RSNplusMit ausschließlich guten Erinnerungen zurück in Australien

Teutenberg kann als Prolog-Achter sogar aufs Führungstrikot schielen

Von Felix Mattis

Foto zu dem Text "Teutenberg kann als Prolog-Achter sogar aufs Führungstrikot schielen"
Tim Torn Teutenberg bei der Tour Down Under 2025 - seinem ersten WorldTour-Rennen. | Foto: Cor Vos

20.01.2026  |  (rsn) – Für Tim Torn Teutenberg hat die Tour Down Under (2.UWT) 2026 beim Prolog in Adelaide begonnen, wie sie 2025 im Sprint auf der Schlussetappe in Adelaide zu Ende gegangen ist: mit Platz acht. Der 23-Jährige war auf dem 3,6 Kilometer langen, flachen Kurs, den die Profis auf Straßen- statt Zeitfahrrädern zu absolvieren hatten, 4,57 Sekunden langsamer als Auftaktsieger Samuel Watson (Ineos Grenadiers) und war damit sowohl bester Deutscher als auch der Schnellste in seinem Team Lidl – Trek.

"Ich bin happy: WorldTour-Top-10 in einem Prolog, das ist ein gutes Ergebnis und ich war ja auch nicht weit weg vom Podium. Das war eine solide Leistung", sagte Teutenberg nach dem Rennen zu radsport-news.com und hatte offensichtlich Spaß: "Ich weiß, dass ich auf jeden Fall noch einiges rausholen kann und hoffe, dass es in näherer Zukunft nochmal so einen Prolog gibt. Da habe ich heute nochmal ein bisschen mehr Gefallen dran gefunden."

In noch näherer Zukunft als das nächste Kurz-Zeitfahren auf seinem Programm stehen könnte, warten ab Mittwoch aber erstmal die fünf Massenstartetappen der Tour Down Under. Und gleich auf der ersten davon könnte Teutenberg schon wieder ein Wort um die Spitzenplatzierungen mitreden.

Denn das eher flache Teilstück rund um Tanunda, wo er im Vorjahr bereits Etappenvierter war, ist jenes in dieser Woche, das am meisten nach einem Massensprint aussieht – dazu möglicherweise noch Etappe 3 am Freitag, und aus einem arg reduzierten Feld heraus eventuell auch die Schlussetappe in Stirling. Allerdings muss man da dann auch erstmal vorne dabeibleiben. Realistischer erscheinen zwei Sprintchancen für Teutenberg in den nächsten fünf Tagen. ___STEADY_PAYWALL___

Prologe liegen ihm: Tim Torn Teutenberg auf dem Weg zu Platz 8 auch im Auftaktzeitfahren der NIBC Tour of Holland im vergangenen Jahr. | Foto: Cor Vos

"Nach heute habe ich für morgen erstmal ein gutes Gefühl. Die Form stimmt schon. Ein Prolog ist natürlich etwas anderes, als ein Sprintfinale, aber an sich bin ich optimistisch, dass ich gute Ergebnisse fahren kann", sagte er RSN. "Der Unterschied zwischen Platz 3 und 10 ist meistens recht gering. Aber Top 10 sollte auf jeden Fall immer das Ziel sein im Sprint."

Enge Sprinter-Konkurrenz bei der Tour Down Under

Teutenbergs Konkurrenz in den kommenden Tagen ist groß. Fast jedes Team hat zumindest einen Sprinter dabei und viele sind auf ähnlichem Niveau. Die ganz großen Sprintstars wie Jasper Philipsen, Tim Merlier oder Jonathan Milan fehlen und aus der Masse heraus stechen vor allem Matthew Brennan (Visma – Lease a Bike) und, wenn er in der Form der letzten zwei Jahre bei seinem Heimrennen ist, auch Sam Welsford (Ineos Grenadiers).

"Sam Welsford ist der Mann, den es zu schlagen gilt, wenn er so performt, wie die letzten zwei Jahre. Der war hier immer megagut – Mr. Januar", schätzte Teutenberg die Konkurrenz ein. "Ansonsten ist NSN mit einer guten Leadout-Gruppe hier und mit Ethan Vernon als Sprinter." Der Deutsche selbst hat keinen richtigen Sprintzug an seiner Seite und wird eher freier agieren müssen, was ihm aber auch gut liegt.

2025 sprintete Teutenberg nach der Tour Down Under beim Surf Coast Classic sogar aufs Podium: Platz 3. | Foto: Cor Vos

Besonders interessant wird es am Mittwoch für Teutenberg aber nicht nur wegen des Etappenergebnisses an sich, sondern auch aufgrund der engen Abstände in der Gesamtwertung. Fünf Sekunden fehlen ihm zum Ockerfarbenen Führungstrikot. Das ist möglicherweise sogar durch Zeitbonifikationen von den zwei Zwischensprints und im Etappenziel aufholbar. "Es gibt einen frühen Zwischensprint und vielleicht ergibt sich ja die Möglichkeit, da ein paar günstige Sekunden mitzunehmen. Und wenn man einen guten Zielsprint fährt, kann sich auch da natürlich ergeben, dass man ins Führungstrikot rutscht", überlegte er. "Das wäre natürlich ein Traumszenario, ein Führungstrikot in einem WorldTour-Rennen anzuziehen!"

