Polen-Gesamtsieg 14 Monate nachdem er aufhören wollte

Brenner feiert mit Zeitfahren seines Lebens den größten Erfolg

Von Joachim Logisch

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Marco Brenner (Tudor) im abschließenden Zeitfahren der Polen-Rundfahrt | Foto: Cor Vos

09.08.2026  |  (rsn) - Was ein Glück, dass er sich nach seinem schweren Sturz im Verlauf der 19. Etappe des Giro d’Italia 2025 zum Weiterfahren entschieden hatte! Denn nun gewann Marco Brenner (Tudor) die Polen-Rundfahrt (2.UWT) und feierte damit nicht nur den größten Erfolg seiner Karriere, sondern auch den ersten WorldTour-Rundfahrtsieg eines Deutschen seit Max Schachmann 2021 Paris-Nizza gewann.

Damals, am 29. Mai 2025, als Brenner schwerverletzt im Krankenhaus lag, wollte er nie mehr aufs Rad steigen. Heute, am 9. August 2026, bestätigte der mittlerweile 23-Jährige, der im Einzelzeitfahren der Junioren-WM 2019 Bronze und bei der Junioren-EM ein Jahr später sogar Silber geholt hatte, sein großes Talent auch im Kampf gegen die Uhr.

Mit dem Triumph in Polen hatten sicher die wenigsten gerechnet, obwohl sich Brenner nach sechs Etappen mit Platz vier in der Gesamtwertung eine gute Ausgangsposition erarbeitet und angesichts der knappen Abstände unter den Besten zumindest Chancen auf das Gesamtpodium hatte.

"Ich kannte mein Potenzial aus der Vergangenheit"

Doch mit dem Zeitfahren seines Lebens, wie Brenner selbst betonte, stürmte er noch aufs oberste Podest. "Es war ein perfekter Tag für mich. Ich wusste, dass sich mir eine riesige Chance bot – wenn alles gut laufen würde, war der Gesamtsieg in Reichweite“, hatte er sich ausgerechnet.

"Ich kannte mein Potenzial aus der Vergangenheit, auch wenn es in den letzten Jahren etwas nachgelassen hatte. Aber ich habe dieses Jahr wieder enorm viel Arbeit in das Zeitfahrtraining gesteckt. Nun bin ich überglücklich, dass heute alles perfekt zusammenpasste", wurde er in der Pressemitteilung der Tour de Pologne zitiert.

Auf den 12,5 Kilometern rund um Wieliczka hatte er im abschließenden Kampf gegen die Uhr den siebten Platz mit elf Sekunden Rückstand auf seinen Teamkollegen Stefan Küng belegt, was für den Gesamtsieg reichte. Mit zehn Sekunden Vorsprung verwies Brenner den Neuseeländer Finn Fisher-Black (Red Bull - Bora - hansgrohe) auf den zweiten und den Spanier Ivan Romeo (Movistar) auf den dritten Platz.

Wendepunkt war die 5. Etappe

"Der Wendepunkt war die zweite schwere Etappe (die 5. von Opole nach Kocierz Resort, d. Red.) auf der ich Zweiter wurde. Einen Tag zuvor war ich in einen Sturz verwickelt und wusste nicht, wie sich die Dinge entwickeln würden, aber ich habe nicht aufgegeben. Ich habe gezeigt, dass ich einer der besten Kletterer bin, und war überzeugt, dass ich um ein Podium oder ein anderes großes Ergebnis kämpfen kann", erzählte Brenner. "Wirklich an den Gesamtsieg geglaubt" habe er aber erst nach der 6. Etappe, die er in Bukowina Tatrzanska auf dem dritten Rang beendet hatte - "als ich meine hervorragende Ausgangsposition vor dem Zeitfahren sah."

Welche Entwicklung der Tudor-Profi genommen hat, wird deutlich, wenn man noch mal an den Sturz in Italien zurückdenkt, dessen Folgen er Anfang September 2025 in der Augsburger Allgemeinen wie folgt beschrieben hatte: "Ich hatte einen Innenbandriss am linken Knie und eine knochentiefe Schnittwunde an der linken Wade. Da hat es das Bein ganz schön auseinander gefetzt. Meine linke Schulter war ausgekugelt und das Kreuzband und Außenband im linken Knie waren gezerrt. Zudem musste man noch eine Wunde am Kinn nähen."

Verständlich, dass er damals überlegte, ob er sich noch einmal als Profi auf ein Rad wagen soll. Spätestens heute weiß Brenner, der zu Jahresbeginn bereits Vierter der Tour Down Under (2.UWT) war, dass er die richtige Entscheidung getroffen hat!

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