Lippert in Bad Liebenstein geschlagen, Czapla Dritte

Speicher schnell gefüllt: Koch gelingt der Meisterschafts-Hattrick

Von Matthias Seng

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Franziska Koch (FDJ United - Suez, li.) hat das DM-Straßenrennen der Frauen vor Liane Lippert (Movistar, re.) gewonnen. | Foto: Christian Heilwagen

27.06.2026  |  (rsn) – Franziska Koch (FDJ United – Suez) hat in Thüringen nur einen Tag nach ihrem Triumph bei den Deutschen Zeitfahrmeisterschaften auch das Straßenrennen gewonnen. Die Paris-Roubaix-Siegerin setzte sich bei Temperaturen um die 35 Grad nach schweren 109 Kilometern rund um Bad Liebenstein im Sprint einer fünfköpfigen Spitzengruppe knapp vor Liane Lippert (Movistar) durch und machte so den Hattrick auf der Straße perfekt.

Das Podium komplettierte U23-Zeitfahrmeisterin Justyna Czapla (Canyon – SRAM), die den Großteil des von fünf auf vier Runden verkürzten Meisterschaftsrennens als Solistin dominiert hatte. Vierte wurde die starke Gravel-Spezialistin Nele Laing (Canyon x DT Swiss All-Terrain Racing / +0:02). Zeitfahr-Vizemeisterin Antonia Niedermaier (Canyon – SRAM / +0:02), die im letzten Anstieg des Tages mehrfach vergeblich attackiert hatte, musste sich mit Rang fünf begnügen.

1:41 Minuten hinter der alten und neuen Deutschen Meisterin entschied Linda Riedmann (Lotto - Intermarché) den Sprint der ersten Verfolgerinnen vor der erst 19-Jährigen Clara Jäger (LKT), Rosa Maria Klöser (Canyon – SRAM) und Karoline Goldschmidt (Rembe – rad-net) für sich. Deren Teamkollegin Laura Süßemilch (+4:26) führte die nächste Gruppe ins Ziel und komplettierte die Top Ten.

Gut gegessen: Koch füllte die Speicher nach dem Zeitfahren

“Ich habe gestern noch gut gegessen, denn ich musste meine Speicher wieder auffüllen. Meine Mama hat mir sogar noch eine Massage gegeben. Vor allem bin ich aber ruhig geblieben. Wir haben am Abend einen Spaziergang gemacht. Wichtig ist, dass man runterkommt, auch wenn ich mich megagefreut habe. Ich wusste aber, dass ich erst nach heute feiern möchte. Dann hat es heute geklappt“, sagte die neue Deutsche Doppelmeisterin im Ziel-Interview mit dem Mitteldeutschen Rundfunk nach ihrem dritten Meisterschaftssieg, mit dem sie nun gleichauf mit Lippert liegt.

“Ich denke, für mich war es ganz gut, dass die Ziellinie noch etwas weiter weg war. Für Liane war es etwas zu lang. Sie hat schon sehr früh angefangen (zu sprinten). Die Zielgerade war sehr tricky, weil es doch leicht bergauf geht. Ich habe etwas gewartet, bis ich alles gegeben habe. Für mich war es perfekt“, beschrieb die 25-Jährige das Finale, in dem sie die Friedrichshafenerin wenige Meter vor dem Linie noch abfangen konnte.

“Es war auf jeden Fall sehr, sehr spannend. Ich würde sagen, dass Canyon – SRAM mit zwei Fahrerinnen alles richtig gemacht und attackiert hat. Danach habe ich den Moment gesehen und bin angetreten, was am Ende dann aber zu früh war. Franzi (Koch) hat einen Megasprint gezeigt“, zollte Lippert im Ziel-Interview mit dem MDR nach dem verpassten vierten Meistertitel ihrer Konkurrentin großes Lob und zeigte sich beeindruckt von Kochs bisherigen Auftritten in der Saison 2026.

“Sie hat ein super Frühjahr hingelegt und ist auch jetzt noch megastark. Sie hat sich im Sprint auf jeden Fall total verbessert, deshalb muss ich mir für das nächste Jahr etwas Besseres überlegen“, blickte die 28-Jährige schon auf die DM 2027 voraus.

Dann wird wohl auch die erst 22-jährige Czapla zum Kreis der Favoritinnen zählen. Die dreimalige U23-Zeitfahrmeisterin attackierte eingangs der zweiten Runde und hielt sich bis 15 Kilometer vor dem Ziel allein an der Spitze, ehe sie dann auch noch im Finale vorne mitmischte, um sich schließlich Bronze zu sichern.