Mit Kindheitserinnerungen gerne besonders früh angereist

Die Tour Down Under ist für Teutenberg auch nicht irgendein WorldTour-Rennen, sondern ein spezielles. Da er schon als Kind häufiger in Australien war und seine Familie Freunde in Bendigo etwas nördlich von Melbourne hat, fühlt sich der 23-Jährige auf dem fünften Kontinent sehr wohl. "Ich habe aus meiner Kindheit nur gute Erinnerungen an Australien und die Leute sind alle freundlich und entspannt. Ich kann mir wirklich vorstellen, jedes Jahr hier in die Saison zu starten – einfach weil der Vibe entspannt ist, während sonst heutzutage bei den Rennen ja viel sehr ernst ist", meinte er.

Wie schon im vergangenen Jahr vor seinem WorldTour-Debüt an selber Stelle, so ist Teutenberg auch diesmal wieder mit mehr Vorlauf angereist, als die meisten anderen Europäer. Bereits am 5. Januar ging sein Flieger, eine Woche vor dem des restlichen Teams. Teutenberg verbrachte die ersten Tage in Bendigo, bei eben jenen Freunden der Familie.

Führungstrikot? Naja, so halb: Teutenberg im Leibchen des besten Nachwuchsfahrers bei der Baloise Belgium Tour 2025. | Foto: Cor Vos

"Es ist immer schön, dort wieder hinzukommen und Erinnerungen aufleben zu lassen. Und als Vorbereitung für die Tour Down Under ist das natürlich optimal, weil ich so natürlich noch besser angepasst bin", so Teutenberg. Mit dem Jetlag habe er zwar ohnehin selten Probleme, aber gerade auch die Hitzeanpassung aus dem kalten Mitteleuropa ist im australischen Sommer eben besonders hart. Als der Kölner diesmal ankam, hatte es drei Tage mehr als 40 Grad. "Das war ein bisschen ein Systemschock, aber danach war ich dann auch angepasst. Das hat mir fürs Rennen sicher auch geholfen, das schon deutlich vor Rennstart hinter mir zu haben."

Schon 2025 ging es über Australien zur Bahn-EM

Doch nicht nur die Kindheitserinnerungen ließen Teutenberg in diesem Jahr gern zur Tour Down Under zurückkommen, auch die ans Vorjahr. Denn 2025 bestritt er hier nicht nur seine erste WorldTour-Rundfahrt und sprintete dabei gleich zwei Mal auf Rang vier, sondern Australien war damals auch Bestandteil seiner Vorbereitung auf die Bahn-EM Mitte Februar, bei der er Gold in der Elimination und im Omnium sowie Silber im Madison gewann. "Das hat letztes Jahr sehr gut funktioniert und ich denke es war mein bester Bahn-Wettkampf jemals", blickte Teutenberg nun zurück.

2025 gewann Teutenberg bei der Bahn-EM unter anderem Gold im Ausscheidungsfahren. | Foto: Cor Vos

2025 fand die Bahn-EM Mitte Februar statt, diesmal schon zehn Tage früher, Anfang Februar. "Es ist natürlich ein etwas strammes Programm mit dem Flug direkt in die Türkei und direkt die EM zu fahren, aber das ist schon verkraftbar. Roger (Kluge) ist ja auch mal von der UAE Tour direkt zur Bahn-WM gereist und direkt am Tag danach Madison-Weltmeister geworden", so Teutenberg. Vom Ende der Tour Down Under bis zum Beginn der Bahn-EM sind es dagegen doch komfortable sieben Tage. Einzig das Cadel Evans Great Ocean Road Race in Geelong bei Melbourne wird Teutenberg in diesem Jahr nicht mehr bestreiten können, da das am selben Tag stattfindet, wie die Bahn-EM-Eröffnung und Teutenbergs Elimination-Titelverteidigung.

Australien für die Bahn-EM, Bahn-EM für die Klassiker-Kampagne

Ist Australien also voll als Vorbereitungsrennen für die Bahn geplant? "Es ist schon ein Ziel, hier auch gute Ergebnisse einzufahren. Heutzutage gibt es das ja eigentlich nicht mehr, dass man Rennen nur zum Training fährt. Aber es hat hier natürlich auch einen positiven Effekt für die Bahn-EM – eine gewisse Rennhärte, die die meisten Leute in Europa zu diesem Zeitpunkt einfach noch nicht haben", erklärte Teutenberg, fügte aber auch an:

"Es ist alles: Das hier ist schon ein erstes Ziel, gleichzeitig auch Aufbau für die EM – und das alles ist eigentlich auch nur Aufbau in Richtung Frühjahr und Klassikerkampagne, worauf für mich persönlich ein großer Fokus liegt, dass ich da gut fahren will."

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