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05.07.2015 | (rsn) - Tony Martin (Etixx-Quick-Step) muss weiter auf das Gelbe Trikot warten, André Greipel (Lotto Soudal) konnte dagegen seine Freude laut herausschreien, nachdem er am Sonntag zu seinem insgesamt siebten Etappensieg bei einer Tour de France gesprintet war.
Auf der turbulenten 2. Etappe fuhr Martin hauchdünn am Gelben Trikot vorbei. Nur weil der Schweizer Fabian Cancellara (Trek) sich mit dem dritten Platz eine Zeitgutschrift von vier Sekunden sicherte, verpasste der Deutsche den Sprung auf den ersten Platz der Gesamtwertung. Hätte sein Teamkollege Mark Cavendish statt Cancellara den dritten Platz belegt, wäre Martin nun im Besitz des „maillot jaune“.
Doch der Brite war auf der langen Zielgeraden von Neeltje Jans zu früh im Wind und nahm auf den letzten Metern heraus, so dass er nur als Vierter einer rund 20-köpfigen Spitzengruppe über den Zielstrich rollte und somit weiter auf seinen 26. Etappenerfolg bei einer Frankreich-Rundfahrt warten muss – ebenso wie Martin auf sein erstes Gelbes Trikot. „Mein Blick geht nach vorne. Denn unser Team ist in einer Top-Verfassung. Und da wird es noch weitere Chancen geben“, gab sich der dreimalige Zeitfahrweltmeister nach der ersten Enttäuschung kämpferisch.
Dafür stach der zweite deutsche Trumpf: Der 32-jährige Greipel holte sich nach 166 Kilometern von Utrecht nach Zeeland mit einem kraftvollen Sprint von Cavendishs Hinterrad weg den Sieg vor dem Slowaken Peter Sagan (Tinkoff-Saxo) und eben Cancellara. Das reichte dem Schweizer, um den australischen Auftaktsieger Rohan Dennis an der Spitze der Gesamtwertung abzulösen.
Der BMC-Profi, der am Vortag das Zeitfahren bei tropischen Temperaturen vor Martin gewonnen hatte, erreichte das Ziel im ersten großen Feld mit 1:28 Minuten Rückstand – übrigens gemeinsam mit Titelverteidiger Vincenzo Nibali (Astana) und Nairo Quintana (Movistar), die beide gegenüber ihren schärfsten Konkurrenten Chris Froome (Sky/7.) und Alberto Contador (Tinkoff-Saxo/13.) wertvolle Zeit einbüßten.
Doch darüber musste sich Greipel keinen Kopf machen, nachdem er mit seinen beiden Teamkollegen Marcel Sieberg und Tony Gallopin gut 50 Kilometer vor dem Ziel den Sprung in die entscheidende Gruppe geschafft hatte, aus der heraus er sich schließlich seinen zehnten Saisonsieg – der natürlich sein bisher wichtigster ist – holte. Und als Zugabe erhielt er das Grüne Trikot, nachdem er für den Tagessieg 50 Punkte kassierte und zuvor bereits beim Zwischensprint deren fünf geholt hatte.
„Die Mannschaft hat wirklich hart gearbeitet. Tony Gallopin und Marcel Sieberg haben mir den Sprint super vorbereitet. Es ist wirklich sehr schön, dieses Grüne Trikot zu bekommen, aber das Wichtigste war heute für mich der Etappensieg“, strahlte der Hürther, der auf der langen Zielgarden genau zum richtigen Zeitpunkt von Cavendishs Hinterrad aus seinen Sprint startete. „Cavendish ist ein bisschen zu früh losgefahren, ich habe so lange wie möglich gewartet. Als Sagan angetreten ist habe ich mir gedacht: Jetzt wird es Zeit anzutreten. Und es hat gereicht!“, so Greipel, der sich auch vom Wetterumschwung in den Niederlanden nicht schrecken ließ.
Dabei hatte beim Start in Utrecht nicht viel darauf hingedeutet, als sich das Feld der 198 Starter – die auch alle das Ziel erreichten – am Mittag auf den Weg zur Küste machten, wo es auf dem Brouwersdam und danach zu einem denkwürdigen Finale kam.
Praktisch mit dem Startschuss zogen Jan Barta (Bora-Argon 18), Stef Clement (IAM), Perrig Quemeneur (Europcar) und Armindo Fonseca (Bretagne-Séché Environnement) dem Feld davon, in dem zunächst aber nicht Dennis‘ BMC-Team, sondern Martins und Cavendishs Helfer das Kommando übernahmen.
