auch durchaus erfolgversprechend, mit Platz neun auf der 1. Etappe. Gemeinsam mit seinen Tudor-Teamkollegen Marco Haller und Matteo Trentin war er bei Seitenwind gut positioniert und schaffte mit ihnen den Sprung in die vordere Staffel. Und wenn er seinen nominellen Anfahrer Trentin nicht im Finale verloren hätte, wäre wohl noch mehr drin gewesen.
Dass ein erfahrener und hochdekorierter Mann wie Trentin, unter anderem Europameister, Vizeweltmeister und dreimaliger Tour-Etappensieger, in der Vorbereiterrolle für Mayrhofer eingesetzt wird, zeigt den Stellenwert an, den der Deutsche bei Etappen mit schwierigerem Profil und Windkantenoptionen bei seinem Schweizer Rennstall genießt. Mayrhofer selbst sieht in solchen Etappen, vor allem aber in den Frühjahrsklassikern die Rennen, in denen er selbst glänzen kann. Die Kopfsteinpflasterklassiker sind sein erklärtes Ziel auch für die Saison 2026, “ganz besonders Paris-Roubaix“, präzisierte er.
Erste Voraussetzung dafür ist, mal ohne Krankheiten und Stürze durch die Vorbereitung zu kommen. Auf Ergebnisse im Frühjahr wollte sich Mayrhofer nicht festnageln lassen. “Ich möchte einfach wieder einen weiteren Schritt in der Entwicklung gehen, dadurch hoffentlich zu besseren Leistungen zu kommen, die sich dann auch in bessere Ergebnisse ummünzen lassen“, meinte er.
Auf dem Kopfsteinpflaster der Frühjahrsklassiker fühlt sich Mayrhofer besonders wohl, hier bei Le Samyn 2025 | Foto: Cor Vos
Die Trainingsfahrten in dieser Saisonphase dienen Mayrhofer nicht nur zur athletischen Verbesserung, sondern auch zur mentalen Erholung. “Am besten kann ich abschalten, wenn ich Trainingsfahrten mache und dabei Musik oder Podcast höre“, erzählte er. Das Entspannungsprogramm zu Hause ist dann auf der Couch sitzen, den Fernseher einschalten und chillen.
Vielleicht kann Mayrhofer im Winter im TV einige Radsporthöhepunkte sehen, bei denen er eine Hauptrolle gespielt hat. In der nicht übermäßig stark besetzten deutschen Profiszene ist der sprintstarke Allrounder mit dem Faible für das Kopfsteinpflaster einer der aussichtsreichsten Kandidaten für das Frühjahr.
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