Auch ohne allerbesten Tag “Best of the Rest“

Gall: “Es macht keinen Sinn, darüber nachzudenken, Jonas zu schlagen“

Von Christoph Matt

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Felix Gall (Decathlon - CMA GCM) präsentierte sich erneut als der zweitbeste Kletterer. | Foto: Cor Vos

23.05.2026  |  (rsn) - Während Jonas Vingegaard (Visma - Lease a Bike) seinen dritten Etappensieg auf diesem Giro einfuhr, kurbelte Felix Gall (Decathlon - CMA CGM) mit Hochfrequenz zu seinem dritten zweiten Platz bei diesem Giro. Dem Osttiroler gebührt damit wohlverdient der Titel “Best of the Rest”, auch wenn er im Gesamtklassement dort noch nicht ganz angekommen ist. Auf der 14. Etappe des Giro d’Italia, die sich als erste schwere Bergetappe der Rundfahrt präsentierte, bewies Gall erneut, dass er am Berg nach Vingegaard der schnellste ist.

Im Gesamtklassement schob sich der 28-Jährige damit zurück aufs Podium. Nun trennen ihn nur noch 24 Sekunden von Afonso Eulalio (Bahrain Victorious) und somit davon, in der Gesamtwertung ebenfalls einen Platz hinter dem Dänen zu liegen. Eulalio knickte bei der Tempoarbeit von Visma - Lease a Bike ein und verlor am Schluss fast zwei Minuten auf Gall. Im Hochgebirge der dritten Woche dürfte diese Nuss für den Wahl-Salzburger also durchaus zu knacken sein.

Der junge Helfer von Vingegaard, Davide Piganzoli (Visma - Lease a Bike), brachte den am Schluss recht kleinen Rest der Klassementfahrer stark in Bedrängnis. Als sein Kapitän 4,5 Kilometer vor dem Ziel schließlich zur Attacke ansetzte, hatte Gall keine Antwort und musste sein Tempo weiterfahren. Dem konnte Piganzoli erstaunlicherweise noch eine Zeit lang folgen. 2,6 Kilometer vor dem Schlussstrich war Gall schließlich alleine unterwegs.

"Nicht der beste Tag

Am Ende büßte er 49 Sekunden auf den Etappensieger ein, die Abstände nach hinten hielten sich zu Galls Bedauern jedoch in Grenzen. Hindley verlor 9 Sekunden, Giulio Pellizzari (Red Bull - Bora - hansgrohe) und Piganzoli 13. Immerhin Thymen Arensman (Netcompany - Ineos) überquerte 30 Sekunden hinter Gall den Zielstrich und musste ihm damit wieder den dritten Gesamtrang überlassen, nachdem der Niederländer Gall im Zeitfahren über 2:30 Minuten abgenommen hatte.

Trotz der Leistung attestierte sich der Etappenzweite im Zielinterview mit RSN nicht den besten Tag: “Auf den letzten Kilometern hatte ich ein bisschen Probleme. Eingebrochen ist vielleicht etwas zu viel gesagt, aber ich hatte heute nicht den allerbesten Tag. Ich bin mein eigenes Tempo gefahren und war froh, niemanden an meinem Hinterrad zu haben, so musste ich mich nur auf mich selbst konzentrieren.”

Insgesamt zeigte er sich mit der Etappe jedoch zufrieden und zog ein sehr positives Fazit: “Heute war der erste große Test. Wir hatten zwar schon Bergankünfte, die waren aber etwas untypischer. Heute war ein klassischer Tag fürs Gesamtklassement, mit dem ich sehr zufrieden bin.”

Keine Ikarusflüge

Für das Team des Tour-Etappensiegers ist der Kampf um ein Grand Tour Podium in jüngerer Zeit Neuland. Sein Sportlicher Leiter Luke Roberts räumte im Interview gegenüber Eurosport eine leichte Anspannung vor dem ersten Bergtest ein. Er zeigte sich mit der Leistung seiner Mannschaft jedoch durchaus zufrieden: “Wir hatten nicht richtig Angst, waren vielleicht etwas nervös und haben uns vor allem darauf gefreut, heute zu sehen, wie es läuft. Und da es dann gelaufen ist, wie wir uns erhofft haben, sind wir glücklich.”

Gall und seine Mannschaft sehen ihre Chancen bei der Rundfahrt jedoch sehr realistisch. Galls Fahrweise zeigt auch - frei nach Ikarus - dass er sich nicht die Beine verbrennen und zu nah an der Sonne fliegen will: “Es macht keinen Sinn, darüber nachzudenken, Jonas zu schlagen. Für mich ist es eher ein Kampf ums Podium. Wir hatten bisher drei Bergankünfte und ich war nicht annähernd auf seinem Level, besonders heute nicht, ich habe 50 Sekunden kassiert. Es ist trotzdem nichts, wofür ich mich schämen müsste”, erwiderte auf die Frage nach seinen Ambitionen aufs Rosa Trikot.

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