Knees en tour - Etappe 12

Am Berg war nicht nur die Nummer rot

Von Christian Knees

13.07.2006  |  Heute ging's also erstmals mit einer roten Startnummer zum Start. Das war eine schöne Sache, auch wenn die ersten 20 Kilometer dann schon noch ein wenig weh taten – die Anstrengungen von gestern steckten noch in den Beinen. Aber dann lief es besser und ich konnte ganz gut im Feld mitrollen. Über den ersten Berg der 3. Kategorie bin ich gut drüber gekommen.

Der zweite Berg, einer der höchsten Kategorie, war da schon was heftiger; etwa 12 Kilometer lang ging es bergauf. Ich bin ziemlich weit vorne im Feld gefahren, weil ich so lange wie möglich in der Gruppe bleiben wollte. Ab der Hälfte verlor ich so langsam an Positionen. Ein oder zwei Kilometer vor der Spitze musste ich reißen lassen. Ich versuchte aber, noch im Bereich der Autos zu bleiben, um den Anschluss an die Gruppe nicht ganz zu verlieren. Das klappte und ich schlängelte mich auf der Abfahrt wieder an den Autos vorbei zur Gruppe hin.

Als ich den Berg so alleine hochgefahren bin, haben viele Zuschauer meinen Namen gerufen und mich angefeuert. Das war ein tolles Gefühl und hat unheimlich motiviert. Vielleicht kannten ja nach meiner langen Flucht gestern mehr Leute meinen Namen . Außerdem war ich an meiner roten Rückennummer ja auch gut zu erkennen.

Der dritte und letzte Anstieg am war ein Berg der 1. Kategorie. Dort hatte ich die gleiche Taktik: so lange wie möglich im Feld bleiben und dann auf der Abfahrt wieder dran rollen. Fast hätte das auch geklappt. Ich musste wieder kurz vor der Kuppe reißen lassen und fuhr mein eigenes Tempo hoch. Nicht allzu weit vor mir sah ich Erik, konnte aber nicht zu ihm aufschließen. Leider kam aber nach dem Anstieg nicht direkt die Abfahrt, sondern ein kurzes Flachstück. Dort sind die Autos davon gebraust und das Feld war nicht mehr zu sehen. Auf der Abfahrt habe ich dann noch mal versucht, nach vorne aufzuschließen - aber vergebens.

Ins Ziel kam ich mit einer kleinen Gruppe und einem Abstand von 12 Minuten auf den Sieger und 4:30 Minuten auf die große Gruppe vor uns, zu der Erik noch hatte aufschließen können. Er konnte sogar noch um Punkte fürs grüne Trikot mitsprinten und sieben Punkte ergattern. Das war eine tolle Leistung von Ete. Alle anderen Sprinter mit Ausnahme von Bennati kamen nämlich mit riesigem Abstand im Grupetto ins Ziel.

Nach der Etappe wurde ich zum Interview beim ZDF gebeten. Die hatten aus den Aufnahmen am Ruhetag und meiner Attacke am Dienstag eine schöne Story gemacht. Die könnt Ihr im Internet anschauen unter:
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/inhalt/9/0,4070,3956041-0,00.html

Christian Knees ist im Team Milram der Aufsteiger des Jahres. Der 25 Jahre alte Profi aus Bornheim bei Bonn etablierte sich im neuen ProTour-Team schnell als unentbehrlicher Helfer von Alessandro Petacchi und konnte im Frühjahr bei „Rund um Köln“ seinen ersten Profisieg feiern. Danach gab Knees sein erfolgreiches Debüt beim Giro d’Italia. Jetzt tritt „der Mann mit dem starken Motor“, wie ihn sein Teamchef Gianluigi Stanga nennt, auch bei der Tour de France erstmals an. Im Tagebuch für Radsport aktiv berichtet Christian Knees täglich über seine Erlebnisse beim größten Radrennen der Welt.

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