RSNplusWorldTeams 2026: Movistar

“2.0-Version von Cian“: Uijtdebroeks an die Spitze bringen

Von Felix Mattis

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Die Aufgebote des spanischen Movistar-Rennstalls | Foto: Movistar Team

20.01.2026  |  (rsn) – Der älteste Rennstall im WorldTour-Zirkus ist das spanische Team Movistar: Seine Wurzeln reichen bis in die 1970er Jahre zurück, als man unter dem Namen 'Reynolds' begann. In den 1990er Jahren wurde daraus Banesto, in den 2000ern Caisse d'Epargne und 2011 schließlich Movistar. Auch das ist einzigartig: Kein anderes Team hat seit Einführung der WorldTour, ebenfalls 2011, seinen Namen behalten.

Eine große Konstante hinter all dieser Beständigkeit ist auch der Teamchef: Eusebio Unzue heuerte bereits in den 70ern beim damals noch auf Nachwuchs konzentrierten Reynolds-Team an und arbeitete sich nach oben, bis er 2008 mit seiner Firma Abarca Sports zum Teameigner wurde. Ende Februar wird der Spanier 71 Jahre alt und er steht dem Rennstall noch immer voran. Doch die Zügel hält inzwischen von Jahr zu Jahr mehr sein ältester Sohn Sebastian Unzue in der Hand, der zunächst das Frauenteam leitete und seit diesem Winter nun auch offiziell Sportchef des Gesamt-Rennstalls ist.

Der Generationswechsel an der Teamspitze steht auch symbolisch für eine Modernisierung des Teams, die in den letzten Jahren angestoßen wurde. Denn auch wenn Movistar in der Szene eher als traditionell gilt und nicht so sehr als Innovationstreiber wie in den 2010er Jahren Sky oder zuletzt Visma, so betonte Sebastian Unzue bei der Teampräsentation im Dezember gegenüber radsport-news.com: ___STEADY_PAYWALL___

Die Vuelta a Espana ist auch 2026 wieder ein großes Ziel für das Movistar Team. | Foto: Cor Vos

"Wir wollen die Entwicklung fortsetzen, die wir in den letzten fünf, sechs Jahren angestoßen haben – wollen ein Team sein, zu dem man in Sachen Innovation, wissenschaftlichem Ansatz und auch Rennphilosophie aufschaut. Gleichzeitig aber sind uns unsere traditionellen Werte, das Familiäre, sehr wichtig. So wie sich der Radsport momentan entwickelt, was er von Fahrern und auch deren privatem Umfeld fordert, werden die Karrieren immer kürzer werden. Deshalb ist uns dieser menschliche Ansatz wichtig, denn ich glaube nur so kann man Fahrer glücklich und motiviert halten."

In seiner Geschichte stand das Movistar-Team unter verschiedenen Namen bereits überall im Radsport: Ganz oben auf Grand-Tour-Podien, bei Monumenten und in Weltranglisten, aber vor einigen Jahren kämpfte man auch gegen den Abstieg aus der WorldTour. "Wir haben die Erfahrung schon gemacht, wie es ist, wenn man im ersten Jahr des Dreijahreszyklus' schlecht ist. Dann hat man danach zwei Jahre umso mehr Druck. Dahin wollen wir nicht zurückfallen", so Unzue zur Bedeutung der Saison 2026, die einen neuen Zyklus in Sachen WorldTour-Zugehörigkeit bei der UCI anstößt.

Dennoch wolle man sich nicht besessen aufs Punktesammeln konzentrieren, wie es etwa XDS – Astana 2025 tat. "Die Ergebnisse werden kommen, wenn wir in unserer täglichen Arbeit die Dinge richtig machen und uns auf die Weiterentwicklung des Teams konzentrieren", meinte der 34-Jährige. Für die langfristige Entwicklung hat man nun 2026 auch erstmals ein Development-Team aufgestellt, die Movistar Team Academy.

