Tagesvierter Brenner nun Gesamtdritter in Polen

Lemmen überrascht auf verkürzter Etappe Freund und Feind

Von Kevin Kempf

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Bart Lemmen (Visma – Lease a Bike, li.) hat die 4. Etappe der Polen-Rundfahrt gewonnen. | Foto: Cor Vos

06.08.2026  |  (rsn) – Bart Lemmen (Visma – Lease a Bike) hat auf der 4. Etappe der Polen-Rundfahrt seinen ersten WorldTour-Erfolg gefeiert und gleichzeitig die Gesamtführung und das Bergtrikot übernommen.

Nach 176 Kilometer von Zagan nach Karpacz rettete der Niederländer sich mit letzter Kraft vor Christian Scaroni (XDS – Astana), den er kurz zuvor abgehängt hatte.

Dritter später Ausreißer im Bunde war Marco Brenner (Tudor), der auf den letzten Metern noch vom ersten Mann aus der Favoritengruppe, Axel Laurance (Netcompany – Ineos), überholt wurde und Rang vier belegte. Zwei Sekunden dahinter wurde Louis Barré (Visma – Lease a Bike) Fünfter vor Alberto Bettiol (EF Education – EasyPost).

Eingangs der letzten 40 Kilometer wurde die Etappe wegen eines Massensturzes, in den auch Lemmen verwickelt war, neutralisiert. Sie wurde nach 25 Minuten neu gestartet, wobei die Strecke um 14 Kilometer und einen Anstieg der 1. Kategorie verkürzt wurde.

Lemmen: "Heute ist es endlich soweit"

Auch bei Visma – Lease a Bike hatte man offensichtlich nicht mit dem Überraschungssieger gerechnet, denn für Lemmen stand im Ziel kein Betreuer bereit. Lidl – Trek half hinter den Kulissen gern mit einem Waschlappen aus. Für den 30-jährigen Lemmen war es der erste Sieg als Profi, nachdem er 2022 als damaliger Konti-Fahrer die Schlussetappe der Kreiz Breizh (2.2) für sich entschieden hatte.

"Es war ein unglaubliches Gefühl, als ich die Ziellinie überquerte“, wurde der Etappengewinner auf der Visma-Hmepage zitiert. "Ich hatte lange auf meinen ersten Sieg gewartet, und heute ist es endlich soweit. Es ist etwas Besonderes, in der WorldTour zu gewinnen und gleich das Führungstrikot zu übernehmen. Ich kann es immer noch nicht fassen.“

Brenner zeigte sich im Finale sehr stark und brachte im Anstieg nach Karpacz Scaroni an seine Grenzen. Nachdem der Tudor-Profi seinen Effort geleistet hatte, ritt Lemmen seine entscheidende Attacke. In der folgenden Abfahrt musste der Deutsche abseits der TV-Bilder eine Lücke lassen, die er auf dem letzten Kilometer bergauf zum Ziel nicht mehr zufahren konnte. Maximilian Schachmann (Soudal – Quick-Step) konnte mit Rang 18. ein gutes Resultat verbuchen.

Im Gesamtklassement liegt Lemmen nun sechs Sekunden vor Scaroni und derer 26 vor Brenner. Der Niederländer ist auch der neue Führende der Bergwertung. Jonathan Milan (Lidl – Trek) verlor zwar die Gesamtführung, verteidigte aber die im Punkteklassement.

So lief die 4. Etappe der Polen-Rundfahrt:

Zum vierten Mal in Folge setzte sich Dries De Bondt (Jayco – AlUla) als Ausreißer in Szene. Nach zwei Kilometern machte sich der Belgier davon, Gesellschaft erhielt der Belgier diesmal von Patryk Stosz, Tobiasz Pawlak (beide Polnische Nationalmannschaft) und Matteo Malucelli (XDS – Astana). Das Quartett bekam etwas mehr als drei Minuten Vorsprung zugestanden.

Am Antoniow-Anstieg (3.Kat.) hatten die Ausreißer 57 Kilometer vor dem Ziel eine davon eingebüßt. De Bondt sicherte die maximal möglichen drei Bergpunkte. Mit noch 41 zu fahrenden Kilometern gab es im Peloton auf regennasser Fahrbahn einen Massensturz, bei dem rund 30 Fahrer zu Boden gingen. UAE – Emirates – XRG hatte es mit Joao Almeida, Jan Christen, Benoit Cosnefroy, Rune Herregodts und Juan Sebastian Molano besonders schwer erwischt. Die Jury neutralisierte daraufhin das Rennen.

Das Streckenprofil der 4. Etappe der Polen-Rundfahrt: | Foto: Veranstalter

Unter Leitung von Stefan Küng (Tudor) wurde vor dem TV-Kameras eifrig mit der Rennleitung diskutiert, wobei nicht deutlich wurde, wer welche Punkte vorzubringen hatte. Nach 25 Minuten gab es den Neustart, wobei die Strecke - inzwischen bei Sonnenschein – verkürzt wurde. Für De Bondt war das eine schlechte Nachricht, denn für ihn lagen die nächsten Bergpunkte nun zum einen weiter weg und zum anderen näher am Ziel, was ihm weniger Spielraum gab.

Kurz nach dem Neustart konnte der vom Sturz gezeichnete Almeida dem Tempo nicht mehr folgen. Das Feld ging mit 1:45 Minuten auf die letzten 20 Kilometer. Neun Kilometer später war am Fuße des jetzt sieben Kilometer langen Borowice-Anstiegs noch eine Minute über. Bergauf mussten vorn schnell Pawlak und hinten der Gesamtführende Milan ihre Begleiter fahren lassen.

Brenner für starken Auftritt nicht belohnt

Für Stosz und De Bondt war ihr Versuch als letzte der Ausreißer eingangs der letzten acht Kilometer beendet. Da war das Peloton noch rund 50 Fahrer stark. Tijmen Graat (Visma – Lease a Bike) fasste sich 600 Meter später ein Herz. Auf den Niederländer reagierte zunächst niemand, dann zog Brenner mit Lemmen am Hinterrad an. Das Duo schloss 6,9 Kilometer vor dem Ziel zum Spitzenreiter auf. Scaroni schaffte den Sprung nach vorn 700 Meter später, Neilson Powless (EF Education – EasyPost) dagegen glückte er nicht.

Mit noch 5,5 zu fahrenden Kilometern ging es Graat in einem Steilstück zu schnell. Lemmen attackierte kurz vor der Bergwertung und stellte seine beiden Kontrahenten so 4,5 Kilometer vor dem Ziel ab. In der kurzen Abfahrt half der frühere Deutsche Meister dem Italiener nicht, so dass sich Lemmen weiter absetzen konnte.

Brenner musste Scaroni dann auf inzwischen nasser Fahrbahn ziehen lassen. Im einen Kilometer langen Schlussanstieg blieben die Abstände zwischen den ersten Dreien bis 300 Meter vor dem Ziel ungefähr gleich; dann holte Scaroni schnell auf. Er kam noch ans Hinterrad des Spitzenreiters, der sich allerdings mit letzter Kraft gerade so rettete. Brenner wurde auf den letzten Metern noch von Laurance überholt.

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