RSNplusDM-Sechster mit sensationeller Leistung

Teutenberg: “Im Sprint hätte ich sie im Griff gehabt“

Von Joachim Logisch aus Bad Liebenstein und Matthias Seng

Foto zu dem Text "Teutenberg: “Im Sprint hätte ich sie im Griff gehabt“"
Tim Torn teutenberg (LIdl - Trek) | Foto: Cor Vos

29.06.2026  |  (rsn) – Mit fünf Fahrern und damit genauso vielen wie Red Bull – Bora – hansgrohe war Lidl – Trek ins DM-Straßenrennen von Bad Liebenstein gestartet. Zu den drei WorldTour-Fahrern Lennard Kämna, Max Walscheid und Tim Torn Teutenberg kamen aus dem Devo-Team Louis Leidert und Benedikt Benz, die sich gemeinsam ähnlich stark präsentierten wie die nationale Konkurrenz aus Raubling.

Zwar sprang nach 191,6 schweren Kilometern durch den Thüringer Wald keine Medaille heraus, doch wussten vor allem die drei Profis zu beeindrucken. Max Walscheid zeigte sich früh im Rennen schon aktiv und belegte schließlich Rang zehn. Lennard Kämna leitete mit seiner Attacke auf der vorletzten Runde 35 Kilometer vor dem Ziel das spannende Finale ein, ehe er nach einem Solo von rund 13 Kilometern dann doch noch eingefangen wurde. ___STEADY_PAYWALL___

Die große Überraschung aber war Teutenberg, der hinter dem Spitzenquintett den Sprint der nächsten Verfolger für sich entschied und auf Rang sechs nicht nur bester Fahrer seines Teams war, sondern auf der schweren Runde mit dem elf Kilometer langen Anstieg zum Großen Inselsberg sich in herausragender Verfassung präsentierte.

Teutenberg: “Ich denke, wir haben es gut gemacht“

Erst auf der letzten der sieben Runde verlor der Sprinter nach großem Kampf den Kontakt zur Favoritengruppe, sein Rückstand von weniger als einer Minute zeigte aber, dass nicht viel gefehlt hatte im Kampf um das Meistertrikot. “Wir haben es gut gespielt und am Ende hat es uns etwas gekostet. Hätten sie sich ein bisschen länger angeguckt hinten raus, wären wir beide noch mal wieder gekommen und dann kann das Ganze auch anders aussehen. Ich denke, im Sprint hätte ich die im Griff gehabt“, sagte Teutenberg im Ziel, das er als Sechster erreicht hatte, zu RSN.

Max Walscheid (vorn) war beim DM-Straßenrennen der Männer in einer frühen Gruppe unterwegs. | Foto: Christian Heilwagen

Dem 23-Jährigen kam nach eigenen Worten entgegen, dass im Rennverlauf zwar rund 4.000 Höhenmeter zu bewältigen waren, es aber keine ganz steilen Passagen gab. “Wie man gesehen hat, ist es nicht so einfach, hier Leute loszuwerden. Solange man weiterfahren kann und die Power hat, bleibt man hier dabei“, erklärte Teutenberg, der sich im Finale ans Hinterrad von Kämna klemmen konnte, als dessen Soloritt gut 20 Kilometer vor dem Ziel vereitelt worden war. Lenny kam der Kurs am meisten entgegen“, erklärte Teutenberg und fügte an: “Ich denke, wir haben es gut gemacht, auch mit Lenny, als er attackieren gegangen ist. Ich denke das war gut.“

Kämna: “Hätte eine Runde später attackieren müssen“

Kämna war rund 35 Kilometer vor dem Ziel in die Offensive gegangen “Ich habe alles in meine Attacke gesetzt. Als ich eingeholt wurde, war das Rennen mehr oder weniger für mich gelaufen“, sagte der 29-Jährige zu RSN, dessen Angriff zunächst erfolgversprechend aussah. Doch die Konkurrenz war aufmerksam und war sich der Gefahr bewusst, die vom Lidl-Kapitän ausging.

Der zeigte sich im Ziel gegenüber RSN dagegen selbstkritisch: “Das (die Attacke) hat sich irgendwie angeboten, am Ende war es zu früh. Ich hätte es eine Runde später machen sollen und dann hätte es vielleicht anders ausgesehen. Es war einfach noch viel zu weit. Die Abfahrt und die Kuppe oben – das ist alles doch irgendwie ganz schön zäh. Das rollt nicht so locker weg“ sagte Kämna, der sich dann aber noch in Teutenbergs Dienst stellte und selber sogar noch Achter wurde.

Lennard Kämna (hier bei der Algarve-Rundfahrt) läutete mit einem starken Solo das Finale ein. | Foto: Cor Vos

Mit seiner Vorstellung war der Fischerhuder, der auch diesmal nicht mit zur Tour fahren wird, aber ausgesprochen zufrieden. “Ich war eigentlich das ganze Jahr nicht schlecht. Auf dem Papier sieht es deutlich schlechter aus als es eigentlich ist“, sagte Kämna mit Blick auf seine eher mageren Ergebnisse, die aber seine Leistungen nicht wiederspiegelten. “An sich fühle ich mich körperlich gut und es war eine schöne Sache, dass ich hier für mich fahren konnte und dass ich mit Instinkt mein Ding machen konnte. Am Ende hat es nicht ganz gereicht, aber es war schön, mal wieder aktiv ein Rennen zu gestalten.“

Teutenberg gingen erst in der Finalrunde die Beine auf

Ähnliches ließe sich auch für Teutenberg sagen, der als bisher bestes Resultat in dieser Saison einen vierten Etappenplatz bei der Algarve-Rundfahrt vorzuweisen hat und als Grand-Tour-Debütant beim Giro d’Italia im Sprintzug von Jonathan Milan eingesetzt wurde.

Umso mehr beeindruckte er bei extremer Hitze auf dem schweren Parcours von Bad Liebenstein, auf dem ihm erste auf der finalen Runde "die Beine ein bisschen aufgegangen sind. Ich hätte mir gewünscht, dass wir bei dem Wetter eine Runde weniger fahren. Das hätte mir auf jeden Fall weitergeholfen“, sagte er.

Auch am letzten Meisterschaftstag erschwerte große Hitze die Rennen. | Foto: Christian Heilwagen

Aber auch so reichte es zum bisher zweitbesten Ergebnis bei Deutschen Straßenmeisterschaften nach 2024, als er auf dem leichteren Kurs von Bad Dürrheim 3:06 Minuten hinter Marco Brenner (Tudor) Fünfter geworden war. Der damalige Titelträger kam diesmal übrigens als vorletzter Fahrer auf Position 23 ins Ziel – mehr als fünf Minuten hinter dem neuen Deutschen Meister Felix Engelhardt (Jayco – AlUla).

Und auch das war für den 1,99 Meter großen und 91 Kilogramm schweren Hühnen, der nun mal ganz und gar nicht für 4000 Höhenmeter gebaut ist, eine herausragende Leistung, zumal er zu Beginn die Ausreißergruppe angeführt hatte.

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