“Ich bin sehr, sehr zufrieden. Ich muss ehrlich sagen, dass ich nicht das beste Gefühl hatte die letzten zwei Tage. Ich habe mich schon einmal besser gefühlt. Deshalb bin ich umso glücklicher, dass es jetzt so gut funktioniert hat. Das ist mein erstes Podium bei der Elite und deshalb bin ich sehr froh“, so eine sichtlich zufriedene Czapla im Ziel zu RSN.

So lief das DM-Straßenrennen der Frauen:

Nach einem Sturz im Rennen der männlichen U17, die bereits am Vormittag dran waren, musste der Start des Frauenrennens nicht nur um eine Stunde verschoben werden – es wurden zudem nur vier der ursprünglich geplanten fünf Runden à 27,2 Kilometern absolviert. Nach ihrem Sturz bei der Tour de Suisse Women (2.WWT) hatte mit Ricarda Bauernfeind (Lidl – Trek) eine der Favoritinnen ihren Start absagen müssen.

Auf noch 108,8 Kilometern mussten die insgesamt 110 Fahrerinnen 2.200 Höhenmeter bewältigen, verteilt auf zwei Hügel zu Rundenbeginn und dem rund elf Kilometer langen Anstieg zum Großen Inselsberg, dessen Gipfel rund zehn Kilometer vor dem Ziel erreicht wurde. In dessen Abfahrt löste sich bei Temperaturen jenseits der 35 Grad eine rund 20-köpfige Gruppe mit den Top-Favoritinnen Koch, Lippert und Niedermaier, die mit Czapla und Klöser zwei Helferinnen bei sich hatte.

Die U23-Zeitfahrmeisterin löste sich eingangs der 2. Runde am frühen Anstieg und erarbeitete sich bis zur Rennhälfte einen Vorsprung von fast zweieinhalb Minuten auf das zunächst von den Wheel Divas und dann von Rembe – rad-net Women um Lisa Klein, Franziska Brauße und Süßemilch angeführte Verfolgerinnenfeld.

Das Streckenprofil des DM-Straßenrennens der Frauen | Foto: Veranstalter

Nach rund 60 Kilometern initiierte Koch mit einer Attacke eine vierköpfige Gruppe, zu der noch Lippert, Niedermaier und Laing gehörten. Dahinter versuchten Niedermaiers Teamkollegin Klöser und Goldschmidt vergeblich, den Anschluss an die ersten Verfolgerinnen herzustellen. Die hatten an der vorletzten Bergwertung des Tages den Rückstand auf die Spitzenreiterin auf unter eine Minute gedrückt.

Czapla nahm auf die vierte und letzte Meisterschaftsrunde noch rund 50 Sekunden Vorsprung mit, eine weitere Vierergruppe mit Klöser, Goldschmidt, Riedmann und Jäger folgte knapp zwei Minuten dahinter, das Feld hatte rund 2:40 Minuten Rückstand.

Am vorletzten Anstieg konnte Laing einer Attacke von Niedermaier nicht folgen, schaffte dann aber rund 23 Kilometer vor dem Ziel wieder den Anschluss. Im letzten Anstieg des Tages beschleunigte die 27-Jährige sogar, kurz nachdem sie ein weiteres Mal abgeschüttelt schien. Als Folge davon war Czapla schon in Sichtweite, doch dann wurde das Tempo im Quartett wieder etwas verschleppt. Doch dann war es kurz vor der letzten Bergwertung ihre Teamkollegin Niedermaier, die ein weiteres Mal attackierte und 15 Kilometer vor dem Ziel die Ausreißerin nach einer Flucht von rund 70 Kilometer stellten.

Niedermaier wird Koch und Lippert nicht los

Czapla fuhr sich aber wieder eine kleine Lücke heraus, holte sich den Bergpreis, ehe wieder Niedermaier antrat. Auf dem Hochplateau vor der finalen Abfahrt wechselten sich die drei Canyon-Fahrerinnen mit ihren Attacken ab, doch Koch und Lippert ließen sich nicht überraschen. So erreichten die fünf Ausreißerinnen als geschlossene Gruppe die Zielpassage in Bad Liebenstein.

Laing führte das Quintett auf den Schlusskilometer, wo Niedermaier ein letztes Mal attackierte, ehe Laing den finalen Sprint 400 Meter vor dem Ziel lancierte. Den konterte Lippert, doch Koch zog in einem packenden Duell auf den letzten Metern noch an ihrer Konkurrentin vorbei zu ihrem dritten Titel in Serie. Czapla belohnt sich für ihren beeindruckenden Soloritt mit der Bronzemedaille, wogegen Laing und Niedermaier das Podium verpassten.

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