Training in Zeiten von Corona

Soll man draußen noch radfahren?

Von Eric Gutglück

Foto zu dem Text "Soll man draußen noch radfahren?"
Radport bleibt weiterhin erlaubt – allerdings maximal zu zweit. | Foto: Attaquer

23.03.2020  |  (rsn) – Die Corona-Pandemie hat das öffentliche Leben in Deutschland praktisch lahmgelegt. Mit der am vergangenen Sonntag verhängten Kontaktsperre soll die Ausbreitung des Virus verlangsamt werden. Auf die Straße darf nur noch, wer dringende Besorgungen zu erledigen hat, zum Arzt oder zur Arbeit muss. Aber auch Spazierengehen oder Sport bleiben weiterhin erlaubt – allerdings maximal zu zweit (in Bayern nur alleine), oder gemeinsam mit im selben Haushalt lebenden Personen.

Somit ist Radfahren trotz der Beschränkungen weiter möglich. Und das schöne Wetter lockt derzeit zahlreiche Radsportler auf die Straßen. Allerdings hat jeder ein persönliches Empfinden, ob Training an der frischen Luft noch vertretbar ist, oder man in Anbetracht der Lage für die nächste Zeit auf Indoor-Training umsteigen sollte.
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trägt die Argumente für das Training auf Straße oder Rolle zusammen.

Radfahren ist draußen

Radfahren ist eine Outdoor-Sportart. Die derzeitige Ausgangsbeschränkung auf maximal zwei Personen oder Menschen aus demselben Haushalt hält rechtlich betrachtet niemanden vom Radfahren ab. Im Gegenteil: Bei Ausfahrten alleine kommt es kaum zu Kontakt mit Fremden, zumindest wenn sich die Trainingsrunde lediglich auf das Absolvieren der Strecke beschränkt und keine sozialen Kontakte damit verbunden sind.

Dabei gilt natürlich: keine Vereinsausfahrten, keine Kaffee-Stopps oder sonstige Geselligkeiten. Und wer sich mit einer zweiten Person zum Training verabredet, sollte selbstverständlich auf Begrüßungsrituale wie den Handschlag oder Umarmung verzichten, sowie beim "Naseputzen“ auf dem Rad seinen Mitstreiter vorwarnen - und Abstand halten.

Doch auch beim Training alleine sollte man auf einige Punkte achten, um das Risiko einer Corona-Infektion zu minimieren. An roten Ampeln muss man sich nicht an einer Laterne oder einem Geländer festhalten (wo im Zweifel schon zahlreiche andere Radfahrer hingefasst haben), sondern kann den Fuß aus dem Klickpedal nehmen. Wer an einer Ampel den Schalter drücken muss, sollte dies mit dem Ellenbogen tun – ein Körperteil, mit dem man schon anatomisch bedingt sein Gesicht seltener berührt als mit der Hand…

Fakt ist: Radfahren an der frischen Luft stärkt das Immun-System und tut gerade in Zeiten von Homeoffice der Seele gut. Die gern zitierte Gefahr von Stürzen und der damit verbundenen Beanspruchung von medizinischen Ressourcen ist zwar nicht von der Hand zu weisen. Allerdings kann jeder das Unfall-Risiko reduzieren, indem man sich verkehrsregelkonform verhält, mit dem Mountainbike keine spektakulären Trails fährt und in Abfahrten nicht auf die Jagd nach der Strava-Bestzeit geht.

Trendsportart Indoor-Training

Wer sich auf der Straße dennoch nicht sicher fühlt, dem bietet die neueste Technik zahlreiche Argumente dafür, das Training von der Straße nach drinnen zu verlegen. Dank moderner Smart-Trainer und zahlreicher Software-Anbieter wie Zwift, Trainerroad & Co. hat das Auf-der-Rolle-fahren den Ruf der Langeweile längst abgelegt und erfreut sich wachsender Beliebtheit.

Zwar wird das Training in Wohnzimmer, Keller oder Garage mangels Frischluft schnell zur eher stickigen, schweißtreibenden Angelegenheit – ein Ventilator schafft da allerdings Abhilfe. Bei gutem Wetter lässt sich die Rolle auch mal draußen auf dem Balkon oder der Terrasse aufbauen, ein Sonnenschirm spendet bei warmen Temperaturen Schatten.

Wem die soziale Interaktion seiner angestammten Trainingsgruppe fehlt, der kann per Headset während der Rollen-Einheit mit den Freunden telefonieren. So vergeht die Zeit schneller und das Vereinsleben kommt ebenfalls nicht zu kurz. Zudem kann man spannende Radsport-Filme gucken - rsn hat die besten für Sie zusammengestellt.

Vorsicht gilt für alle, die beim Indoor-Training auf Intervalle zum Formaufbau setzen. Das durch harte Anstrengungen belastete Immun-System ist gerade in den ersten 30 Minuten nach der Einheit besonders anfällig für Krankheitserreger, und damit natürlich auch für Corona-Viren - das sogenannte Open-Window-Syndrom.

Deshalb gilt: Schnell raus aus den verschwitzen Klamotten, ab unter die Dusche und die verbrannten Kalorien und Nährstoffe schnell wieder zuführen. In den ersten Stunden nach der Einheit sollte zudem auf warme Kleidung geachtet werden, vor allem wenn man für wichtige Besorgungen nach draußen muss.

Hygiene und Akzeptanz

Für welche Trainingsform man sich auch entscheidet: In der aktuellen Situation sind hygienische Standards besonders wichtig. Daher sollte man gleich nach der Einheit unter die Dusche gehen, die Radbekleidung reinigen und die Trinkflaschen gründlich auswaschen, vor allem das Mundstück.

Auch wichtig: die Entscheidung des anderen zu akzeptieren. Solange sich die gewählte Trainingsform im vorgegebenen Rahmen abspielt, sollte kein Radfahrer dafür kritisiert werden, wie er Rad fährt – ob drinnen oder draußen.

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