Auch Routinier Nairo Quintana absolviert noch eine weitere Saison im Movistar-Trikot. | Foto: Cor Vos

Was die Fahrer betrifft, liegt der Fokus bei den Movistar-Männern nach wie vor auf dem Heimatland: 14 von 27 Profis im WorldTour-Kader sind Spanier, gefolgt von drei Italienern und drei Kolumbianern. Doch neben Enric Mas, Javier Romo, dem Spanischen Meister Ivan Romeo und den Kolumbianern Nairo Quintana und Einer Rubio soll nun auch ein Belgier zum großen Aushängeschild des Teams werden: Cian Uijtdebroeks.

Sportlich stehen bei Movistar traditionell die bergigen Rennen im Fokus. Zwar hatte man immer wieder auch einige Sprinter an Bord, doch wirklich erfolgreich war man mit ihnen nie – so ist auch Fernando Gaviria nun im Winter abgewandert. Der endschnellste Mann im Team ist wohl der Venezolaner Orluis Aular, der aber auch kein Flachland-Sprinter ist, sondern eher einer für hügelige Tage und ansteigende Zielgeraden.

Übrigens hat das seit 2015 von Canyon ausgerüstete Movistar-Team seit 2014 immer mindestens einen deutschsprachigen Fahrer in seinen Reihen und das bleibt auch 2026 so: Zwar hat sich Gregor Mühlberger in Richtung Decathlon verabschiedet, doch der 2025 neu dazu gekommene Michel Heßmann bleibt im Kader. Der 24-Jährige könnte zu einem immer wichtigeren Helfer für Mas, Uijtdebroeks & Co. bei den großen Rundfahrten werden.

Michel Heßmann ist auch 2026 der einzige Deutsche im Movistar-Kader. | Foto: Cor Vos

Der Top-Transfer: Cian Uijtdebroeks

Nach dem Abschied im Streit von Bora – hansgrohe und zwei auch nur auf niedrigerem Level erfolgreichen Jahren bei Visma – Lease a Bike kommt Cian Uijtdebroeks zu Movistar, weil er bei den Niederländern nicht die erhofften Leaderrollen bei größeren Rennen bekommen hat. Noch immer erst 22 Jahre alt, gilt der Belgier nach wie vor als ein außergewöhnliches Talent und möglicher Grand-Tour-Gewinner der Zukunft – allerdings haben seine ersten Profijahre an diesem Image gekratzt und Uijtdebroeks muss sich nun beweisen: Kommt er auch bei Movistar nicht zurecht, könnte seine Karriere versanden.

"Das Entscheidende ist: Er ist gut bei uns angekommen und scheint sich wohlzufühlen. Ich habe im Teamcamp einen glücklichen Fahrer gesehen, und in meinen Augen ist ein glücklicher Fahrer in 99 Prozent der Fälle auch ein gut performender Fahrer", erklärte Unzue RSN im Dezember und erzählte, dass er schon 2020 erstmals mit dem Belgier in Kontakt war und ihn immer zu Movistar lotsen wollte. Das Umfeld dort sei das richtige für den 22-Jährigen, meinte er.

Gelingt Neuzugang Cian Uijtdebroeks der Durchbruch als Grand-Tour-Fahrer? | Foto: Cor Vos

"Ich hoffe, dass wir die 2.0-Version von Cian dieses Jahr sehen werden", so Unzue. "Ein Teil ist, dass er die Verantwortung vom ganzen Team zu spüren bekommt und als Leader geschätzt wird." Deshalb werde man Uijtdebroeks im Frühjahr zu mehreren einwöchigen Rundfahrten schicken, damit er die Rolle mehr und mehr annehmen kann – bevor der Belgier dann der Kapitän des Teams im Juli bei der Tour de France sein soll. "Dort kann er sicher in die Top Ten fahren und vielleicht kann auch das Weiße Trikot ein schönes Ziel sein."

