Gravel-EM: Niederländischer Doppelsieg bei den Frauen

Würtz Schmidt “macht den Pogacar“ und gewinnt mit langem Solo

Von Jens Claussen

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Mads Würtz Schmidt bejubelt seinen Titelgewinn bei der Gravel-EM. | Foto: Cor Vos

30.08.2026  |  (rsn) – Mads Würtz Schmidt (Dänemark) und Femke Markus (Niederlande) heißen die neuen Gravel-Europameister, die sich am Ende souverän auf einem anspruchsvollen Kurs rund um das belgische Houffalize über 138 Kilometer mit 2.190 Höhenmetern durchsetzen konnten. Während der Däne seinen Titel aus dem Vorjahr verteidigen konnte, schlüpfte Markus erstmals in ihrer Karriere ins Europameistertrikot.

Silber sicherten sich auf einer durch Regenfälle aufgeweichten Strecke der Belgier Wout Alleman (+1:09) und die Niederländerin Shirin van Anrooij (+0:02). Bronze ging an Niels Vandeputte (Belgie n /+3:43) und Axelle Dubau-Prévot (Frankreich / +0:08). 

Bei den Männern folgten Eddy Le Huitouze (Frankreich / +3:48) und Casey South (Schweiz / +4:02) auf den Plätzen. Rang vier in der Frauen-Elite belegte Larissa Hartog (Niederlande / +0:23) vor der Schweizerin Elena Hartmann (+3:24). Titelverteidige rin Erica Magnaldi (Italien / +7:39) landete auf Rang sieben. 

Die deutschen Starter und Starterinnen hatten mit dem Ausgang der kontinentalen Titelkämpfe nichts zu tun. Luca Dressler (+10:30) belegte als bester Fahrer von Germany Cycling Rang 15, Carolin Schiff kam bei den Frauen mit +9:13 Minuten Rückstand ins Ziel. 

Den Titel zu verteidigen, sei eine noch größere Aufgabe gewesen, als ihn erstmals zu erobern, meinte ein müder Europameister im Zielinterview. “Ich wurde ziemlich emotional, als ich die Ziellinie überquerte. Es ist schwierig zurückzukommen“, so Würtz Schmidt. “Das erste Mal zu gewinnen ist sicherlich auch nicht leicht, aber das zu wiederholen, sehr schwierig. Ich war super nervös vor dem Rennen, habe eine Menge an Druck gespürt und mir diesen auch selbst gemacht“, so der Däne weiter.

Auf die Frage zu seiner rennentscheidenden Attacke antwortete er: “Als wir in der Gruppe vorne waren, schätzte ich Wout (Alleman) als meinen stärksten Gegner ein und suchte einen passenden Moment, ihn zu attackieren. Als ich am Anstieg dann den Druck erhöhte, verlor er ein paar Meter und ich konnte davonfahren.“

Europameisterin Markus war auf dem Weg zu Gold noch kurz aus dem Tritt geraten. “Es war hektisch und als ich im Schlamm steckte und beinahe gestürzt war, dachte ich, das Rennen sei für mich beendet“, sah sie ihre Felle schon davonschwimmen. “Aber ich wollte nicht auf diese Art und Weise aufhören und musste weiterkämpfen und am Ende bin ich sehr glücklich mit diesem Titel.“

So liefen die Gravel-Europameisterschaften der Elite-Klassen:

Zwei Dänen, ein Belgier und ein Italiener - schnell wurde deutlich, aus welcher Nation der Europameister im Männerrennen kommen würde. Top-Favorit Würtz Schmidt konnte sich gemeinsam mit Landsmann Magnus Bak Klaris, Alleman und Jakob Dorigoni (Italien) früh aus dem Peloton lösen und schon ab der zweiten von drei zu fahrenden Runden das Renngeschehen mitbestimmen. 

Nach 80 Kilometern setzte Würtz Schmidt, ähnlich wie bei seinem Sieg beim Unbound zu einem unwiderstehlichen Solo an, das ihm 25 Kilometer vor dem Ziel bereits zu einem Vorsprung von 53 Sekunden auf seine unmittelbaren Verfolger Alleman sowie eine weitere Gruppe verhalf. Diese fuhr mit einem Abstand von 2:55 Minuten nur noch um Bronze.

Bis zur Ziellinie sollte sich an dieser Konstellation nichts mehr verändern. In der Manier eines Tadej Pogacar (UAE – Emirates XRG) beendete der 32-Jährige sein 58 Kilometer langes Solo, ehe auch Alleman, ebenfalls alleine, Houffalize erreichte.

Auch bei den Frauen dominierte schnell eine Spitzengruppe, in der neben Hartmann und Landsfrau Sereina Leugger noch die favorisierten Niederländerinnen Markus, van Anrooij und Larissa Hartog in der Überzahl waren. 25 Kilometer vor Rennende war dann nur noch ein Quartett übriggeblieben, nachdem Hartmann und Leugger zurückgefallen waren, die Französin Dubau-Prévot hingegen den Anschluss herstellen konnte.

Diese viel fünf Kilometer darauf jedoch dem Umstand zum Opfer, dass auch bei Titelkämpfen die Elitefelder gemeinsam mit den Age-Groupern unterwegs sind. Dubau-Prévot war für einen Moment unaufmerksam, als sie kurzzeitig hinter einem Amateurfahrer eingeklemmt war und sogar vom Rad musste. Weg waren die drei Niederländerinnen, doch der Fahrerin von EF Eduacation – Oatly gelang rasch wieder der Anschluss.

Van Anrooij bereit vor was Markus dann vollendet

Anders als bei den teaminternen Unstimmigkeiten der letzten Weltmeisterschaften fuhren die Oranjes, die zwischenzeitlich Hartog verloren hatten, diszipliniert und geschlossen, ehe Dubau-Prévot am letzten Anstieg 10 Kilometer vor Ziel eine Attacke setzte, der zunächst nur van Anrooij folgen konnte. Diese wiederum konterte zwei Kilometer später und fuhr ihrerseits eine Lücke von wenigen Sekunden heraus. Markus saß zu diesem Zeitpunkt nur noch am Hinterrad von Dubau-Prévot und verweigerte jegliche Führungsarbeit.

Als es 4,5 Kilometer vor dem Ziel wieder zum Zusammenschluss kam, spielten die beiden Niederländerinnen das Spiel clever und ließen ihre Kontrahentin auf den verbleibenden Kilometern ausschließlich von vorne fahren. Dem Antritt von Markus auf der Zielgeraden konnten dann weder van Anrooij noch Dubau-Prévot etwas entgegensetzten.

Obwohl das Rennen der Männer durch die Dominanz des neuen und alten Europameisters schon nach zwei Dritteln der Distanz entschieden war, gab es im Live-Stream zunächst keinerlei Bilder der Frauenkonkurrenz. Erst als die Spitzenfahrer das Ziel erreicht hatten und das Siegerinterview beendet war, rückten die Frauen ins Bild.

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