--> -->
28.06.2026 | (rsn) – Er war der Topfavorit – und Karl Herzog (Grenke – Auto Eder) kannte bei der Deutschen Meisterschaft in Bad Liebenstein keine Gnade. Mit 2:34 Minuten Vorsprung auf seine ersten Verfolger krönte sich der Vierte der Juniorenweltrangliste 2025 in seinem zweiten Jahr in der U19 “endlich“ zum U19-Meister.
“Es bedeutet mir schon recht viel. Letztes Jahr wurde ich Zweiter. Europa-, aber nicht Deutscher Meister gewesen zu sein, war schon ein bisschen schade“, sagte Herzog im Gespräch mit RSN. “Es freut mich, dass ich die Favoritenrolle wahr machen konnte. Bei so einem Rennradrennen weiß man nie, was passiert“, fügte er an.
Passiert war unterwegs einiges. Regen hatte die Strecke mit unerwünschter Glätte überzogen. Das war gerade in den Abfahrten natürlich ein Problem. “Es war auf jeden Fall schwerer und es sind viele gestürzt. Wir waren in einer kleinen Gruppe und als ich alleine weg war, war noch einer vor mir. Der ist dann gestürzt. Das hatte schon einen Einfluss“, blickte Herzog zurück.
___STEADY_PAYWALL___
Erwischt hatte es bergab in der vorletzten Runde Spitzenreiter Nils Maiwald (Saxonia Junior Racing), dessen Rennen abrupt an der Leitplanke endete. In der Verfolgergruppe, aus der sich Herzog gerade gelöst hatte, erwischte es auch noch Julian Kadrispahic (Cannibal - Victorious U19 Development), weitere Fahrer im hinteren Feld sollten folgen.
Herzog aber stürmte davon unbeeindruckt weiter und dem Sieg entgegen. “Ich weiß ungefähr, wie schnell ich fahren kann. Ich wollte auch kein Risiko eingehen. Die Stellen, wo Leute gestürzt sind, bin ich natürlich noch vorsichtiger angegangen“, erklärte er. So baute der Simmerberger bergab seinen Vorsprung bis zur letzten Zielpassage aus. “Ich wusste im Ziel, dass ich ungefähr 20 Sekunden vorn lag. Ich dachte, dass am Berg noch mal jemand rankommt, war dann aber nicht so“, erklärte er.
Dann aber leistete Herzog sich eine Fehleinschätzung; zumindest im Interview: “Mit der Zeit war der Abstand auf einmal mit ein oder eineinhalb Minuten recht groß. Dann wusste ich langsam, dass die Gruppe dahinter nicht so gut läuft und dass ich wahrscheinlich gewinne.“ Bezüglich des Sieges hatte er natürlich Recht, nicht aber, was die Zusammenarbeit hinter ihm betraf. Die war prima, aber Herzog war am Sonntag einfach deutlich stärker als die nationale Konkurrenz.
So scheint klar, dass er bei der WM und der EM im Herbst wieder der deutsche Kapitän sein sollte. In Kanada würde er gern seinem großen Bruder, Red-Bull-Profi Emil Herzog nacheifern. Der wurde zwar nie Europameister, dafür aber 2022 in Wollongong vor Antonio Morgado Weltmeister. “Das größere Ziel ist auf jeden Fall die WM. Die genaue Planung mit der EM, die direkt danach kommt, habe ich noch nicht. Da haben wir vom Kader nichts ausgemacht. Am liebsten würde ich natürlich beides fahren. Da müssen wir aber sehen, wie das geht mit dem Jetlag und dem Abstand“, so Herzog.
Sowohl der WM-Kurs in Montreal als auch der EM-Parcours im slowenischen Ljubljana sollten dem 17-Jährigen in den Kram passen. Zwischen beiden Großereignissen liegen allerdings nur sechs Tage – dafür aber Luftlinie 6.450 Kilometer und sechs Stunden Zeitunterschied. Eine Kombination der Meisterschaften könnte deswegen schwierig sein.
Wie es für Herzog auch in Kanada und Slowenien laufen wird, um seine nahe sportliche Zukunft muss er sich offenbar keine Gedanken machen. “Es gibt schon einen Plan, aber den darf ich nicht sagen“, hielt der Youngster dicht. Da seine Mannschaft aber zum System Red Bull – Bora – hansgrohe gehört, darf man davon ausgehen, dass Herzog nächstes Jahr dort ein Rookie wird.