Im Fokus: Enric Mas

Sein Vertrag wurde unlängst bis Ende 2029 verlängert und beim Movistar-Team glaubt man nach wie vor an die großen Fähigkeiten des 31-jährigen Enric Mas – und sicher nicht zu Unrecht: Drei Mal war er schon Zweiter der Vuelta a Espana, 2024 Dritter. Dem gegenüber stehen aber drei vorzeitige Aufgaben bei den letzten vier Frankreich-Rundfahrten, zuletzt im vergangenen Sommer. Seitdem hat Mas schwere Monate hinter sich, musste sich lange vom Fahrrad fernhalten. Eine Thrombophlebitis im linken Bein setzte den Spanier außer Gefecht.

Enric Mas (Movistar) laborierte an einer Thrombophlebitis im linken Bein – 2026 soll der Spanier sein Giro-Debüt geben. | Foto: Cor Vos

"Wir müssen sehen, wie es mit seiner Verletzung weitergeht. Es wird lange dauern und ist nur logisch, dass er Zeit braucht", erklärte Unzue im Dezember. Da hatte Mas gerade erst wieder zaghaft mit dem Training begonnen. "Aber die Zeichen sind gut, dass er wieder auf sein bestes Level kommen kann und wenn alles gut verläuft vielleicht sogar schon beim Giro um die Top 5 oder das Podium kämpfen kann", sagte der Sportchef und bestätigte damit, dass Mas im Mai erstmals an der Italien-Rundfahrt teilnehmen soll. 

Das größte Saisonziel aber ist diesmal die Vuelta: "Jeder weiß, dass das sein Rennen ist. Er ist immer in der zweiten Grand Tour stärker als in der ersten. Dort werden wir umso ambitionierter sein und in jedem Fall aufs Podium zielen."

Das Aufgebot:

Roger Adrià (Spanien / 27), Jorge Arcas (Spanien / 33), Orluis Aular (Venezuela / 29), Jon Barrenetxea (Spanien / 25), Carlos Canal (Spanien / 24), Pablo Castrillo (Spanien / 25), Jefferson Cepeda (Ecuador / 29), Davide Formolo (Italien / 33), Iván García Cortina (Spanien / 30), Raúl García Pierna (Spanien / 24), Michel Heßmann (Deutschland / 24), Juan Pedro López (Spanien / 28), Enric Mas (Spanien / 31), Lorenzo Milesi (Italien / 23), Manlio Moro (Italien / 23), Pavel Novák (Tschechien / 21), Nelson Oliveira (Portugal / 36), Diego Pescador (Kolumbien / 21), Nairo Quintana (Kolumbien / 35), Iván Romeo (Spanien / 22), Javier Romo (Spanien / 27), Einer Rubio (Kolumbien / 27), Pelayo Sánchez (Spanien / 25), Gonzalo Serrano (Spanien / 31), Natnael Tesfatsion (Eritrea / 26), Albert Torres (Spanien / 35), Cian Uijtdebroeks (Belgien / 22)

Davon Neuzugänge:

Roger Adria (Red Bull – Bora – hansgrohe), Raul Garcia Pierna (Arkéa – B&B Hotels), Juan Pedro Lopez (Lidl – Trek), Pavel Novak (MBH Bank Ballan CSB), Cian Uijtdebroeks (Visma – Lease a Bike)

Teamleitung:
Manager: Sebastian Unzue
Sportdirektor: José Vicente Garcia
Sportliche Leiter: Alexis Gandia, Ivan Velasco, José Joaquin Rojas, Juan Carlos Escamez, Jürgen Roelandts, Leonardo Piepoli, Matthew White, Maximilian Sciandri, Pablo Lastras, Xabier Muriel

Material:
Rahmenhersteller: Canyon
Gruppe: SRAM
Laufräder: Zipp
Reifen: Continental
Trikot: Gobik
Helm: Abus

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