Etixx-Quick-Step gestand den Ausreißern keine drei Minuten an Vorsprung zu, ehe nach gut einem Drittel bei immer stärker werdendem Wind das Rennen eine erste Zuspitzung erfuhr. Da nämlich nahmen Etixx, Saxo-Tinkoff und Sky das Feld auf die Windkante und führten eine zeitweise Spaltung herbei. Als Nebeneffekt schrumpfte der Rückstand auf Barta & Co auf nur 15 Sekunden zusammen. Doch da alle Favoriten auf den Gesamtsieg aufmerksam blieben, fanden die einzelnen Gruppen wieder zusammen.
Kurz vor dem Zwischensprint in Rotterdam attackierte Barta seine Begleiter und sicherte sich die Maximalpunktzahl, gefolgt von Clement, Fonseca und Quemeneur. Aus dem Feld heraus bekam John Degenkolb (Giant-Alpecin) für Platz fünf noch elf Punkte vor Kristoff (10) und Sagan (9). Kurz darauf schlossen Clement und Fonseca wieder zum Tschechischen Zeitfahrmeister auf, wogegen Quemeneur endgültig im Feld verschwand. Doch auch das verbleibende Trio bekam nur noch eine kurze Gnadenfrist zugerstanden, ehe es bereits rund 60 Kilometer vor dem Ziel endgültig eingefangen wurde. Sofort ging Etixx bei nun immer stärker werdendem Regen in die Offensive – diesmal mit nachhaltiger Wirkung.
Denn bei der Attacke wurde der größte Teil des Feldes samt Nibali – der kurz darauf auch noch durch einen Defekt aufgehalten wurde -, Quintana – der zunächst sogar in einer dritten Gruppe festsaß, die aber den Anschluss zumindest an die Nibali-Gruppe schaffte - und auch dessen Teamkollege Alejandro Valverde sowie die französischen Hoffnungen Thibaut Pinot (FDJ) und Romain Bardet (Ag2R) tatsächlich abgehängt.
Auf den letzten 40 Kilometern änderte sich an dieser Konstellation dann auch nichts mehr, weil vorne in erster Linie Etixx-Quick-Step und Tinkoff-Saxo das Gaspedal durchtraten. Contador und auch Froome – dessen Helfer sich meist zurückhielten – hatten den Zug nicht verpasst.
Nachdem zwischenzeitlich mit Sturm-und Orkanböen an der Küste gerechnet werden mussten, besserte sich das Wetter auf den letzten Kilometern dann doch zusehends und auf den letzten Kilometern kam sogar wieder die Sonne hinter den Wolken hervor. Der Wind blies allerdings weiter kräftig, so dass die Klassikerspezialisten von Etixx, Sky, Lotto und Tinkoff ihre Stärken voll ausspielten konnten. Immer wieder zeigten sich Martin, aber auch Weltmeister Michal Kwiatkowski und auch Sagan an der Spitze, so dass der Vorsprung auf schließlich fast eineinhalb Minuten anwuchs.
Sagans Felle schienen nach einem späten Defekt dann aber wegzuschwimmen, doch der Slowakische Meister schaffte auf den letzten Kilometern nach einem wahren Kraftakt wieder den Anschluss. Möglicherweise waren das dann aber die Körner, die dem 25-Jährigen dann auf den letzten Metern im Duell mit Greipel fehlten.
Der nämlich war von seinen Helfern perfekt aus dem Wind gehalten worden, wogegen Cavendish auf dem Schlusskilometer nur noch Mark Renshaw vor sich hatte. Der Australier gab zwar sein Bestes, um seinem Kapitän den Sprint anzuziehen, musste Cavendish aber viel zu weit vom Ziel entfernt „abliefern“. Das war die Chance für den „Gorilla“, der sich nicht zwei Mal bitten ließ und sich schließlich knapp gegen Sagan und Cancellara durchsetzte.
Im Gesamtklassement führt der Berner nun mit drei Sekunden Vorsprung auf Martin – der Neunter wurde – und deren sechs auf den Niederländer Tom Dumoulin (Giant-Alpecin), der im Tagesklassement einen Platz vor Martin landete. Bester der Top-Favoriten ist nun Froome, der mit 48 Sekunden Rückstand Rang zehn belegt, gefolgt von Contador (14./+1:00), Nibali (33./+2:09) und Quintana (44./+2:27).
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