Etappen- und Rundfahrtsieg in Polen

Küng und Brenner sorgen für doppelten Tudor-Triumph

Von Matthias Seng

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Marco Brenner (Tudor) hat die 83. Polen-Rundfahrt gewonnen. | Foto: Cor Vos

09.08.2026  |  (rsn) – Marco Brenner (Tudor) hat die 83. Polen-Rundfahrt (2.UWT) gewonnen und damit den größten Erfolg in seiner Karriere gefeiert. Der 23-jährige Augsburger beendete das 12.5 Kilometer lange Zeitfahren von Wieliczka als Siebter und rückte damit im Gesamtklassement noch vom vierten auf den ersten Platz vor, um als erster deutscher Fahrer seit Maximilian Schachmann bei Paris-Nizza (2.UWT) 2021 wieder bei einem Etappenrennen auf WorldTour-Niveau ganz vorne zu landen.

“Die Tour de Pologne im Gelben Trikot zu beenden und das Rennen zu gewinnen, macht mich unglaublich glücklich. Nach dem Sturz auf der 4. Etappe war ich mir nicht sicher, wie es weitergehen würde, aber ich habe nie aufgegeben“, jubelte Brenner bei einer ersten Stellungnahme im Ziel.

Den triumphalen Tag für das Tudor-Team rundete der Schweizer Stefan Küng (Tudor) ab, der die abschließende 7. Etappe in der Zeit von 14:25 Minuten für sich zu entschied. Der 32-jährige Routinier, der nach einem Oberschenkelbruch zu Saisonbeginn monatelang ausgefallen war, holte in seiner Spezialdisziplin seinen ersten Sieg seit fast zwei Jahren und konnte danach seine Tränen kaum zurückhalten.

"Ich habe mich die ganze Woche über wirklich großartig gefühlt, deshalb war ich so entschlossen, heute um den Sieg zu kämpfen. Und es hat geklappt! Ich bin überaus glücklich und, ehrlich gesagt, zutiefst gerührt“, wird der Schweizer in der Pressemitteilung der Rundfahrt zitiert, der eine harte Zeit nun mit einem starken Comeback krönte.

Küng: "Zweifellos einer der schönsten Siege meiner Karriere"

"Zeitweise habe ich sogar daran gezweifelt, ob ich je wieder auf das oberste Niveau zurückkehren würde. Die Schlussetappe der Tour de Pologne zu gewinnen, fühlt sich fast unwirklich an“, fuhr der Zeitfahrspezialist fort, der im Ziel sofort seine Familie und den Physiotherapeuten anrief, "der so viel Arbeit in meine Genesung gesteckt hat.“

Küng: "Das ist zweifellos einer der schönsten Siege meiner Karriere. Ich bin hier auch letztes Jahr gefahren, und ich liebe dieses Rennen und Polen wirklich sehr. Wir hatten mit dem ganzen Team eine wunderbare Woche – Marco ist großartig gefahren, hat das Blatt im Kampf um die Gesamtwertung gewendet und den Gesamtsieg geholt, sodass der Tag für uns nicht besser hätte laufen können. Ich bin stolz auf meine Teamkollegen und dankbar den Organisatoren für ein so großartiges Rennen mit einer fantastischen Strecke."

Mit je vier Sekunden Rückstand folgte das neuseeländisch-australische Red-Bull-Duo Finn Fisher-Black und Callum Thornley auf den Plätzen zwei und drei. Vierter wurde der Spanier Ivan Romeo (Movistar / +0:05) vor dem US-Amerikaner Magnus Sheffield (Netcompany – Ineos / +0:09), dem Luxemburger Arthur Kluckers (Tudor / +0:10) und Brenner (+0:11).

Der setzte sich im Endklassement mit deutlichen zehn Sekunden vor Fisher-Black durch und verbuchte damit seinen ersten Sieg auf WorldTour-Niveau. Romeo rückte noch auf Rang drei (+0:16) vor und komplettierte damit das Podium vor dem Visma-Lease a Bike-Duo Louis Barré (+0:19) und Bart Lemmen (+0:20), die jeweils zwei Positionen verloren.

Noch weiter nach unten ging es für den Italiener Christian Scaroni (XDS – Astana), der vom ersten auf den siebten Platz (+0:25) hinter den Schweizer Jan Christen (UAE – Emirates – XRG / +0:22) abstürzte und damit sein Gelbes Trikot an Brenner abgeben musste.

Der Gesamtsieger verdrängte auch noch den dreimaligen Etappengewinner Jonathan Milan (Lidl – Trek) von der Spitze der Punktewertung. Dessen italienischer Landsmann Walter Calzoni (Pinarello – Q36.5) gewann die Bergwertung, Visma – Lease a Bike entschied die Teamwertung für sich.

So lief die 7. Etappe der Polen-Rundfahrt:

Auf dem Zeitfahrkurs, der zunächst rund vier Kilometer bergauf und dann tendenziell abflachend ins Ziel führte, setzte Kluckers, mit 14:35 Minuten eine erste Richtmarke, an die auch der viermalige Britische Zeitfahrmeister Ethan Hayter (Soudal – Quick-Step) nicht herankam.

Das gelang dagegen Thornley, der an der Zwischenzeit bei Kilometer 5,9 noch Rückstand hatte, im Ziel aber lag der Australier dann deutliche fünf Sekunden vor dem Luxemburgischen Zeitfahrmeister. Kurz darauf verpasste Sheffield die Bestzeit um vier Sekunden. Mit genau dieser Differenz Vorsprung verdrängte kurz darauf Küng dann Thornley von der Spitzenposition.

Auf der schien sich der Schweizer aber nicht einrichten zu können, Ivan Romeo war am ersten Messpunkt zwei Sekunden schneller, um dann aber im Ziel sogar noch hinter Thornley zu landen. Nochmals drei eher an der Zwischenzeitnahme war Fisher-Black, dessen Bestmarke Brenner nur um acht Sekunden verpasste. Eine weitere Sekunde langsamer war hier Jan Christen, der bis ins Ziel noch mehr Boden einbüßte, wogegen sich Brenner stark hielt und schließlich Tagessiebter wurde.

Das Streckenprofil der 7. Etappe der Polen-Rundfahrt: | Foto: Veranstalter

Viel wichtiger als diese Platzierung war aber die Tatsache, dass der frühere Deutsche Meister damit vom vierten auf den ersten Platz der Gesamtwertung vorrückte und den größten Erfolg seiner Karriere feiern konnte.

Auch Fisher-Black kam im Ziel nicht an Küngs Zeit heran. Doch während sein Rückstand als Etappenzweiter nur vier Sekunden betrug, war der Gesamtdritte Lemmen gleich um 34 Sekunden langsamer und fiel im Gesamtklassement weit zurück. Weitere drei Sekunden Verspätung mehr hatte sein Teamkollege Louis Barré aufzuweisen.

Der als letzter Fahrer gestartete Scaroni handelte sich sogar 47 Sekunden Rückstand ein und musste das Gelben Trikot an Brenner abgeben.

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